Freitag, 7. Dezember 2018

Hallo meine Lieben. Ich lebe noch! Nur falls sich das irgendwer gefragt hat :D. Der letzte Monat war so stressig, dass ich es nie geschafft habe mich zu melden. Nicht negativ stressig, aber dennoch anstrengend. Ich habe mein Praktikum absolviert. Die Station auf der ich gearbeitet habe war in der Kinder- und Jugendpsychiatrie. Es war eine Station für Jugendliche im Alter von 15-18 Jahren, die meisten Patienten waren geistig behindert oder hatten eine Form von Autismus. Es gab aber auch ein paar normalintelligente Patienten, mit denen habe ich mich besonders gut verstanden. Die Arbeit hat mir sehr sehr viel Spaß gemacht und ich denke dass ich in diesem Berufsfeld gut klarkommen werde. Ich bin  mit den meisten Patienten gut ausgekommen und konnte mein eigenes Wissen über psychische Probleme sehr gut einbringen. Mit dem Personal habe ich mich auch größtenteils gut verstanden, nur mit einer Pflegerin bin ich gar nicht ausgekommen, aber das ist niemand, also von daher. Neben mir war noch ein anderer Praktikant, ein FSJler und eine Auszubildende auf der Station, immer zwei von uns in derselben Schicht. Mit den dreien habe ich mich besonders gut verstanden, gerade die Schülerin konnte mir schon viele Tipps und Eindrücke zur Ausbildung geben. Mein Vorstellungsgespräch dort lief auch richtig richtig gut und ich habe einen Ausbildungsplatz in meiner Wunschklinik bekommen. Es war nicht nur ein einfaches Vorstellungsgespräch sondern ein Assessment Center, da waren neben mir noch 11 weitere Bewerber und wir haben größtenteils miteinander agiert. Es gab eine Runde in der sich alle vorgestellt haben, dann gab es eine mündliche Aufgabe über die wir in Gruppen diskutieren mussten und eine schriftliche Aufgabe, die jeder alleine lösen musste. Dann ein Abschlussgespräch, wo jeder alleine rein gegangen ist und dann gab es direkt die Zu- und Absagen. So konnte ich auch schon einige Leute kennenlernen mit denen ich später in einer Klasse sein werde, die waren alle sehr nett. Nach der Arbeit war ich dann aber immer so platt, dass ich nur noch nichts tun wollte, oder mich ein bisschen mit Sven getroffen habe. Sven wurde beim Finanzamt leider nicht angenommen, also suchen wir für ihn noch einen Ausbildungsplatz. Dann haben wir unsere Wohnung in Bonn ausgeräumt und dort renoviert, sogut wir das konnten. Seit Dienstag sind wir die Wohnung dann los. Das ist also schonmal ein Problem weniger. Jetzt muss ich noch einen Nebenjob finden den ich machen kann bis meine Ausbildung los geht und nach einer neuen Wohnung Ausschau halten. Aber gerade muss ich mich erstmal ein paar Tage ausruhen. Ich merke erst jetzt wie ausgebrannt mein Kopf ist, ich bin super antriebslos in den letzten Tagen. Und ich verbringe so viel Zeit wie ich kann mit Sven, auch wenn wir eigentlich nur Serien schauen und kuscheln. Gestern Abend bin ich noch spontan zu meinem Kumpel gefahren und wir haben was gezockt, bzw. er hat gezockt und ich habe zugesehen, dabei geredet und nen Film geschaut. Ich bin gerade also erstmal dabei die Sachen aufzuarbeiten, die ich im November wegen Arbeit und Auszug nicht geschafft habe. Sowas wie bei meinem Vater den Haushalt zu machen oder soziale Kontakte zu pflegen. Sonst gibt es zu den Dingen die ich in der vergangenen Zeit getrieben habe eigentlich nicht viel zu sagen. Emotional ging es mir auch soweit okay, vielleicht hatte ich auch einfach zu wenig Zeit um viel zu fühlen. Es gab in der Klinik auch ein paar Situationen die mich getriggert haben. Wenn ein Mädchen mit blutendem Arm ins Schwesternzimmer kommt und die Rasierklinge übergibt. Wenn Personal, dass mit Borderline Symptomatik jeglicher Art nicht vertraut ist sich darüber unterhält wie wenig sie das alles nachvollziehen können. Wenn ein Junge mir auf die Brüste schlägt. Doch obwohl ich in den vier Wochen die ich dort verbracht habe geschlagen, getreten, getriggert und belästigt wurde bin ich mir nun sicherer denn je dass ich dort arbeiten möchte. Denn ich habe gesehen wie sich Patienten gefreut haben, wenn ich mit ihnen gespielt oder auch nur geredet habe. Ich konnte verstehen was mache Examinierte nicht verstehen konnten und mich entsprechend mit den Patienten beschäftigen, teilweise sogar engagierte und offene Pfleger erreichen mit dem was ich mitbringen konnte. Ich kann die Erfahrungen die ich gemacht habe und die mich so quälten endlich für etwas richtig gutes einsetzen. Und gerade mit Jugendlichen in diesem Alter bin ich sehr gut klar gekommen. Mit den Leuten bei meiner Hospitation in der Erwachsenenpsychiatrie konnte ich nicht so viel anfangen, da gab es einfach nicht so viel Patientenkontakt. Doch gerade der ist mir sehr wichtig. Von meiner Hospitation kenne ich keinen einzigen Namen mehr, im Praktikum kannte ich die Namen von allen Patienten schon nach dem ersten Tag. Und ob ich nach der Ausbildung dann noch Psychologie studiere oder nicht das kann ich dann ja immer noch entscheiden.
Also ich würde sagen ich kann mich momentan über nichts beklagen. Stück für Stück läuft alles. Ab sofort werde ich mich auch wieder regelmäßig melden. Ich wünsche euch ein schönes Wochenende, bis dann ihr Lieben!