Dienstag, 28. Dezember 2021

 So, das hat ja mal wieder super gut geklappt mit dem melden. Aber das seid ihr ja leider inzwischen von mir gewöhnt. Vielleicht sollte ich mir das mal als guten Vorsatz für nächstes Jahr nehmen: Mindestens einmal pro Monat bloggen. Aber ich will nichts versprechen. Und eigentlich mache ich auch keine Neujahrsvorsätze. Naja, mal sehen. 

Mein Schulblock ist schon wieder vorbei, ich arbeite seit 2 Wochen wieder und hatte davor noch eine Woche Urlaub. Aber alles schön der Reihe nach. Zunächst habe ich mich ja Ende Oktober mit meinem Kumpel aus der Ausbildung getroffen. Er hat meine Katzen kennengelernt und wir haben uns einfach einen gemütlichen Nachmittag auf der Couch gemacht und viel gequatscht, das war super schön. Ein paar Tage später habe ich dann die Halloweenparty gemacht. Das war in der Vorbereitung echt stressig, weil ich in keine Ahnung wie viele Läden musste, um alles einzukaufen, weil die Supermärkte auf dem Land einfach nichts da haben. Auf der Party waren dann ein paar Leute aus meinem Kurs. Wie immer wenn ich Parties feiere haben viele Leute abgesagt. Jedes Mal nehme ich das persönlich wie ein kleines Kind. Aber es war trotzdem ein netter Abend. Auch wenn ich etwas enttäuscht war, dass die meisten schon früh abgehauen sind, die letzte ist um 1 Uhr gegangen, und getrunken wurde irgendwie auch nicht viel, obwohl das sonst auf Parties immer so die Absturztruppe ist. Auch das habe ich natürlich persönlich genommen. Wahrscheinlich war es den Leuten einfach nur zu kalt draußen. Ich versuche mich nicht darauf einzulassen mich selbst schlecht zu machen, aber das ist echt schwer. Es ist so einfach sich einfach zu sagen "du bist scheiße, dich mag keine, alle fanden den Abend doof und sind deshalb früh weg". Mein Freund erinnert mich immer wieder daran, dass ich ich mich viel zu schnell angegriffen fühle und die Gefühle die andere Menschen mir gegenüber haben prinzipiell vollkommen falsch einschätze. Damit hat er vermutlich ziemlich recht. Also bleibt bei mir einfach nur ein riesengroßes Fragezeichen. Und am Ende des Tages höre ich trotzdem viel zu oft auf die Stimme, die mir sagt was für ein schrecklicher Mensch ich bin. Aber immerhin stelle ich sie ab und zu mal in Frage, das ist eine Verbesserung. Naja, ich will euch hier jetzt nicht mit meinen Selbsthass Reden zutexten, das habe ich schon viel zu oft gemacht. Also weiter. Im November hatte ich wieder Schule. Und bin mit meinem Kurs nach Berlin gefahren. Ich wollte mir dort mal wieder eine Woche ohne ständiger Selbstkontrolle gönnen. Weil ich es so unfassbar anstrengend finde bei jedem Schritt den ich mache darauf zu achten wie ich mich fühle und mich zu fragen was ich tun muss um nicht die Kontrolle zu verlieren. Also habe ich drauf geschissen, hatte die erste Flasche Wodka leer bevor wir überhaupt in Berlin angekommen waren. Dazu ne Hand voll Joints und es ging mir echt gut. Wir waren am ersten Abend noch in einer Cocktailbar und haben ein wenig die Stadt erkundet. Das Hotel war schrott, aber da haben wir eh nicht viel Zeit verbracht. Am zweiten Tag habe ich wieder ziemlich viel getrunken und gekifft und abends im Club, wo ich mich nicht richtig wohl gefühlt habe, hab ich mich dann wieder auf Toilette eingeschlossen und mir den Oberschenkel aufgeschnitten. Rückblickend betrachtet hätte ich das irgendwie erwarten und verhindern können. Aber ich wollte einfach nicht. Wollte nicht auf mich achten müssen, sondern einfach loslassen, so wie alle anderen auch. An dem Abend waren nur leider alle Leute mit denen ich engeren Kontakt habe abgesprungen, hatten entweder keine Lust auf Party oder haben sich abgesetzt ohne dass ich es mitbekommen habe. Nachdem ich in der Nacht dann kein Auge zugemacht habe, weil wir immer wieder irgendwen in der Stadt einsammeln mussten bis 6 Uhr morgens, habe ich am Mittwoch mal einen ruhigeren Tag gemacht, nichts getrunken, nur gekifft und tatsächlich mal geschlafen. Donnerstag ging es dann wieder feiern. Wieder auf Toilette eingeschlossen und geschnitten. Alkohol und ich sind irgendwie keine Freunde mehr. Entweder die Stimme der Vernunft ist da und hält mich zurück oder ich besaufe mich hemmungslos und mache irgendeine Scheiße. Beides finde ich nicht so geil. Deshalb kiffe ich auch sonst eigentlich nur noch, anstatt zu trinken. Naja. Aber es war trotzdem eine schöne Woche, ich habe die Zeit mit meinem Kurs wie immer sehr genossen. Es klingt jetzt so als hätte ich mich die meiste Zeit scheiße gefühlt, aber das habe ich in letzter Zeit sowieso ziemlich oft. Es war tröstlich ein paar Leute um mich herum zu haben, die ich gerne habe. Auch wenn ich trotzdem viel Scheiße gemacht habe. Aber scheiß drauf. Man konnte es mir in dieser Zeit einfach nicht recht machen. Unter Menschen habe ich mich einsam  gefühlt, obwohl ich mit jedem hätte reden können. Und wenn ich alleine war konnte ich mich selbst nicht ertragen. Und das fand ich noch schlimmer. Im Schulblock ging das dann irgendwie so weiter. Ich habe mich noch ein paar Mal geschnitten und mich einsam gefühlt und mich selbst nicht ertragen, auch nüchtern. Trotzdem war es gut in der Schule zu sein, auch wenn es nicht so scheint, da fühle ich mich wohl. Schule ist etwas Vertrautes und das will ich einfach nicht loslassen. Aber ich muss in ein paar Monaten. Vielleicht fühle ich mich deshalb im Schulblock immer so schlecht. Weil ich nicht will, dass diese Zeit endlich ist. Aber alles ist endlich. Außer die Zeit an sich. Keine Sorge, ich stoppe mich selbst, bevor das hier eine Physikvorlesung wird. 

Kommen wir zum Dezember. Ich hatte eine Woche Urlaub, das tat mir so gut. Ich habe viel gekifft und geschlafen und bin endlich mal wieder etwas zur Ruhe gekommen. Habe mich nochmal mit Sophie getroffen und mit ihr was getrunken und viel geredet. Wie immer tat das sehr gut. Dann war ich noch mit 2 Freundinnen aus meinem Kurs shoppen und habe einen Abend bei meinem Kurskumpel verbracht. Die Zeit ging viel zu schnell rum. Dann ging es wieder auf Station, arbeiten. Seit gut 2 Wochen bin ich wieder da. Nach dem Urlaub hasse ich Frühdienste noch mehr als sonst. Was für eine Körperverletzung mitten in der Nacht aufstehen zu müssen. Und dann immer die Leute die einem erzählen "aber dann hast du wenigstens noch was vom Tag". Einen Scheiß habe ich dann noch vom Tag. Das einzige was ich dann habe ist schlechte Laune und keine Motivation irgendwas zu machen. Ich versuche mich jeden Tag zu motivieren irgendwas angenehmes zu machen, aber meistens liege ich nur depressiv auf der Couch und mache gar nichts. Dass Weihnachtszeit war hat das nicht gerade besser gemacht. Kurz vor Weihnachten habe ich Sophie nochmal in Köln besucht, wir hatten nochmal einen schönen Tag, bevor dann Weihnachten tatsächlich da war. Ich musste alle 3 Tage arbeiten. Das war zum einen gut, weil ich dann wenig Zeit hatte darüber nachzudenken wie sehr mich alles ankotzt. Zum anderen war das aber auch echt anstrengend, weil ich trotzdem versucht habe meinem Vater und Alex Familie gerecht zu werden und dadurch 3 Tage lang keine Sekunde Freizeit hatte. Und bei den dämlichen Familientreffen musste ich auch noch nüchtern bleiben, weil ich am nächsten Tag arbeiten musste. Folter Leute, echt Folter. Aber gut, dafür habe ich Silvester frei, das ist mir auch irgendwie wichtiger als Weihnachten. Auf jeden Fall bin ich froh, dass die Feiertage jetzt vorbei sind. 

Heute hatte ich auch noch eine Art Bewerbungsgespräch. Nicht wirklich, weil ich im Moment sowieso in der Abteilung arbeite, aber es ging halt um meine Übernahme. Ich weiß schon, dass ich safe nach dem Examen in der Klinik bleiben kann, nur eben noch nicht auf welcher Station. Auf der Station wo ich gerade bin wäre ich gerne geblieben, aber da ist keine Stelle frei. Also gehe ich in 2 Wochen auf einer Kriseninterventionsstation für Persönlichkeitsstörungen probearbeiten. Wenn es mir da gefällt kann ich da ab April anfangen. Also drückt mir die Daumen, dass es gut wird. Es stresst mich über die Zeit nach dem Examen nachzudenken, weil ich noch nicht genau weiß wie es dann weitergeht. Ich hasse es keinen Plan zu haben. Aber den Plan kann ich erst machen, wenn ich weiß wo ich hinkomme und ob ich die Nachtwachenstelle bekomme, die ich mir wünsche. Das erfahre ich also in 2 Wochen. Und dann kann ich endlich planen. Und mich natürlich darum kümmern, dass ich meine Prüfungen bestehe. Am 20. und 21. Januar habe ich praktische Prüfung, Ende Februar die Schriftlichen und Ende März die Mündliche. Wirklich viel gelernt habe ich dafür irgendwie auch noch nicht. Das werde ich in ein paar Wochen auch bitter bereuen. Aber ich musste in den letzten Wochen erstmal dafür sorgen, dass ich aus meiner eigenen Krise raus komme. Ich hoffe, dass ich das geschafft habe. Seit 4 Wochen habe ich mich nicht mehr selbstverletzt und in dieser Zeit auch wirklich viele schöne Sachen unternommen, habe es wieder besser ertragen Menschen um mich herum zu haben und kann es wieder aushalten, mit mir alleine zu sein. Genieße das sogar meistens und gönne mir aktiv Ruhepausen. Ich schätze, das ist eine ganz gute Entwicklung. Ich kann natürlich nicht garantieren, dass das so bleibt, aber für den Moment läuft es so gut wie es eben laufen kann, wenn ein Borderliner mit dissoziativer Identitätsstörung sich im Prüfungsstress befindet. Ich pack das schon. Am Ende wird es sich lohnen, das muss es einfach. 

So, damit wären wir in der Gegenwart angekommen. Jetzt wünsche ich euch einen guten Rutsch ins Jahr 2022. Ich hoffe ihr habt frei und könnt die Zeit zwischen den Feiertagen genießen und etwas Ruhe und Kraft tanken. Passt auf euch auf!

Donnerstag, 21. Oktober 2021

 Hallo ihr Lieben. Ist mal wieder lange her. Ich beginne meinen Post direkt mit der Beichte, dass ich am 01.09. rückfällig geworden bin und mich wieder geschnitten habe. Mit einem Messer auf der Schultoilette eingeschlossen. Stilvoll wie in meiner Jugend. Es ist zum Glück bei dem einen Mal geblieben. Und was soll ich euch sagen? Es hat mir nicht mehr die gleiche Erleichterung gebracht wie früher. Nach 2 Jahren und 4 Monaten ohne einen einzigen Schnitt hätte man meinen können, dass ich gleich high vor Endorphinen werde, aber nein. Ich saß auf dem Klo und dachte mir "scheiße, wieso zur Hölle hast du das getan?". Ich habe den Schmerz gefühlt, der mich hätte befreien sollen und für eine Sekunde hat es sich auch wirklich gut angefühlt, aber sobald der Schmerz abgeflacht war, habe ich mich nur noch beschissener gefühlt. Ich war enttäuscht von mir und wusste, dass andere Leute es auch sein würden. Wusste nicht, wie ich mich am besten verhalten sollte. Einfach alle anlügen, so wie früher. Kurz und schmerzlos die Wahrheit sagen, so wie ich es eigentlich immer tun möchte. Ohne mich für eine Variante zu entscheiden bin ich raus gegangen und habe eine Kippe nach der nächsten geraucht. Habe mich so unglaublich verloren gefühlt, zwischen all der Menschen, die so fröhlich miteinander geredet und gelacht haben, während meine einzige Sorge war, ob der Schnitt an meinem Bein wohl durch meine Jeans blutet. Gut, dass ich fast nur schwarze Sachen trage, darauf sieht man das Blut nicht so gut. Denn es hat durchgeblutet. Niemand hat es gesehen. In der Schule habe ich alle angelogen. Naja fast. Mein Kumpel, der der mich in der Woche zuvor davon abhalten konnte so eine Scheiße zu bauen, wusste ziemlich schnell, was ich getan hatte. Es ist beängstigend und wunderschön zugleich, jemanden zu haben, der ohne viele Worte weiß, was los ist. Meinem Freund habe ich es auch gesagt, sobald wir uns abends gesehen haben. Ich wollte das nicht übers Telefon machen. Er war sehr verständnisvoll, hat mir versichert, dass er nicht enttäuscht von mir wäre. Seine Augen haben mir gesagt, dass das die Wahrheit war. Erleichterung. Einer weiteren Freundin habe ich es am Abend noch geschrieben, damit sie Bescheid wusste und sich nicht hintergangen fühlt. Auch sie war sehr verständnisvoll. Womit ich das verdient habe? Keine Ahnung. Ich habe beschlossen, am nächsten Tag nicht zur Schule zu gehen, habe mir abends zum schlafen eine Tavor geschmissen und versucht runterzukommen. Aber mit mir alleine zu sein den ganzen Tag war viel schlimmer, als in der Klasse zu sitzen und sich einsam zu fühlen. Meine Dämonen konnten sich in Ruhe austoben. Also bin ich am nächsten Tag wieder zur Schule gegangen. Wäre eigentlich zum schwimmen verabredet gewesen, das habe ich auch abgesagt, aus offensichtlichen Gründen. Am Wochenende danach habe ich mich mit Sophie getroffen. Wir haben getrunken und gekifft, ich habe es ihr auch gesagt, damit waren alle wichtigen Menschen in meinem Leben abgearbeitet, ich habe vor keinem der zählt gelogen. Der Abend mit Sophie tat richtig gut, wir haben so viel geredet, Fotos gemacht, die letzten Sonnenstrahlen genossen, ich habe mich endlich wieder wie ein lebender Mensch gefühlt. Bin unsicheren Schrittes nach hause gelaufen, 5km durch die Nacht, das hat mich an früher erinnert, als ich mich noch regelmäßig mit Freunden auf irgendeiner Parkbank betrunken habe. Schmerzlich, dass es vorbei ist. Wertvoll, dass ich diese Erinnerungen habe. Danach sind die Tage nur so vorbei gezogen. Ich habe mich schnell wieder angespannt gefühlt, habe mich daran erinnert, dass mir der Schnitt nicht geholfen hat, habe es also gelassen, versucht, mich mit Sport und schreiben und zocken und fernsehen abzulenken. Das hat semigut funktioniert. Dann hatte ich endlich mal wieder einen Termin bei meiner Psychologin. Ihr musste ich es auch noch beichten. Wir haben viel an mir gearbeitet, in den letzten Wochen. Haben noch Persönlichkeit Nr. 20 gefunden und in Hypnotherapie konnten sie sich alle gleichzeitig mit ihr unterhalten, Strukturen formen, auch Hilfe bekommen. Manchmal schaffe ich es, wenn ich mich richtig darauf konzentriere und mich in einen meditativen Zustand begebe, selbst in meinen inneren Besprechungsraum zu gehen, und mit den anderen zu reden. An schlechten Tagen habe ich trotzdem noch Aussetzer, aber immerhin keine neuen Kratzspuren mehr, an deren Entstehung ich mich nicht erinnere. Das ist gut. 

Der Schulblock ging schnell vorbei, seit dem 17.09. habe ich niemanden mehr gesehen. Manchmal auf dem Weg zur Station laufe ich jemandem über den Weg und wir tauschen kurz 2 Minuten lang aus, wie es so läuft. Aber ich meine privat, außerhalb der Klinik habe ich niemanden getroffen. Dafür machen mein Kumpel und ich uns jeden Abend ein Memotagebuch, erzählen uns gegenseitig, wie der Tag so war. Es ist zu einem schönen Ritual geworden und es tröstet mich etwas, zumindest jeden Tag seine Stimme zu hören. Wir wollen uns vielleicht nächste Woche mal treffen, das wäre schön. Außerdem feiere ich dieses Jahr eine Halloweenparty und hoffe, dass viele Leute aus der Schule kommen werden. Darauf freue ich mich. Wir können in der Scheune von Alex Eltern feiern, ich muss noch Deko besorgen und mich um Essen und Getränke kümmern, aber ich bin mir sicher, dass sich der Aufwand lohnen wird. Und ab dem 2.11. habe ich endlich wieder Schule. Diesen Praxisblock bin ich auf einer Station für Depressionen und Suizidalität, wir haben auch Patienten mit Angststörungen oder Borderline. Vor 2 Tagen hat mich eine Patientin gefragt, ob ich weiß, was Borderline ist. "Oh Schätzchen, du hast ja keine Ahnung", dachte ich mir. Viele Patienten sagen mir, dass sie es bewundernswert finden, wie ich als Auszubildende über die Station laufe und jedem einzelnen Menschen das Gefühl geben kann, ihn zu verstehen und mich auf jede Art von Problemen einlassen kann. "Das können zum Teil nicht mal die Ausgelernten, die schon jahrelang dabei sind", sagte gestern ein Patient zu mir. Vor 2 Wochen hatte ich praktische Vorprüfung, wo mir einen Tag lang 2 Prüfer hinterher gelaufen sind und geschaut haben, wie ich mit einer zuvor ausgewählten Gruppe von Patienten arbeite. Ich habe mit einer Note von 1,4 bestanden. Mein Prüfer sagte, dass er es sehr beeindruckend fand, wie empathisch ich mich auf jeden Patienten eingelassen habe und wie ich bei unterschiedlichsten Typen von Menschen sofort die Rahmenbedingungen schaffen konnte, dass sie sich mir mit all ihren Problemen anvertraut habe. Den Grund dafür, dass ich all das kann, darf ich auf der Arbeit keinem dieser Leute nennen. Sonst wäre ich meinen Job ziemlich schnell los. Dabei ist der Grund dafür ganz einfach. Ich kann mich so gut auf meine Patienten einlassen und mit ihnen arbeiten, weil ich weiß, wie die Welt aus der Sicht des Kranken aussieht. Ich weiß, wie es sich anfühlt, ein Trauma aufzuarbeiten, zu trauern. Weiß wie es ist, so antriebslos zu sein, dass man nicht aus dem Bett kommt. Vor Panik nicht mehr klar denken zu können. So angespannt zu sein, dass man glaubt, der einzige Weg ist eine Rasierklinge. Die Welt schwarz weiß zu sehen. Einem gesunden Menschen erklären zu müssen, wie es sich anfühlt, krank zu sein. Suizid als einzigen Ausweg zu sehen. Nicht schlafen zu können, vor lauter Gedankenkreisen. Von der eigenen Familie verstoßen zu werden, kein Verständnis zu bekommen. Nicht zu wissen, was man Freunden sagen soll. Sich mit Alkohol und Drogen zu betäuben. Beim Anblick einer Nagelschere getriggert zu sein. Vor einer Berührung zurückzuweichen. Ständig in Erklärungsnot zu sein. Seinen Alltag neu und an die Krankheit angepasst strukturieren zu müssen, um ein einigermaßen normales Leben führen zu können. Ich verstehe so vieles, und doch darf keiner verstehen, warum das so ist. Weil unsere Gesellschaft das nicht anerkennen würde, sondern mich bestrafen würde. Und warum? Weil ich es geschafft habe an mir zu arbeiten und mein Leben halbwegs auf die Reihe zu bekommen. Psychische Probleme zu haben ist immer noch ein Tabu Thema, selbst in einer Psychiatrie, ist das nicht traurig? Aber ich bin es ja gewöhnt zu lügen. Wenn ich das außer Acht lasse, dann ist meine Arbeit im Moment sogar ziemlich cool. Ich arbeite gerne auf dieser Station, dort fühle ich mich richtig, eben weil ich vielen Leuten helfen kann, besser mit ihren Problemen fertig zu werden. Die Kollegen sind nett, ich muss nicht zu viele Frühdienste am Stück machen, meine Prüfung lief gut, es läuft alles. Diese Woche habe ich Nachtdienst, das finde ich auch super, genieße es, selbstständig arbeiten zu können. Trotzdem bin ich nicht traurig, wenn der Einsatz in einer guten Woche vorbei ist. Es geht mir inzwischen wieder ein wenig besser als noch vor einigen Wochen, aber auf der Höhe bin ich trotzdem noch lange nicht. Aber ich arbeite daran. Mitte Dezember komme ich wieder auf diese Station, im Januar finden die richtigen praktischen Prüfungen statt. Ich fühle mich bereit dafür. Trotzdem muss die Zeit bis dahin nicht allzu schnell vergehen. Ich will die Zeit in der Schule genießen, wir fahren in der zweiten Novemberwoche sogar auf Klassenfahrt nach Berlin. Ich hasse Berlin zwar, wer mir schon länger folgt weiß auch warum, aber ich freue mich auch, eine Woche lang mit diesen wundervollen Menschen verbringen zu dürfen. Spätestens danach melde ich mich auch wieder und erzähle wie es war. Bis dahin wünsche ich euch eine gute Zeit, passt auf euch auf und genießt die schönen Seiten des Lebens. Bis dann!

Donnerstag, 26. August 2021

 Okay, die Tatsache, dass ich mich jetzt zum zweiten Mal innerhalb einer Woche melde, ist wohl kein gutes Zeichen. Mir geht es wirklich nicht sonderlich gut, die letzten Tage ist es besonders schlimm. Am Dienstag habe ich mich bereits mit einem Messer auf dem Mädchenklo meiner Schule verschanzt. Zum Glück hatte ein Freund aus meinem Kurs gemerkt, dass was nicht stimmt, hat mich überredet raus zu kommen und sich mit mir raus gesetzt, um mich abzulenken. Also nichts passiert, dank ihm. Allerdings habe ich immer häufiger Erinnerungslücken und plötzlich Kratzer, von denen ich nicht weiß, woher sie kommen. Zumindest rede ich mir ein, dass das Kratzer sein müssen, sonst würde ich wahrscheinlich auf der Stelle durchdrehen und etwas tun, was nicht gut wäre. Ich habe die Tage einer Freundin bei einem Spaziergang davon erzählt. Sie meinte, ich sollte mir mal eine Auszeit nehmen und etwas zur Ruhe kommen. Das stimmt wahrscheinlich, aber ich habe auch Angst davor, den ganzen Tag mit mir alleine zu sein. Wenn ich in der Klasse sitze fühle ich mich verloren, aber zuhause alleine bin ich auch so furchtbar einsam, es ist egal wo ich bin, es fühlt sich nie richtig an. Außerdem möchte ich jeden Tag, den ich noch mit den Menschen aus meinem Kurs verbringen kann genießen, davon gibt es nämlich nicht mehr so viele. Der Gedanke daran ist wahrscheinlich auch etwas, was mich fertig macht. Auf den Stationen sind so viele dämliche Mitarbeiter, aber dort in der Schule sind so viele wundervolle Menschen auf einem Haufen und der Gedanke, dass wir bald nie wieder alle zusammen in einem Klassenraum sitzen werden, oder uns in der Pause zum rauchen versammeln, macht mich so unfassbar traurig, dass ich heulen könnte. Was ich im übrigen gerade auch tue. Erwachsen sein ist scheiße, darauf hat mich keiner vorbereitet. Gut, dass ich eine Gedichtsanalyse auf drei verschiedenen Sprachen schreiben kann. Warum hat mir niemand beigebracht, wie ich neben meinem Beruf auch ein Sozialleben  habe? Oder wie man es trotz Alltag schafft, ein glückliches Leben zu haben? Im Moment überlebe ich nur. Ein Sozialleben kann ich nur führen, wenn ich nicht arbeiten muss. Dann kann ich mir das allerdings nicht wirklich leisten. Sind alle Leute in ihren Jobs so fertig, oder habe ich mir einfach nur den falschen Beruf ausgesucht? Aber ich weiß auch nicht, was ich sonst machen soll. Ich komme immer noch nicht darauf klar, dass mein Plan A nicht funktioniert hat. Ich hätte mich wirklich gerne den Rest meines Lebens in einem Labor versteckt. Warum hat mich niemand aufgehalten, als ich fernab meiner Sinne beschlossen habe in die Pflege zu gehen? Jeder der mich kennt weiß, dass das nicht das richtige für mich ist. Ich habe zu viel Angst vor Menschen und bin viel zu empfindlich für einen rauen Umgangston. Zugegeben ist es in den letzten zweieinhalb Jahren deutlich besser geworden und als Bonus habe ich aufgehört mich zu ritzen. Und hätte ich mich nicht für diese bescheuerte Ausbildung entschieden, hätte ich diese tollen Menschen nie kennengelernt. Umso schlimmer ist es, dass sich jetzt schon alles nach Abschied anfühlt. UND VERFICKTE SCHEISSE ICH WILL MIR EINFACH NUR ALLES AUFSCHNEIDEN!! Tschuldigung, das musste mal kurz raus. Verliere den Verstand und so, hatte ich vor ein paar Tagen bereits erörtert. Fuck. Meine Psychologin antwortet mir immer noch nicht, mein Freund ist entweder überfordert oder hat den Ernst der Lage noch nicht erkannt, aber ich habe auch keine Lust das ganze jetzt mit ihm zum vierten Mal zu diskutieren. Also bleiben da nur ich und die 19 Stimmen in meinem Kopf. Oder Persönlichkeiten. Die sich darum prügeln, das Bewusstsein zu übernehmen und dafür sorgen, dass ich ständig Erinnerungslücken habe. Das ist irgendwie ein ganz neues Level des Kontrollverlustes. Ich konnte besser damit leben, mir auf einer Klassenfahrt 20 Schnitte zuzufügen oder zur Schnapsleiche zu mutieren. Das waren auch Kontrollverluste, aber irgendwie hatte ich trotzdem das Gefühl, noch einen Funken Kontrolle zu haben, denn ich konnte nach ein paar harten Tagen immer wieder das Ruder rumreißen. Und jetzt stehe ich jeden Morgen vor dem Spiegel und guckte nach, ob einer meiner 19 Begleiter nachts der Meinung war, dass es Zeit für einen Rückfall war. Achso, falls ich das noch nicht erwähnt habe, bin mir nicht sicher, ich habe auf meine Diagnosenliste noch eine dissoziative Identitätsstörung, kurz DIS, hinzugefügt, was lustiger klingt als es ist. Bisher hat meine Psychologin unter Tranceinduktion 19 weitere Persönlichkeiten gefunden. Die habe ich meistens ganz gut unter Kontrolle, aber im Moment nicht so wirklich. Zum Beispiel erinnere ich mich nicht mehr daran, wie ich heute nach hause gefahren bin. Ich weiß noch, dass ich zum Auto gegangen bin und dabei eine geraucht habe. Und dann lag ich auf der Couch, in eine pinke Kuscheldecke gewickelt, der Fernseher lief und anscheinend habe ich mir was zu essen warm gemacht. Dazwischen lagen ca. 40 Minuten. Wenn ich jetzt bedenke, dass manche meiner Anteile erst 4 Jahre alt sind und nicht Auto fahren können, ist das schon ein kritischer Aspekt. Ich habe die Tage mehr aus Spaß als Ernst zu einem Freund gesagt, dass es vielleicht langsam mal Zeit wird, dass ich mir ein paar Pillen beim Psychiater verschreiben lasse. Vielleicht wird es wirklich Zeit. Aber ich will nicht. Ich würde ja gerne sagen, dass ich im Besitzt meiner geistigen Fähigkeiten bleiben möchte, aber der Zug ist wohl abgefahren. Trotzdem bin ich nicht bereit für Pillen. Das ist erst die aller letzte Option. Und da ich noch nicht als Patient in der Psychiatrie war, sind meine Möglichkeiten noch nicht ausgeschöpft. Nicht, dass ich dahin will, aber es wäre zumindest noch eine Option. Obwohl ich dort wahrscheinlich auch mit Pillen vollgestopft werden würde. Also eher doch keine Option. Außerdem arbeite ich da. 

Zuviel zu meinem heutigen Gedankenmüll. Es tut mir Leid, dass ich eure Zeit verschwendet habe, trotzdem wünsche ich noch eine angenehme Woche und ein schönes Wochenende. Einige Leute freuen sich wahrscheinlich, dass morgen Freitag ist. Also lasst es krachen Leute. Bis bald. 

Montag, 23. August 2021

 Guten Abend meine Lieben. Ich muss mir jetzt einfach mal die Zeit zum bloggen nehmen. Seit fast zwei Wochen bin ich jetzt aus dem Einsatz raus, ich habe durchgehalten, ohne mich krankschreiben zu lassen oder so und habe sogar eine gute Note von der Station bekommen, immerhin. Seit meinem letzten Post habe ich es auch wieder besser geschafft, was mit mir anzufangen, habe meine Interessen wieder verfolgt und wenigstens eine Stunde am Tag was gemacht, was ich gern mache. Ich bin so froh, jetzt wieder Schule zu haben. Allerdings sind wir seit Freitag der Examenskurs und jeder Lehrer reibt uns mindestens fünf mal pro Stunde unter die Nase, dass wir uns auf die Prüfungen vorbereiten müssen, was alle irgendwie unter Druck setzt, weil uns durch Corona einfach mega viel Stoff fehlt und da die Inzidenzen wieder hoch gehen, müssen wir jeden Tag bangen, dass wir zurück ins Home Schooling  müssen, was eine Katastrophe wäre. Für den Moment versuche ich mich darauf zu konzentrieren, mich darüber zu freuen, meine Klasse wiederzusehen. Wir haben am Freitag eine Kursfeier gemacht, wohin immerhin 13 von 20 Leuten gekommen sind. Ich habe sogar bei der Gastgeberin übernachtet, sowas mache ich sonst nie. Aber es hat sich echt gelohnt, es war ein richtig toller und viel zu kurzer Abend. Dabei habe ich nicht mal geschlafen. Wir haben gegrillt, getrunken, ich habe mit ein paar Leuten gekifft und mit einem Freund aus dem Kurs Deeptalk geführt. Ich könnte jetzt weiter ins Detail gehen, aber da niemand diese Leute kennt ist es für euch nur halb so witzig. Aber ich versichere euch, es war ein Abend, an den ich noch lange mit einem Lächeln auf den Lippen zurückdenken werde. Diese Truppe wundervoller Menschen fehlt mir jetzt schon, wenn ich daran denke, dass wir in gut 7 Monaten mit der Ausbildung fertig sein werden und sich die meisten Wege wohl dann trennen werden. Ich habe diese Ausbildung ja wirklich oft und viel verteufelt und mich immer wieder gefragt, warum ich mir den Scheiß antue, aber alleine für die Menschen, die ich dadurch kennenlernen durfte hat es sich gelohnt. 

Naja, auf jeden Fall habe ich den Rest des Wochenendes weiter mit trinken und kiffen verbracht und komme heute ein bisschen nicht auf mein Leben klar, weil ich nicht nüchtern sein will. Obwohl das was ich bisher geschrieben habe ja eigentlich ziemlich positiv klingt, bin ich in den letzten Wochen trotzdem total durcheinander. Meine innere Anspannung macht was sie will und ich denke jeden Tag darüber nach, wie gerne ich mich wieder schneiden will. Und jeden Tag denke ich mir ein bisschen lauter "scheiß drauf, machs einfach" und das ist nicht gut. Ich habe das Gefühl, mich mal wieder auf dem Weg zu einem Super GAU zu befinden, ich spüre einfach, dass es irgendwann wieder knallen wird. Vielleicht schon morgen, vielleicht auch erst in drei Monaten, aber ich bin mir ziemlich sicher, dass ich das nicht mehr lange durchhalte. Meine Strategien versagen langsam aber sicher. Ich war seit Anfang Juli nicht mehr bei meiner Psychologin, weil sie meine Nachrichten nicht beantwortet, was irgendwie ziemlich ungünstig ist. Und mir zeigt, dass ich keinen Plan habe, wie ich klar kommen soll, wenn meine Stunden voll sind, weil ich ja anscheinend durchdrehe, wenn ich mal einen Monat lang auf mich alleine gestellt bin. Dabei rede ich mit Leuten, es ist nicht so, als würde ich alles in mich rein fressen. Und wenn ich auf den Friedhof gehe und mit einem Grabstein spreche, scheißegal, aber ich lasse es irgendwie raus. Aber im Grunde kann ich ja mit Alex über alles reden. Und mit zwei Leuten aus meinem Kurs spreche ich eigentlich auch über fast alles. Aber gleichzeitig laugt mich diese intensive soziale Interaktion auch aus. Was das Bedürfnis mich zu schneiden noch stärker macht. Das Wort "Teufelskreis" geistert mir diesbezüglich im Kopf rum. Ach Leute, wieso ist es so kompliziert zu leben? Am liebsten würde ich mich für die nächsten drei Jahre unter meiner Decke verkriechen und eine Pause von allem machen. Aber das geht auch nicht. Ich könnte eine Pause für immer machen und mich einfach umbringen, aber tatsächlich ist das auch nicht das, was ich will. Ich will nicht sterben. Aber ich bin trotzdem gerade mal wieder an einem Punkt angekommen, wo ich sage: So kann es auch nicht weitergehen. Ich kann nicht wochenlang nur damit beschäftigt sein, mich nicht selbstzuverletzen. Aber wieder damit anfangen kann ich auch nicht. Den Scheiß aus meinem Leben schmeißen schaffe ich auch nicht, dafür war ich zu tief drin. Das Bedürfnis mit Drogen und Alkohol zu überdecken versagt auch gerade, weil ich das nur am Wochenende machen kann, weil ich unter der Woche halt Auto fahren muss. Zu Schulzeiten konnte ich einfach morgens mit saufen anfangen und bin dann halt zu Fuß zur Schule. Aber knapp 20km ist ein bisschen weit, um zu Fuß zu laufen. Und eigentlich sollte ich mein Ritzproblem auch nicht mit nem anderen Suchtproblem lösen wollen, ich sollte inzwischen gelernt haben, dass das sinnlos ist. Ich glaube, ich werde einfach langsam verrückt. Also noch verrückter als ich ohnehin schon bin. Vielleicht bin ich auf dem Weg, meinen Verstand jetzt endgültig zu verlieren. Scheiß drauf, dann ist das halt so. Aber ich wäre wirklich dankbar, wenn das etwas schneller vonstatten gehen würde, weil gerade bin ich einfach nur im freien Fall, finde nichts, woran ich mich festhalten kann und weiß nicht, wo ich landen werde und wie viel dann noch von mir zu retten ist. Ich wünschte meine Mama würde mir antworten, wenn ich sie um Rat frage. Sie wäre wahrscheinlich der einzige Mensch, der mir jetzt helfen könnte. Und wenn sie sich einfach mit mir in mein verdammtes Bett kuscheln würde und so lange mit meinen Plüschkatzen rumalbern würde, bis ich wieder lachen könnte. Das hat immer geholfen. Egal wie schlimm die Nacht war, sobald meine Mama bei mir war, ging es mir besser. Sie hat es immer geschafft, dass ich wieder lachen konnte. Ihr glaubt gar nicht, wie sehr sie mir immer noch jeden Tag fehlt und wie sehr ich mir wünsche, noch einmal mit ihr reden zu können, damit ich ihr sagen kann, wie sehr ich sie liebe. Und dass ich ihr unendlich dankbar bin, für jeden Moment meines Lebens, den ich mit ihr verbringen durfte. Ich könnte mir keine bessere Mama vorstellen und ich weiß wirklich nicht, wie ich es 10 Jahre lang geschafft habe ohne sie klarzukommen. Ich vermisse sie so sehr und bin gerade so durcheinander und überfordert mit mir selbst, dass es besonders schlimm ist, dass sie nicht da ist. 

Ich hoffe, euch geht es besser. Habt eine schöne Woche, bis bald meine Lieben. Und dann hoffentlich wieder in einer stabileren Verfassung meinerseits. Machts gut. 

Sonntag, 25. Juli 2021

 Huhu, ich lasse auch endlich mal wieder etwas von mir hören. War ja klar, dass ich mich nach so einer schreibintensiven Zeit wieder vom Alltagsstress einfangen lasse, oder? Als kleine Erklärung: Ich bin seit drei Wochen in meinem seit zwei Jahren gefürchteten Hasseinsatz: In der Gerontopsychiatrie auf einer Demenzstation. Ich fühle mich jedes Mal total gemein und unmenschlich wenn ich das sage, aber ich arbeite einfach nicht gerne mit alten Menschen und Demenz ist so ziemlich das anstrengendste Krankheitsbild, das es gibt. Zumindest in meinem Empfinden. Auf der einen Seite ist es für mich eine Art unausgesprochener Warnung, dass das jeden in meinem Umfeld treffen kann und eines Tages auch mein Leben bestimmen könnte. Auf der anderen Seite finde ich es auch einfach richtig traurig, dass die einzige Behandlung eine medikamentöse Einstellung ist, die nicht wirklich viel bewirkt. Es ist einfach kein schönes arbeiten, wenn die Patienten einen nicht wiedererkennen und nichts von dem was du sagst eine Bedeutung hat, weil sie es ja eh in 15 Minuten wieder vergessen haben. Natürlich stimmt das so nicht, es ist sehr wohl von Bedeutung, den Erkrankten trotzdem noch mit Respekt und Wertschätzung entgegenzutreten, weil der aktuelle Moment alles ist, was sie noch haben, aber für mich ist das einfach unfassbar frustrierend, weil es mir schwer fällt, einen Sinn in meiner Arbeit zu sehen, was natürlich Gift für meine Motivation ist. Naja, auf jeden Fall stresst mich dieser Einsatz und ich habe mich auch schon zwei Wochen vorher total kirre gemacht, weil ich genau das erwartet habe. Und das ist gerade mein erstes freies Wochenende in diesem Einsatz, weshalb ich vorher nicht wirklich die Ruhe hatte, mich zum bloggen hinzusetzen. Oder generell irgendwas zu machen, was ich eigentlich gerne mache. Ich habe kaum noch was gelesen, selbst geschrieben erst recht nichts, habe kaum Spaziergänge gemacht, meinen Sportplan vernachlässigt, kein Yoga gemacht und mich auch sonst nicht wirklich mit Achtsamkeit oder meiner Therapie oder irgendwas auseinandergesetzt. Den Scheiß bezüglich Opferschutz, Anzeige etc. habe ich ganz weit nach hinten in meinem Gehirn verschoben, weil mir im Moment einfach die Kraft fehlt, mich damit auseinander zu setzen. Ich bin auch so schon angespannt genug. Und irgendwie fühle ich mich für das alles nicht bereit. Ich habe mit einer Hand voll Personen meines Vertrauens über das Ganze gesprochen und erzählt, was die Dame von der Organisation gesagt hat und alle haben mir mehr oder weniger das gleiche gesagt: Sprich mit dem Anwalt, wenn dir diese Möglichkeit gegeben wird und hör dir seine Meinung an, du hast nichts zu verlieren. Im Grunde stimmt das ja. Trotzdem habe ich vor einer Weile zu meinem Freund gesagt: Ich wünschte, jemand würde die Entscheidung für mich treffen, denn ich weiß nicht, was ich machen soll. Er hat mich daraufhin darauf hingewiesen, dass mir jetzt vier Leute gesagt haben, was ich tun soll und wenn ich trotzdem noch das Gefühl habe, nicht weiter zu kommen, dann bin ich wohl noch nicht soweit, diesen Schritt zu gehen. Was mich im Grunde auch ankotzt, denn ich WILL soweit sein. Aber Corona macht es mir auch nicht einfacher. Denn zu den meisten Terminen dürfte ich nicht mal eine Begleitperson mitnehmen, was das Gefühl, mit allem alleine dazustehen nur noch stärker macht. Aber wer weiß, wie lange Corona noch einen so großen Einfluss auf unser Leben hat, ich kann doch nicht alles auf ein vielleicht niemals existentes "danach" verschieben. Ach Leute, ich habe so keinen Plan was ich tun soll oder nicht oder tun kann oder vielleicht doch noch nicht, in meinem Kopf ist ein einziges durcheinander. Und wegen meiner scheiß Arbeit, die mich auch kirre bis zum geht nicht mehr macht, finde ich einfach kein Ventil. Mir fehlt die Ruhe, mich einfach mal hinzusetzen und Ordnung ins Chaos zu bringen. Das kommt mir wie so ein großes Projekt vor, dass ein freies Wochenende sich zum anfangen gar nicht lohnt, was natürlich auch mal wieder absoluter Blödsinn ist. Ich bin einfach so erschöpft von der Arbeit, dass ich danach nur noch sinnlos auf der Couch herumliege, esse und schlafe. Was eigentlich ein ziemliches Warnsignal dafür ist, dass ich mir von dieser meinen Verstand vergiftenden Station dringend eine Auszeit nehmen sollte, aber ich habe Angst, dass es einen schlechten Eindruck macht, wenn ich schon wieder krank bin. Schließlich habe ich mich im Januar schon zwei Wochen krankschreiben lassen. Und das schlimmste habe ich eigentlich schon hinter mir, die Zeit in der ich kaum frei hatte. Jetzt habe ich nur noch 10 Dienste vor mir in 17 Tagen, ich muss nie mehr als 5 Tage am Stück arbeiten und habe immer mindestens 2 Tage dazwischen frei. Ich hoffe, dass ich also in den kommenden drei Wochen wieder mehr für mein psychisches Wohlbefinden machen kann und dann im nächsten Schulblock wieder fit bin. Ich möchte zumindest jetzt wieder etwas aktiver werden und meine Freizeit auch so angenehm wie möglich gestalten, mich mit meinem Buch beschäftigen, Spaziergänge machen, meditieren, Yoga machen und Inhalte aus meiner Therapie umsetzen. Weil so wie es gerade ist, kann es nicht weitergehen. Ich denke nur noch an Selbstverletzung, habe Alpträume und bin nur noch unzufrieden und meckere vor mich hin. Aber jetzt hatte ich wieder ein paar Tage zum durchatmen und konnte herauskristallisieren , was mir gerade wichtig ist und was ich brauche. Das Ende meines Einsatzes ist auch in Sicht, deshalb bin ich doch guter Dinge, dass es jetzt wieder etwas bergauf gehen wird. Ich hoffe euch geht es gut und ihr lasst euch nicht so von der Arbeit runter ziehen wie ich! Bis bald meine Lieben!

Donnerstag, 3. Juni 2021

 Hallo meine Lieben. Ich hoffe euch hat es gefallen, dass ich letzten Monat so viel geschrieben habe. Mir hat es auf jeden Fall viel Freude bereitet, so viel zu schreiben. War mal eine nette Abwechslung dazu, immer nur über meinen langweiligen Alltag zu schreiben. Ich habe auch sonst viel geschrieben und endlich den Rohentwurf zu meinem Buch fertig gestellt. Mein Freund darf es gerade lesen und ich bin super gespannt auf seine Rückmeldung. Ich würde am liebsten gar nicht mehr damit aufhören, Bücher zu schreiben, mir schwirrt sowieso so viel im Kopf rum, dann kann man daraus wenigstens was sinnvolles machen. Aber heute wollte ich euch eigentlich von etwas anderem erzählen. Ich habe mich gestern mit einer Mitarbeiterin vom weißen Ring getroffen, weil ich eine Beratung haben wollte, ob ich irgendwelche Handlungsoptionen habe, um jetzt noch etwas gegen meinen Onkel und für meinen Seelenfrieden machen zu können. Aber irgendwie fand ich das Gespräch nicht so produktiv. Ich habe mich deshalb so verrückt gemacht, weil ich Angst davor hatte, mich wieder mit dem ganzen Scheiß auseinander zu setzen. Der Kommentar meiner Psychologin dazu war folgender: "Sie setzen sich bereits ihr gesamtes Leben mit diesem Scheiß auseinander. Sie haben einfach nur Angst davor, es laut auszusprechen und damit aus sich heraus zu kommen.", was es im Grunde ganz gut trifft. Naja, auf jeden Fall hat diese Frau vom weißen Ring mich quasi in ihre Kartei aufgenommen, mir gefühlt 100 Prospekte da gelassen, in Anzeige, Prozessvorgang, Opferschutz, Entschädigungsanspruch, Kliniken für Traumatherapie und so weiter thematisieren. Ganz ehrlich, die Infos hätte ich mir auch selbst aus dem Internet ausdrucken können. Sie wirkte einfach total unempathisch und ich hatte das Gefühl, als ich erzählt habe, dass das Ganze schon 20 Jahre her ist und "nur" über 3 oder 4 Jahre ging, war ihr das nicht schlimm genug, um ihre Zeit weiter darein zu stecken. Ich denke nicht, dass es bei einer Organisation zum Opferschutz dazu kommen sollte, dass einem dieses Gefühl vermittelt wird, oder? Ich werde jetzt ein paar Anträge schreiben, bezüglich Entschädigung und mir die Sache mit der Anzeige durch den Kopfn gehen lassen. Nichtmal dazu konnte die Dame mir viel sagen, sie sei ja kein Anwalt, könnte mir aber einen Check ausstellen, damit ich zu einem gehen kann. In der Broschüre über den Strafprozess standen auch keine hilfreichen Informationen. Ich weiß nur von anderen, die sich haben beraten lassen, dass jedem einzelnen davon abgeraten wurde, Anzeige zu erstatten. Also wird das bei mir wahrscheinlich auch darauf hinauslaufen. Ich habe keine Zeugen, bzw falls doch ist eine tot, die andere weggezogen und der dritte ein unglaubwürdiger Alkoholiker. Und der Täter wird es wohl kaum zugeben, ich habe keine Beweise, außer meiner psychischen Probleme, aber die würde die Verteidigung dann bestimmt ausschließlich auf den Tod meiner Mutter schieben. Was Blödsinn ist, weil ich mich auch vorher schon immer beschissen gefühlt habe und mich in dieser Scheißwelt einfach nirgendwo zugehörig. Ich habe angefangen mich selbstzuverletzen, bevor Mama krank wurde, es war nur nach ihrem Tod einfacher, es darauf zu schieben als zu erklären, dass ich keine Ahnung habe, warum ich mich schon immer so gefühlt habe. Und da die Flashbacks erst im Laufe meiner ersten Therapie gekommen sind, wird man das als nicht glaubwürdig darstellen. Aber ich will das einfach nicht mehr unkommentiert so stehen lassen. Doch so wie es aussieht wird es wohl darauf hinauslaufen, dass ich dieses Schwein eigenhändig kastrieren muss, damit etwas geschieht. Selbstjustiz ist schließlich auch ein Weg. Der einzige, wenn ich irgendwie Gerechtigkeit erfahren will. Aber dann würde ich mir mein Leben nur noch mehr versauen, weil ich dann in den Knast oder in die Klapse komme. Oder ich muss mich vorher so besinnungslos saufen, dass ich als unzurechnungsfähig freigesprochen werde. Das klingt nach der besten Option. Ob seine Tochter mich danach hassen würde? Vielleicht wäre sie aber auch froh. Ich kann nicht einschätzen, ob er ihr auch was getan hat. Ich denke schon, aber ich hoffe nicht. Wenn nicht, dann versaue ich ihr das ganze Leben, wenn ich ihn anzeige oder verletze oder umbringe. Eigentlich wäre es ja trotzdem seine Schuld, er hätte sich ja nicht an mir vergehen müssen. Aber es fühlt sich trotzdem wie meine Verantwortung an. Ich weiß nicht. Ich schätze, ich werde erstmal diesen Antrag ausfüllen und mit meiner Psychologin nochmal diskutieren, wie gut oder schlecht eine Anzeige wäre. Ich halte euch auf dem Laufenden. Und jetzt werde ich erstmal etwas raus gehen. Ich trage immer noch meine Schlafsachen und fühle mich ausgelaugt und deprimiert, ein bisschen Bewegung und ne Dusche helfen bestimmt. Ich wünsche euch ein schönes (hoffentlich) langes Wochenende. Bis bald!

Sonntag, 30. Mai 2021

Tag 30

 Schreibe darüber, was du fühlst wenn du schreibst.


Was ich fühle wenn ich schreibe ist genau das, was ich gerade schreibe. Egal ob auf diesem Block oder wenn ich eine Geschichte in mein Notizheft kritzel, oder ich an meinem Buch schreibe. Ich lege immer Emotionen in das, was ich schreibe. Es ist der ehrlichste Kommunikationsweg, den ich kenne. Wenn ich darüber schreibe, wie zwei Menschen sich streiten, dann kann ich dabei ihre Verletzlichkeit fühlen und bin danach erstmal selbst so aufgewühlt, dass ich erstmal eine rauchen gehe. Wenn ich mit jemandem über ein für mich schwieriges oder schmerzhaftes Thema spreche und nicht mehr weiß, wie ich die richtigen Worte finden soll, mir nicht zutraue, die Wahrheit auszusprechen, dann sage ich meinem Gegenüber "Warte, ich schreib's dir" und dann klappt das viel besser. Oft gehen mir Gedanken so lange nicht aus dem Kopf, bis ich sie niederschreibe. Danach fühle ich mich befreit und kann wieder zu Ruhe kommen. Es ist der einfachste Weg, meine Gefühle rauszulassen, wenn auch manchmal hinter Geschichten verborgen. Das schreiben hilft mir, Dinge zu verarbeiten. Es ist großartig, ein belastendes Ereignis hinter Fiktion ein Stück weit verstecken zu können. Mir macht es große Freude zu schreiben und ich bin immer richtig glücklich, wenn ich viel Zeit dafür habe und es fühlt sich an, wie eine Win-Win Situation, wenn ich bei etwas, das mir Spaß macht, auch noch einiges an Scheiße, die mich belastet, aufarbeiten kann. Bald will ich versuchen, etwas zu veröffentlichen, was ich geschrieben habe. Also nicht im Internet, sondern bei einem richtigen Verlag. Es wäre toll, wenn ich mit dem, was ich schreibe andere Menschen berühren könnte, jemanden mit meinen Worten Trost schenken kann oder das Gefühl, verstanden zu werden. Ich selbst habe es immer als große Bereicherung erlebt, Bücher über meine geliebten Tabu Themen zu lesen, über Selbstverletzung, Essstörungen, Missbrauch und so weiter. Es war erleichternd zu lesen, dass ich nicht den Verstand verloren hatte, sondern, dass es Menschen da draußen gibt, die sich genauso fühlen wie ich. Solche Bücher haben mir geholfen, mich selbst besser zu verstehen und mir dort Sätze der Erklärung zu schenken, wo mir selbst die Worte fehlten. Es wäre mir eine große Ehre, davon etwas an die Welt zurück zu geben und anderen Menschen genauso zu helfen, wie mir geholfen wurde, als ich Trost in den Geschichten von anderen gesucht habe. 

Zu schreiben bedeutet für mich außerdem, die Gefühle, die ich habe besser zu verstehen. Oft weiß ich gar nicht genau, wie ich mich fühle, bis ich gelesen habe, was ich schreibe und dann ergibt vieles plötzlich mehr Sinn. Es ist Therapie. Und gibt mir das Gefühl, mit meinem Verstand etwas sinnvolles anzufangen, denn so blöd das klingt, aber ich lese gerne, was ich geschrieben habe, denn ich kann die Gefühle, die hinter jedem Wort stecken beim lesen wieder fühlen. Es ist wie einen alten Song, den man vor Jahren in einer gewissen Zeit gehört hat, plötzlich wieder zu hören, und wieder genau das zu fühlen, was man beim ersten Mal gefühlt hat, als man den Song bewusst gehört hat. Wenn ich schreibe, und sei es über noch so schlimme Dinge, dann ist das etwas Gutes, denn das bedeutet, dass ich gerade stark genug bin, mich damit auseinander zu setzen, bereit zu sein, daran zu arbeiten. Deshalb liebe ich es zu schreiben, es gibt mir so viel, ich kann Kraft daraus tanken und mir selber helfen, mich weiterzuentwickeln. Es war die beste Entscheidung meines Lebens, mir mein erstes Notizbuch zu kaufen und einfach damit anzufangen.

Samstag, 29. Mai 2021

Tag 29

 Schreibe über deine Ziele in der Zukunft.


Kurzfristige Ziele für mich sind, mein Examen zu bestehen und mit einem neuen Studium zu beginnen. In hoffentlich naher Zukunft heiraten und ein Haus kaufen. Ich möchte weiterhin schnittfrei bleiben und weiter an mir arbeiten, sodass ich irgendwann eine langfristig stabile Zeit genießen kann. Manchmal wünsche ich mir, einfach ein langweilig spießiges Leben führen zu können, doch ich schätze ein Stück weit werde ich immer ein bisschen verrückt bleiben und das ist auch vollkommen okay so. Ich möchte noch viel von der Welt sehen, überall hin reisen und viel erleben. Ich möchte es nicht mehr anstrengend finden, viel Zeit mit anderen Menschen zu verbringen, sondern es genießen. Ich möchte es schaffen, ein Buch zu veröffentlichen und achtsamer zu sein. Mein Ziel für die Zukunft ist es, mir ein Leben aufzubauen, in dem ich es schaffe, mich weiterzuentwickeln und dafür zu kämpfen, dass ich immer an meinen Zielen dranbleibe. Ich möchte nie aufhören, neugierig zu sein, neue Dinge zu lernen und mich für mich selbst stark machen. Für mich und meine Rechte einstehen und dafür sorgen, dass ich es mir selbst wert bin, mich nicht mehr schlecht behandeln zu lassen. Und auch dafür einzustehen, dass andere nicht schlecht behandelt werden. Ich würde gerne mein Stück dazu beitragen, dass die Welt es bisschen besser wird. Ich suche nur noch nach einem Weg, der für mich der richtige ist. Ich möchte lieben und geliebt werden und glücklich sein, zufrieden sein mit dem was ich habe. Ich schätze, dass sind Ziele, die jeder andere Mensch auch hat, vielleicht nicht exakt so definiert, aber von der Essenz her das gleiche. 

Freitag, 28. Mai 2021

Tag 28

 Schreibe darüber wie es ist, jemanden zu lieben.


Jemanden zu lieben, kann viele Dinge mit sich führen. Die Liebe kann erwidert werden. Das ist unfassbar schön. Was gibt es besseres, als zu wissen, dass mein Partner mich genauso liebt, wie ich ihn? Es ist die Basis, für eine starke Bindung. Denn dann kann jemanden zu lieben auch bedeuten, sich gegenseitig zu vertrauen. Es ist wundervoll zu wissen, dass da jemand ist, dem man alles anvertrauen kann. Ebenso unbeschreiblich ist es, wenn ein anderer Mensch dir Vertrauen schenkt. Jemanden zu lieben bedeutet auch, die Person mit Respekt zu behandeln, ihr Bestes zu wollen und alles zu tun, damit es der Person gut geht. Wenn man jemanden wirklich liebt, dann weiß man, man würde sein Leben für den anderen geben. Im Idealfall gibt das Gegenüber einem selbst diese Dinge so zurück. Es ist ein Geschenk für die Seele, wenn dein Gegenüber dich respektiert und achtsam mit dir umgeht und du weißt, dass du dich auf den anderen jederzeit verlassen kannst. Jemanden zu lieben kann aber auch schmerzlich sein. Die andere Person kann diese Gefühle nicht erwidern, und das tut weh. In unserem irrationalen Verstand kann es aber auch dazu kommen, dass wir andere Leute verletzen, für die wir eigentlich nur das Beste wollen. Vielleicht kann man der anderen Person aufgrund von früheren Vertrauensbrüchen nicht vollkommen vertrauen, dabei liebt man diese doch. Das ist für beide Parteien schmerzhaft Vielleicht wirft man der anderen Person verletzende Sachen an den Kopf, im Versuch, sich selbst vor Verletzungen zu schützen. Denn Liebe kann verwirrend sein, es kann einem schwer fallen, sich darauf einzulassen, obwohl wir das eigentlich so sehr wollen. Genauso kann es anders herum sein, dass mein Partner, obwohl wir uns gegenseitig lieben, verletzend mir gegenüber ist oder es nicht schafft, mir zu vertrauen. Das kann sehr weh tun und eine harte Zeit sein. Doch Liebe lässt uns über vieles hinwegsehen. Deshalb sollte man, auch wenn man jemanden liebt, immer genau reflektieren, ob man selbst anständig behandelt wird und meine Gefühle mit meinen Handlungen deckungsgleich ist. Doch ich glaube, jemanden wirklich zu lieben bedeutet auch zu kämpfen und immer weiter daran zu arbeiten, dass zwei Menschen sich gegenseitig die Liebe schenken, die sie verdienen. 

Donnerstag, 27. Mai 2021

Tag 27

 Schreibe über jemanden, der dich inspiriert.


Eine Person des öffentlichen Lebens, die mich inspiriert ist Vivian Cole. Sie hat von ein oder zwei Jahren bei Gntm mitgemacht. Das besondere daran war, dass ihr Körper einige Selbstverletzungsnarben trägt und es ihr auch wichtig war, dass diese beim Drah nicht überschminkt werden. Ich finde es sehr stark von ihr, dass sie Tabuthemen in einer Fernsehsendung angesprochen und gezeigt hat und zu sich selber stand. Vor allem in Betracht auf die Altersgruppe, sie sich Gntm anschaut, hat sie damit eine wichtige Message gesetzt. Seitdem verfolge ich sie auf Insagram, wo sie regelmäßig über Themen wie Depressionen, Angststörungen, Selbstverletzung, Mental health und Selfcare anspricht, ihre eigenen Erfahrungen damit schildert und Tipps gibt, wie man besser mit sich selbst umgehen kann. Sie ermutigt die Leute dazu, sich Hilfe zu suchen und offener mit solchen Themen umzugehen. Ich denke, dass es auf jeden Fall vielen Leuten hilft, die sich bisher noch nicht getraut haben, sich jemandem anzuvertrauen. Es ist wichtig zu vermitteln, dass es vollkommen okay ist, sich Hilfe zu suchen, eine psychische Erkrankung ist nichts, wofür man sich schämen muss. Und es ist auch kein Zeichen von Schwäche oder Minderwertigkeit oder sowas negatives, was die Leute sich einreden. Eine psychische Erkrankung ist genauso eine Krankheit, wie jede körperliche Erkrankung, es ist traurig, dass man das immer noch sagen muss. Und es ist traurig, von wie vielen Menschen man hört, dass sie deswegen ausgeschlossen oder gemobbt werden, dass ihr soziales Umfeld die Augen davor verschließt, wenn jemand sichtbar leidet. Eltern, Freunde, Lehrer, man kann mir nicht erzählen, dass keiner etwas merkt, wenn jemand in einer mentalen Krise steckt. Aber keiner möchte sich verantwortlich fühlen. Deswegen finde ich es super, was Vivian an Aufklärungsarbeit leistet, wie sie anderen Menschen Mut macht, indem sie ihre eigenen Erfahrungen teilt und ihre Follower immer wieder an Selfcare Ideen teilhaben lässt und uns mit Stories und Sprüchen daran erinnert, dass jeder von uns es wert ist, sich selbst zu lieben und zu respektieren. 

Mittwoch, 26. Mai 2021

Tag 26

 Schreibe über deine Schule.


Der Einfachheit halber werde ich über meine Berufsschule schreiben, auf der ich gerade bin. Genauer gesagt ist es ja eine Krankenpflegeschule. Diese besuche ich seit April 2019, wir haben dort Blockunterricht, also immer ca 6 Wochen Schule, dann ca. 6 Wochen arbeiten. Zu meinem Leidwesen sind die Schulblocks meistens etwas kürzer als die Arbeitsblocks, ich bin ja eher Theoretiker. Sprich, ich gehe wirklich gerne zur Schule. Es ist nicht wie normale Schule mit Fächern wie Mathe oder Englisch, sondern eher wie in der Uni mit Modulen. Das kommt daher, weil der LVR, für den ich arbeite, auch ein duales Studium in Kombination mit der Krankenpflegeausbildung anbietet. Ich mache aber nur die normale Ausbildung. In den Modulen geht es um die Anatomie verschiedenster Organe, pflegewissenschaftliche Theorien, Medikamentenlehre, Qualitätsmanagement und natürlich alle möglichen Krankheiten. Mich persönlich reizt die Anatomie und die Krankheitslehrer am meisten. Dieses Konzept finde ich auf jeden Fall deutlich angenehmer, als mich jahrelang mit Fächern wie Sport oder Sozialwissenschaften quälen zu müssen, bei denen ich mir sicher bin, dass ich beruflich nie etwas in diese Richtung machen will. Das ist aber nicht der einzige Grund, warum ich gerne zur Schule gehe. Der Hauptgrund ist der, dass ich einen ganz wundervollen Kurs habe. Ich bin noch nie so vielen toleranten und respektvollen Menschen auf einmal begegnet. Ich muss dazu sagen, dass die meisten von uns in der Psychiatrie angestellt sind, so wie ich auch. Und die meisten haben sich, wie ich, sehr bewusst dafür entschieden, weil sie eine Vorgeschichte haben, so wie ich. Wir konnten uns vom ersten Schultag an sehr offen über alles mögliche austauschen, von Menstruationsbeschwerden, über Sex, bis hin zu unseren Diagnosen. Das ist genau die Art von Kontakt, die ich gerne mag. Sich nicht mit höflichem Smaltalk aufhalten müssen, sondern direkt tiefgründigere Themen auftischen. Es fällt mir trotzdem noch schwer, aus mir heraus zu kommen, aber trotzdem würde ich sagen, dass ich noch nie vorher in einer Gruppe so schnell das Gefühl hatte, dazuzugehören und zwar so, wie ich bin. Ich fühle mich dort gut aufgehoben, habe das Gefühl, dass wir gegenseitig auf uns aufpassen. Durch eine Klassenkameradin bin ich an den Kontakt meiner Psychologin gekommen, weil sie dort auch hingeht und sie mir empfohlen hat, als sie gesehen hat, dass ich eine brauche. Seitdem tauschen wir uns oft aus, wie es uns geht und wie es mit der Therapie voran geht, in ihr habe ich eine wirklich gute Freundin gefunden. Es gibt eine Vielseitigkeit in unserem Kurs, von der wir alle profitieren. Egal ob wir uns in Lerngruppen treffen, oder zum saufen, spazieren gehen, oder Pokemon spielen. Ich bin sogar in ein Kunstatelier gegangen, wo eine Klassenkameradin an einer Ausstellung mitgewirkt hat, um ihr eine Freude zu machen.  Habe morgens um halb 6 eine Kurskameradin abgeholt, weil sie keinen Führerschein hatte und bin mit ihr zusammen zur Arbeit gefahren. Wurde von einem Mitschüler auf der Arbeit vor einem betrunkenen Grabscher beschützt. Wurde von ihm in den Arm genommen, als ein Film übers sterben mich mitgenommen hat. Und seit Freitag sitzen wir endlich wieder alle zusammen in der Schule, ich bin sehr glücklich darüber. Unser 5. Schulblock ist wegen Corona komplett ausgefallen, der 6, war komplett online, der 7. zum Teil auch noch. Zum 8. Block haben wir uns dann endlich wieder die ganze Zeit in der Schule gesehen. Der 9. war dann wieder komplett online und obwohl niemand damit gerechnet hatte, dürfen wir jetzt wieder in die Schule. Ich freue mich auf jeden Fall riesig, alle wieder persönlich zu sehen. Wir haben zwar auch oft miteinander geschrieben, ich habe mich auch ein oder zweimal mit jemandem getroffen, aber es war einfach nicht dasselbe. Das Gemeinschaftsgefühl hat mir gefehlt, als wir alle nur durch den PC miteinander gesprochen haben. Doch jetzt sind wir wieder da und es fühlt sich an, als ob wir direkt wieder da anknüpfen können, wo wir letztes Jahr aufgehört haben, und das macht mich sehr glücklich. Deshalb war es mir eine Freude, heute von meiner Schule erzählen zu dürfen, weil so viel mehr dahinter steckt als nur ein Gebäude. 

Dienstag, 25. Mai 2021

Tag 25

 Schreibe etwas, was durch das 11. Bild auf deinem Handy inspiriert ist.



Das wäre dann dieses hier. Ein Screenshot, den ich meinem Tätowierer als Inspiration für mein nächstes Tattoo geschickt habe. Wenn alles gut geht habe ich am 01.07. endlich meinen lange ersehnten Tattootermin. Lange überfällig. Also hier die Geschichte zu diesem Bild: Anfang des Jahres hat mein Freund mir den Vorschlag gemacht, dass ich mich dieses Jahr selbst dafür belohnen sollte, dass mein 2-jähriges Jubiläum bevorstand. Nämlich das, dass ich mich 2 Jahre lang nicht mehr selbstverletzt habe. An Ostern war es dann soweit und ich habe es tatsächlich geschafft. Die Idee, dass die Belohnung ein Tattoo sein könnte, kam auch von meinem Freund. Ich hatte noch drei Motive, die ich mir gerne stechen lassen wollte. Meine Tattoos müssen natürlich auch immer eine Bedeutung haben, ich lasse mir nichts stechen nur weil es schön ist. Deshalb warte ich, nachdem ich eine neue Idee hatte auch immer so ca. ein Jahr, bevor ich es dann auch wirklich umsetze. Damit war ein Tattoo schonmal raus, blieben noch 2 zwischen denen ich mich entscheiden musste. Ich habe mich letzendlich für dieses Tattoo entschieden, weil das an die Innenseite von meinem linken Oberarm soll. Der einzig noch freie Platz auf diesem Körperteil, der Rest ist mit Narben übersäht, zu viele um darüber tätowieren zu können. Ich dachte mir, in Kombination zu meinem Jubiläum wäre das doch ein gutes Symbol dafür, dass dieser Abschnitt meines Lebens vorbei ist. Ich will mir nie wieder eine Klinge über die Haut ziehen, also kann  ich den freien Platz auch für etwas künsterlischeres als Schnitte nutzen. Der Gedanke daran, dass das wirklich vorbei ist, ist zugegeben noch immer befremdlich, auch nach über 2 Jahren. Aber ich kenne mich, ich weiß ganz genau, wenn ich jetzt nochmal damit anfangen sollte, werde ich nicht mehr damit aufhören und das geht einfach nicht mehr. Ich will nicht mehr, dass mein Leben von einer unsichtbaren Krankheit bestimmt wird. Ich will normale Sachen machen, wie einen geregelten Job haben, studieren, heiraten, ein Haus kaufen. Und nicht darauf warten, dass ich in die Notaufnahme oder in die Klapse muss. Das Tattoo soll diesen Schlussstrich also noch mit einem dicken fetten Ausrufezeichen bekräftigen und mich immer daran erinnern, dass das ein Teil meiner Vergangenheit ist und nichts in meiner Zukunft zu suchen hat. Und warum ich mir ausgerechnet dieses Motiv stechen lassen will? Weil das Sonnensystem mich begeistert, seit ich 7 Jahre alt bin. Ich habe mich stundenlang in meine Bücher und Zeitschriften über Astronomie flüchten können. Die Vorstellung, dass ein einzelner Mensch im Vergleich zum Universum oder auch nur zum Sonnensystem vollkommen unbedeutend klein ist hat mich über vieles hinweg getröstet, weil mir meine Probleme dann nicht mehr so bedeutend erschienen. Vielleicht wollte ich deshalb Astrophysik studieren, weil es plötzlich einen unendlichen Raum gab, in dem ich mich verstecken und vor mir selbst wegrennen konnte. Und als Hauptplan für mein Leben, ganze 14 Jahre lang, ist die Astronomie natürlich etwas Bedeutendes für mich und wird es auch immer bleiben. Als Ergänzung dazu soll noch das Tattoo einer Galaxie auf mein Schulterblatt, aber alles zu seiner Zeit, ich bin glücklich, dass ich nach 3 Jahren ohne neues Tattoo endlich wieder unter die Nadel darf. So, und das ist die spannende Geschichte zum 11. Bild auf meinem Handy. Drückt mir die Daumen, dass es mit dem Termin klappt!

Montag, 24. Mai 2021

Tag 24

 Erzähle von einer Lektion, die du gelernt hast.


Wenn es etwas gibt, das ich in den letzten Jahren immer wieder schmerzlich lernen musste, dann zitiere ich mal wieder Das Schicksal ist ein mieser Verräter: "Schmerz verlangt gespürt zu werden"

Ich habe schon viel Schmerz gespürt, obwohl ich in meinem Leben sehr viel Zeit damit verbracht habe, genau das zu vermeiden. Ich habe mir früh eine Mauer aufgebaut, um ja niemanden reinzulassen und ich habe so oft gelogen, dass es irgendwann kein Problem mehr war, auch mich selbst zu belügen. Habe allen, die es interessiert hat eingeredet, dass es mir gut gehe, habe es auch mir selbst immer wieder gesagt. Als meine Fassade Risse bekommen hat, habe ich mir immer häufiger selbst wehgetan und so viel Alkohol getrunken, wie ich konnte. Dass all das es nur schlimmer gemacht hat, habe ich nicht eingesehen. Der Schmerz, den ich mir nicht eingestanden habe, den ich nicht herauslassen wollte, hat sich immer weiter in mir angestaut. Bis da kein Platz mehr war und es einfach aus mir herausgebrochen ist. Ich habe betrunken auf der Straße oder auf einem Feldweg gesessen und angefangen zu weinen, Bilder prasselten durch meine Gedanken und ich konnte nichts davon verhindern. Und irgendwann kam es dann natürlich auch dazu, dass meine Fassade vor anderen gebröckelt ist, vor Leuten, die seit einer gefühlten Ewigkeit auf mich eingeredet hatten, dass sie für mich da waren. Und so habe ich ganz langsam angefangen, bestimmte, ausgewählte Dinge mit anderen zu teilen. Es war ein sehr langer Lernprozess, aber eine unglaublich wichtige Lektion. Es bringt nicht, Dinge in sich hineinzufressen und so zu tun, als wären sie nicht da, denn sie verfolgen dich und irgendwann holen sie dich ein und dann ist der Schmerz schlimmer als jemals zuvor. Man erspart sich selbst eine Menge, wenn man damit anfängt, ehrlich zu sich selbst zu sein. Und dann ehrlich zu seinen Mitmenschen ist. Es fängt bei kleinen Verletzungen an, die dein Gegenüber vielleicht gar nicht als solche meinte. Man trifft die Entscheidung, das entweder ewig mit sich rumzuschleppen und eine Beziehung unterbewusst negativ zu beeinflussen, oder man stellt sich der Verletzung und spricht es direkt an. Mit so kleinen Dingen fängt es an, dass man den Schmerz zulässt und irgendwann ist man bereit, auch über tiefer sitzendes zu reden. Sich selbst zu erlauben zu weinen, zu trauern, zu vermissen. Und dann, wenn man dem Schmerz einen Raum gibt, sich mit ihm auseinander setzt, dann fängt man auch an, ihn zu verarbeiten, gibt sich selbst die Chance zu heilen. Also das ist die Lektion, die ich im Laufe der letzten Jahre gelernt habe: Der einzige Weg, aus dem Schmerz raus ist direkt durch ihn hindurch zu gehen. 

Sonntag, 23. Mai 2021

Tag 23

 Schreibe einen Brief an jemanden.


Hallo Rolf,

eigentlich bist du meine Zeit überhaupt nicht wert, dir einen Brief zu schreiben. Du hast wahrscheinlich nichtmal eine Ahnung, dass ich es überhaupt weiß. Denn dann würde ich mich ja sicher nicht in deiner Nähe aufhalten. Aber du hast ein Kind, das ich sehr gerne habe und ich habe Angst um  sie. Wenn ich wüsste, dass es das beste für sie ist, würde ich sofort Anzeige gegen dich erstatten. Aber vielleicht wäre es auch das schlimmste, was ich ihr antun könnte und das will ich nicht. Ich habe versucht ihr zu zeigen, dass ich immer für sie da bin, aber bisher sagt sie immer, es gehe ihr gut. Ich bete dafür, dass das stimmt, dass du ihr nichts angetan hast. Doch die Statistik spricht leider gegen dich. Ein Pädophiler, der einmal zum Täter wurde, bleibt selten bei einem Opfer. Nicht, dass es nicht schlimm genug wäre, was du mit mir gemacht hast. Du hast mich missbraucht und das Jahrelang. Die Nichte deiner Frau, du widerliches Stück Scheiße. Und ich habe mich jahrelang gefragt, was mit mir nicht stimmt, warum ich nirgendwo hinein gepasst habe. Warum meine Tante mir nicht mehr in die Augen sehen konnte. Du hast meine Seele zerstört, hast mir das Gefühl gegeben, dass ich nichts wert bin, deinetwegen habe ich angefangen, mich selbst zu zerstören. Du hast meine Narben gesehen und nicht mal mit der Wimper gezuckt. Wie konntest du mich immer so behandeln, als ob nichts passiert wäre? Ist es möglich, dass ein Mensch so herzlos ist? Wie konntest du nur die Seele von einem kleinen Mädchen zerreißen und dabei nicht ein kleines Zeichen der Reue zeigen? Ich kann gar nicht in Worte fassen, wie sehr ich dich verabscheue. Ich werde niemals vergessen, was du mir angetan hast und ich werde dir das mit Sicherheit auch nie vergeben. Es heißt, Vergebung befreit und, dass Wunden erst dann heilen, wenn man demjenigen, der sie dir verpasst hat, verzeihen kann. Aber was du und jeder andere, der sich an kleinen Mädchen vergeht, geht habt, ist unverzeihlich. Es ist nicht in Ordnung, ihr verdient die Vergebung eurer Opfer nicht. Es fühlt sich nicht richtig an, so ein Verhalten in irgendeiner Weise zu entschuldigen. Deshalb sage ich es stellvertretend für alle anderen Überlebenden, die ein Leben lang an den Folgen dieses Verbrechens leiden, dass es unverzeihlich ist, wie Menschen wie ihr unsere Leben zerstört haben. Du und deinesgleichen verdienen es, in der Hölle zu schmoren du ekelhaftes Stück Dreck. Ich werde dich zerstören und dir dein Leben genauso nehmen, wie du mir meins genommen hast. Und du hast keine Ahnung, wann das sein wird. 

Samstag, 22. Mai 2021

Tag 22

 Schreibe darüber, wie dein Tag heute war.


Es ist Samstag und da ich gerade im Schulblock bin, habe ich sogar frei. Ich hatte gestern nach dem Urlaub meinen ersten Schultag (richtig sinnvoll, einen Tag vor dem Pfingstwochenende zu kommen...) und da wir jetzt früher in der Schule sein müssen, weil wir uns vor dem Unterricht testen lassen müssen, war ich gestern sehr unausgeschlafen, weil erster Tag nach dem Urlaub und dann auch noch früher als normal. Deshalb begann mein Tag heute damit, dass ich erstmal schön ausgeschlafen habe. So einen Start brauche ich auch für einen schönen Tag. Ich bin um 9 Uhr wach geworden und da es bei uns heute sehr windig und regnerisch ist, habe ich mein Fenster aufgemacht, mich nochmal für ne Stunde hingelegt und das Wetter genossen. Klingt komisch, aber ich liebe so ein ungemütliches Wetter. Es gibt nichts entspannenderes, als sich beim Klang von Regen, der auf die Scheibe prasselt und stürmigen Böhen, in sein Bett einzukuscheln und zu genießen, dass man heute nichts machen muss. Um kurz nach 10 bin ich dann zu meinem Freund ins Schlafzimmer gegangen (ihr erinnert euch vielleicht, ich kann nicht mit anderen Menschen in einem Zimmer schlafen, also haben mein Freund und ich getrennte Schlafzimmer) und wir haben auch nochmal ein Weilchen gekuschelt. Dann hat mein Freund uns Frühstück gemacht und ich habe die Katzen gefüttert und Kaffee gemacht und wir haben uns damit auf die Couch gechillt und etwas ferngesehen. Erst ein paar Videos, die wir noch von unserem Lieblingsgrillkanal nachgucken mussten (Klaus grillt, falls das wen interessiert) und dann haben wir angefangen, eine Miniserie zu gucken, welche den letzten Flug des Space Shuttles Challenger thematisiert. Eigentlich mache ich samstags immer viel im Haushalt, aber da gestern der Tag sowieso angebrochen war, weil ich in die Schule musste, habe ich gestern alles für heute miterledigt und muss heute nichts mehr machen. Trotzdem habe ich mich eben mal fertig gemacht und werde mich jetzt ein wenig an den PC setzen und Sims spielen. Ich liebe dieses Spiel immer noch. Danach wird es dann einen kleinen Regenspaziergang geben (ja, auch sowas finde ich toll), danach werde ich heiß duschen gehen, entweder ein Buch lesen oder selbst an meinem Buch weiterschreiben und mir dann, gemäß nach meiner "ich habe heute und morgen frei" Tradition einen Joint rauchen, ganz viel futtern und Serien gucken, die ich nüchtern nicht lustig finden würde, die ich aber super finde, wenn ich high bin. Vielleicht kommt mein Vater auch später noch auf einen Kaffee vorbei, das macht er samstags schonmal spontan, wenn er vom Kaninchenstall zurückkommt. Die Challenge hat sich einen echt langweiligen Tag ausgesucht, den ich beschreiben soll, aber für mich ist das ein wirklich schöner Tag. Ich bin zufrieden, dass ich heute mal nichts machen muss und nichts vorhabe und einfach ein paar Dinge machen kann, für die ich mir sonst keine oder nur wenig Zeit nehme, wie zocken oder lesen. In diesem Sinne, genießt euren Samstag, ich hoffe, er ist so entspannt wie meiner, und nehmt euch etwas Zeit für euch selber, das ist sehr gesund :D. Bis morgen meine Lieben!

Freitag, 21. Mai 2021

Tag 21

 Schreibe über Liebe.


Liebe ist etwas unglaublich kompliziertes. Gleichzeitig aber auch unfassbar elementar. Jeder Mensch braucht Lieber und jeder Mensch verdient es auch, geliebt zu werden. Doch es gibt noch etwas wichtigeres, als von anderen geliebt zu werden und das ist, sich selbst zu lieben. Ich dachte lange Zeit, wenn mir jemand das gesagt hat "Jaja, laber du mal, du hast doch keine Ahnung." oder etwas in der Art und ich glaube, das geht vielen Menschen ähnlich. Mittlerweile muss ich aber zugeben, dass da was dran ist. Man kann sich nicht darauf einlassen, von einer anderen Person geliebt und gewertschätzt und respektiert zu werden, wenn man selbst der Meinung ist, dass man es nicht wert ist geliebt zu werden, oder keine Liebe verdient hätte. Dadurch kommt es nämlich dazu, dass man seinem Gegenüber respektlos ist, weil man seine Meinung nicht akzeptieren kann, obwohl man selber diese andere Person doch eigentlich liebt. Und das ist eine furchtbar schlechte Basis für eine tiefergehende Beziehung, die man sich doch eigentlich so sehr wünscht. Deshalb ist Liebe so kompliziert. Man kann einen anderen Menschen bedingungslos lieben, aber wenn man sich selbst nicht liebt, kann man niemals zulassen, dass diese bedingungslose Liebe erwidert wird. Doch wie schon gesagt, ich finde, jeder Mensch ist es wert geliebt zu werden. Egal was man in seinem Leben bisher getan oder nicht getan hat. In jedem von uns steckt etwas liebenswertes. Wir sollten aufhören, so hart zu uns selber zu sein und unsere verdammten Augen öffnen. All unsere Ressourcen sehen, würdigen, wie weit wir schon gekommen sind und dann können wir endlich sehen, was für tolle Menschen sich bereits direkt vor unseren Augen befinden und wie viel Liebe wir schon bekommen. 

Eine weitere Schwierigkeit, die die Liebe so kompliziert macht, ist die Gefahr, verletzt zu werden. Man muss bereit sein, dieses Risiko einzugehen. Es gehört leider dazu, dass einem das Herz gebrochen wird, oder, dass man selbst in die Situation kommt, einem anderen Menschen das Herz zu brechen. Das ist schlimm und tut lange weh, aber wenn man aufgibt, weil man Angst vor dem hat, was passieren könnte, verpasst man so vieles. So viel schönes, was hätte sein können. Ich persönlich glaube fest daran, dass es für jeden Menschen den richtigen Partner gibt da draußen, man darf nur nicht aufhören zu suchen. Ich zitiere dazu den Film das Schicksal ist ein mieser Verräter: "Wir können nicht verhindern, dass wir verletzt werden in dieser Welt aber wir können mitbestimmen von wem" und das trifft es. Also trefft eure Wahl, wieder und wieder, bis es passt, aber habt um Gottes Willen keine Angst, überhaupt eine Wahl zu treffen. 

Donnerstag, 20. Mai 2021

Tag 20

 Schreibe über einen Promi auf den du stehst.


Naja, es gibt natürlich viele Promis, die ich attraktiv finde, aber wenn ich mich entscheiden muss, dann nenne ich Norman Reedus. Er spielt Daryl Dixon in The Walking Dead. Ich mochte die Entwicklung seines Charakters dort sehr, deshalb habe ich mich mit anderen Projekten des Schauspielers befasst und fand alles was ich gesehen und gelesen habe echt heiß. Er hat eine süße schwarze Katze, hat eine eigene Motorrad Sendung, in der er durch die Welt tourt und hat einen unglaublichen Sinn für Schönheit. Er fotografiert in seiner Freizeit und hat auch eine eigene Seite für seine Galerie. Trotz all dieser erfolgreicher Projekte habe ich aber den Eindruck, dass er total bodenständig geblieben ist. Ich verfolge ihn seit Jahren auf sämtlichen social Mediaplattformen und finde es toll, wie es sich selbst nicht ernst nehmen kann und ständig Witze macht. Auf der anderen Seite teilt er auch viel von dem, was andere Menschen erreicht haben und freut sich für jeden, das finde ich super sympathisch. Als vor 2 Jahren das Videospiel "Death Stranding" rausgekommen ist, habe ich mir einfach mal eine PS4 und das Spiel gekauft, weil Norman Reedus darin die Vorlage für die Hauptfigur gespielt hat. Ich liebe es, dass er sich selbst treu geblieben ist und die Natur liebt und wirklich schlecht sieht er auch nicht aus. Auch wenn ich nichts dagegen hätte, wenn er sich die Haare mal ein paar Zentimeter kürzer schneiden würde. Ich weiß gar nicht, wie oft ich The Walking Dead schon gesehen habe, weil ich seine Rolle so toll finde. Also wenn ihr mal zu viel Zeit habt, seht euch ein paar Folgen an, ich garantiere euch, seine Entwicklung ist der Hammer!

Tag 19

 Erzähle von deiner ersten großen Liebe. 


Also, als ich das erste Mal richtig verliebt war, war ich 17 Jahre alt. Ich war mit einer Freundin an ihrem Geburtstag zu einer LARP Convention gefahren und habe dort Dean kennengelernt. Ich fand ihn vom ersten Moment an toll. Wir haben zusammen was getrunken und die waren die ganze Nacht auf und haben gequatscht. Dean hatte zu dem Zeitpunkt noch eine Freundin, wir haben also erstmal nur miteinander geschrieben. 2 Wochen nachdem wir uns kennengelernt hatten, hat er mir eine Nachricht geschrieben "Ich bin single, Bock zu vögeln? xD" Da ich zu diesem Zeitpunkt bereits Hals über Kopf verliebt war, habe ich ja gesagt. Er hat mir immer so unfassbar süße Nachrichten geschrieben und ich hatte das Gefühl, mit ihm über alles reden zu können, er hat mir für alles Verständnis entgegen gebracht, das kannte ich bin dahin noch gar nicht. Deshalb hätte ich alles gemacht, um ihn für mich zu gewinnen. Weitere zwei Wochen nach dieser Nachricht hatten wir tatsächlich Sex. Es war mein erstes Mal, wie er auch wusste, und ich habe das ganze verdammte Bett vollgeblutet. Meine präsenteste Erinnerung an diesen Tag. Ich wusste, dass ich die 23. Frau war, mit der Dean Sex hatte, doch ich war so blind vor Liebe, dass ich mir trotzdem die Illusion gemacht habe, dass das mit uns was werden würde. Dean hat mir gesagt, dass er noch nicht wieder bereit für was festes ist, also hatten wir etwas, was sich offene Beziehung nannte. Wenn wir zusammen waren, dann hat es sich wirklich so angefühlt, als wären wir RICHTIG zusammen. Wir sind Händchen haltend durch die Stadt gegangen, haben unter dem Sternenhimmel gelegen und rumgeknutscht, ich habe seine Hand gehalten, als er sein erstes Tattoo bekommen hat, wir haben oft die halbe Nacht lang telefoniert und wir hatten halt Sex. Ich wusste, dass er auch was mit anderen Frauen hatte, aber das konnte ich ganz gut ausblenden. Da er ne gute Stunde mit dem Auto entfernt wohnte und ich noch minderjährig war, haben wir uns sowieso nicht regelmäßig gesehen, umso mehr konnte ich jedes Mal genießen, wenn wir was zusammen gemacht haben. Und dann kam eine böse Nacht. Wir waren mit Freunden von ihm zelten, hatten einiges getrunken und gekifft. Nach einem wirklich schönen Abend sind alle schlafen gegangen. Ich bin aufgewacht, weil ich total komisch Bilder vor Augen hatte, die ersten Bilder vom sexuellen Missbrauch in meiner Kindheit. Weil ich so unruhig war und mir von den Flashbacks schlecht geworden ist, bin ich den Rest der Nacht alleine durch den Wald gelaufen und gehofft, wieder zu Verstand zu kommen. Doch in den kommenden Wochen wurde es immer schlimmer und egal wie viel ich getrunken habe, die Bilder wollten nicht mehr verschwinden, ich hatte das Gefühl, den Verstand zu verlieren. Dementsprechend abwesend war ich in der Interaktion mit Dean. Wenn er angerufen hat war ich für gewöhnlich betrunken und da ich so durch den Wind war, meinte er bei unserem letzten Treffen, mit einer meiner Freundinnen zu flirten, was mich sehr verletzt hat. Ich hatte das Gefühl, das er sich von da an auch von mir entfernt hat und so sind unsere Wege dann irgendwann einfach auseinander gelaufen, ohne dass wir uns mal ausgesprochen hätten. Etwa ein dreiviertel Jahr später hat er mir nochmal geschrieben und gefragt, wie es so bei mir läuft. Zu dem Zeitpunkt war ich aber in einer festen Beziehung, weshalb sich die Interaktion schnell im Sande verlaufen hat. Und ganz ehrlich, ich war auch echt sauer auf ihn, weil ich im Nachhinein erfahren habe, dass er tatsächlich etwas mit meiner Freundin hatte. Und, weil er anscheinend nicht mal gemerkt hatte, dass bei mir etwas nicht in Ordnung war. Tatsächlich hat er mir vor ein paar Wochen nochmal geschrieben, wir hatten seit fast 6 Jahren keinerlei Kontakt mehr. Wir haben ein paar Neuigkeiten ausgetauscht und er hat mir irgendwann gesagt, dass es ihn überrascht, dass ich so nett zu ihm bin und er sich gewundert hat, dass ich ihm überhaupt geantwortet habe. Das hat mir immerhin gezeigt, dass er mal gemerkt hat, dass damals was schief gelaufen ist. Ich habe ihm noch immer nicht erzählt, was damals bei mir abgegangen ist, aber das ist auch nichts, was ich mal kurz in einer Nachricht erklären möchte. Vielleicht ergibt sich das mal, vielleicht auch nicht. Aber ich bin inzwischen okay mit dem, was damals war. Wir haben ein paar sehr schöne Monate miteinander verbracht, die ich sehr genossen habe und in denen ich sehr glücklich war. Die Zeit danach war hart, ja, aber ich weiß inzwischen, dass das nicht primär seine Schuld war. Klar, hat er sich auch nicht gerade wie ein Gentleman verhalten, aber es ist nicht seine Schuld, dass ich missbraucht wurde, ich habe es nur auf ihn projiziert, weil wir Sex hatten und danach die Flashbacks kamen, sein Gesicht, seine Stimme, sein Geruch war eine direkte Erinnerung an das, was da in mir losgebrochen ist. Noch heute wird mir schlecht, wenn im Supermarkt jemand an mir vorbei läuft, der das gleiche Aftershave wie Dean trägt, weil das alles total scheiße gekoppelt ist. Aber ich bin nicht mehr böse auf ihn und ich wünsche ihm nur das beste, denn er hat mir auch eine unglaublich tolle und aufregende Zeit geschenkt. Alles was danach kam war unvermeidbar und früher oder später hätte ich mich sowieso damit auseinander setzen müssen. Und so ist die Geschichte hinter meiner ersten Liebe zumindest nicht langweilig. 

Dienstag, 18. Mai 2021

Tag 18

 Schreibe 30 Fakten über dich.

1. Ich hasse es, mich selbst einschätzen zu müssen.

2. Ich bin 24 Jahre alt.

3. Meinen richtigen ersten Kuss hatte ich mit 16

4. Mein erstes Mal hatte ich mit 17

5. Mit 5 habe ich zum ersten Mal an einer Zigarette gezogen.

6. Mein Lieblingsfach in der Schule war Biologie.

7. Ich habe 4 Semester Physik studiert. 

8. Mit 3 Jahren habe ich mein erstes Bier getrunken.

9. Meine längste Beziehung hat 3 Jahre und 10 Monate gehalten.

10. Ich liebe lange Spaziergänge in der Natur. 

11. Ich mache eine Ausbildung zur Krankenpflegerin.

12. Nach dem Examen möchte ich Psychologie studieren.

13. Ich schlafe am liebsten zwischen 5 und 12 Uhr.

14. Frühes aufstehen finde ich ganz furchtbar.

15. Ich liebe alle Gerichte mit Nudeln.

16. Mein letzter Flug ging nach Fuerteventura.

17. Ich spiele seit 17 Jahren Gitarre.

18. Mein linkes Knie ist verschlissen seit ich 18 bin.

19. Von Kindergeschrei bekomme ich Kopfschmerzen.

20. Ich habe eine BPS und eine DIS.

21. Mit 12 habe ich mich das erste Mal selbstverletzt.

22. Mein Lieblingsplatz zum saufen ist der Spielplatz.

23. Ich schlafe noch mit Licht, weil ich Angst im Dunkeln habe. 

24. Mein Lieblingsplanet ist der Jupiter.

25. Ich fahre einen blauen Peugeot 206. 

26. Ich mache gerade den Motorradführerschein.

27. Meine Kawasaki GZ 500 ist schon seit letzten Sommer angemeldet, weil ich eigentlich schon lange mit dem Führerschein fertig sein wollte.

28. Mein Freund hat mir beigebracht Discofox und Walzer zu tanzen.

29. Ich möchte unbedingt lernen zu schießen. 

30. Ich habe eine verdammte Stunde gebraucht, um mir 30 Sachen zu überlegen.

Montag, 17. Mai 2021

Tag 17

 Schreibe darüber, wie man dein Herz erobern kann. 


Mein Herz kann man eigentlich ganz einfach erobern. Egal ob in Bezug auf Liebesbeziehung oder Freundschaft. Die Schlüsselwörter sind Empathie, Ehrlichkeit und Authentizität. Ich möchte, dass man sich mir gegenüber entspannt verhalten kann und sich nicht verstellen muss, denn so möchte ich mich auch in der Gegenwart von anderen auch verhalten dürfen und akzeptiert werden. Ich mag Menschen, die mir direkt heraus sagen, was sie denken, denn ich kann mich hervorragend selber belügen, dafür brauche ich keine anderen Leute. Dafür möchte ich von meinem Gegenüber einfach nu auch akzeptiert werden, und zwar so wie ich bin. Bei manchen Menschen hat man einfach von Anfang an das Gefühl, dass man sich verstellen muss, um anerkannt und gemocht zu werden. Bei anderen hingegen habe ich vom ersten Moment an das Gefühl, ich selbst sein zu dürfen, sogar dazu ermutigt zu werden. Genau das sind die Leute, die mein Herz erobern können. Die Interesse daran zeigen, mich kennenzulernen und mit denen ich in jeder Stimmungslage gerne zusammen bin. Leute, die sowohl mit mir lachen können, als auch mitfühlen können, wenn es mir nicht so gut geht. Die mich ermutigen, mich selbst mehr wertzuschätzen und das beste aus mir heraus holen. In deren Gegenwart die Welt einfach nur ein schöner Ort ist. Die mich verstehen, auch wenn ich nicht viel sagen kann. Manche Menschen haben einfach ein Gespür dafür, wie es anderen Menschen geht. Manchmal kann ich es einfach nicht gebrauchen, dass mich jemand 100x fragt, was los ist, sondern der mir einfach sagt "Hey, ich weiß, dass es dir gerade nicht gut geht, aber du musst es mir nicht sagen. Du kannst aber wenn du willst". Das lässt mein Herz höher schlagen. Und das ist es auch, was ich jedem rate, der das Herz eines anderen Menschen erobern möchte: Sei einfach du selbst und behandle dein Gegenüber genauso, wie du gerne von ihm oder ihr behandelt werden möchtest.  

Tag 16

Kurz vorab: Ich schwöre ich habe den Post gestern schon verfasst, bin aber dumm und habe es ausversehen als Entwurf gespeichert und nicht veröffentlicht. Ganz toll, Alex :D

 Erzähle von jemandem, den du vermisst.


Ich verkneife es mir mal, über jemanden zu schreiben, der nicht mehr lebt. Stattdessen schreibe ich einfach über jemanden, den ich schon lange nicht mehr gesehen habe. Das ist ein Freund von mir, mit dem ich zusammen zur Uni gegangen bin. Servan hat Physik und Philosophie auf Lehramt studiert, genauso wie mein damaliger Freund. Deshalb haben wir zusammen die Physikvorlesungen besucht. Und da Servan sehr motiviert war, hat er mit mir zusammen auch noch die Mathevorlesungen besucht, die in meinem Modulplan waren. Als Lehramtsstudent musste er da eigentlich nicht hin, aber wie gesagt, er war motiviert alles mitzunehmen und die Inhalte waren recht grundlegend für die Physikvorlesungen. In den ersten beiden Semestern war er derjenige, mit dem ich die meiste Zeit verbracht habe. Wir sind oft zusammen in die Bibliothek gegangen um zu lernen und haben zusammen viel Spaß gemacht. Es gab eine Vorlesung, da wurde von irgendeiner Sportgruppe eine "aktive Pause" gemacht. Da wurden fünf Minuten lang Bewegungsübungen im Hörsaal gemacht, die alle mitmachen mussten. Nachdem Servan und ich die erste Hälfte der Vorlesung total aufmerksam und konzentriert waren, haben wir uns über die Übungen so beömmelt, dass wir den Rest der Vorlesung nur Unsinn gemacht und uns gegenseitig zum Lachen gebracht. Einmal nach so einer aktiven Pause hat er mir ein Gespräch erläutert, das er mit seiner Freundin geführt hat. Diese ist Biologiestudentin und hat ihm ein paar coole Mikroskopaufnahmen gezeigt, die wohl ziemlich faszinierend aussahen. Daraufhin hat er seine Freundin mit einem Stift beworfen (wie er mir in der Vorlesung wundervoll demonstriert hat) und ihr gesagt "und so faszinierend sieht Physik aus". Ich bin vor lachen fast von den Bank gefallen und aus der Vorlesung geworfen worden. Sowas ist mit ihm ständig passiert. Am Anfang des dritten Semesters hat Servan das Studium leider abgebrochen. Er hat mir in den Vorlesungen wirklich gefehlt. Niemand hat es so gut geschafft, mich an einem schlechten Tag zum lachen zu bringen wie er. Und ich hatte viele schlechte Tage, als er weg war. Ich habe Servan nie großartig was aus meiner Vergangenheit erzählt, er hat mir auch nie Fragen darüber gestellt, was es mit den Narben auf meinem Arm auf sich hat, oder warum ich so viel gekifft und getrunken habe. Trotzdem hat er es geschafft, immer das richtige zu sagen und ist nie in ein Fettnäpfchen getreten, obwohl es davon wirklich viele gegeben hätte. Nachdem er Bonn verlassen hatte, haben wir noch eine Weile miteinander geschrieben und uns gegenseitig Mut gemacht, dass es in Zukunft  besser laufen würde. Aber wie das leider häufig im Leben so ist, man verliert sich irgendwann einfach aus den Augen, weil jeder auf seinen Kram konzentriert ist. Trotzdem erinnere ich mich wahnsinnig gerne an die Zeit zurück, die wir gemeinsam an der Uni geteilt haben, denn Servan hat mein Leben in Bonn wirklich sehr bereichert und ich bin dankbar dafür, dass ich ihn kennenlernen durfte. Ich hoffe sehr, irgendwann nochmal was von ihm zu hören und, dass es ihm gut geht und er zufrieden ist mit dem Weg, den er gewählt hat. 

Samstag, 15. Mai 2021

Tag 15

 Wenn du wegrennen würdest, wohin würdest du gehen?


Das kommt ganz darauf an. Wenn damit ein "kindliches" wegrennen gemeint ist und man irgendwann wiedergefunden und in sein altes Leben zurückgesteckt wird, dann würde ich mir einen Rucksack schnappen und einfach drauf los laufen, durch den Wald, mich an die Natur halten, mir Felsvorsprünge suchen, wo man Lagerfeuer machen kann, auf einem Baum oder in einer Höhle schlafen und einfach die Natur genießen. Wenn ich aber jetzt wegrennen würde, quasi ohne Rückkehr raus aus meinem Leben, dann würde ich das natürlich anders machen. Ich würde irgendwo hin wollen, wo es immer richtig schön ist. Am liebsten auf eine Insel, wo das Klima richtig angenehm ist und ich oft ans Meer kann. Ich denke, ich würde erstmal eine Weile reisen, die Welt sehen wollen und mich mit kleinen Jobs über Wasser halten. Als Barkeeperin zu arbeiten würde mich reizen. Und wenn ich dann überall war, wo ich gerne mal hin möchte, würde ich mich da niederlassen, wo es am schönsten war. Wer weiß, wo das sein würde. Griechenland, oder vielleicht die Kanaren, oder in der Karibik, vielleicht sogar Neuseeland. Dort würde ich dann abends in einer Bar arbeiten, um mir eine kleine Wohnung mit dem nötigsten leisten zu können und ansonsten einfach eine möglichst angenehme Existenz zu führen. Am Strand liegen und gute Bücher lesen, bei leckeren Cocktails und Joints selber Bücher schreiben und einfach nur noch mir selbst Rechenschaft ablegen. Wenn ich einen Ort wählen müsste, wo ich bisher schonmal war, dann würde ich Fuerteventura oder Djerba wählen. Dort ließ es sich wirklich gut aushalten, die Inseln waren groß genug, für etwas Abwechslung wenn man sie braucht, aber klein genug, dass ich mich dort alleine zurecht finden würde. Die Strände waren nicht zu überfüllt, aber es gibt mehr als genug Tourismus, sodass sich immer etwas finden ließe, womit ich Geld verdienen könnte. Aber ich glaube, wenn ich wirklich wegrennen würde, dann würde ich trotz des Trubels in Bars und zwischen Touristen ein Leben in Einsamkeit wählen. Keine außerdienstlichen Kontakte, keine Beziehungen, ich würde mich auf mich selbst konzentrieren, denn ich glaube das wäre es, was ich dann brauchen würde. Zeit, um mich selbst zu finden, mich selbst kennen und lieben zu lernen. Im besten Falle würde ich dabei ein gutes Buch schreiben, oder mehrere, sodass ich nicht mehr arbeiten müsste. Dann würde ich weitermachen mit dem reisen, denn es lassen sich immer Plätze finden, die man noch nicht kennt. Jetzt bekomme ich richtig Fernweh, am liebsten würde ich gleich einen Flug buchen :D. Aber nicht Oneway, Egal wohin mich das Leben führt, ich weiß wo meine Heimat ist und an der hänge ich tatsächlich auch sehr, ich denke, selbst wenn ich mal wegrennen würde, früher oder später würde ich immer wieder zurück kommen. 

Freitag, 14. Mai 2021

Tag 14

 Beschreibe deinen Style.


Ich gehe jetzt einfach mal davon aus, dass damit mein äußerliches Erscheinungsbild gemeint ist, also Klamotten, Schminke, Haare, Schmuck etc. Also, ein Wort beschreibt meinen Style da schon ganz gut: Schwarz. Seit ich 14 bin trage ich eigentlich nur noch schwarze Sachen. Das hatte am Anfang etwas damit zu tun, dass ich meine Trauer damit zum Ausdruck gebracht habe. Aber als ich dann ein paar Jahre später nochmal versucht habe, etwas mehr Farbe in meinen Schrank zu bekommen, haben mir Kleidungsstücke in anderen Farben überhaupt nicht mehr zugesagt. Wenn ich mir mal etwas bunteres gekauft habe, dann nur weil andere Leute mich dazu gedrängt haben. Also sieht mein Outfit meistens so aus: schwarze Jeans, schwarze Sneaker oder Stiefeletten und je nach Wetter schwarzes T-Shirt oder Pulli. Wenn ich ganz gewagt bin, trage ich auch mal ein dunkles lila oder dunkelrot. Farbtechnisch bin ich also eigentlich immer sehr vorhersehbar. Aber ich muss sagen, dass die Art der Kleidung, die ich gerne trage, so instabil ist wie meine Persönlichkeit. Manchmal liebe ich es, mich richtig schick zu machen, mit Cocktailkleid und Highheels und so. An manchen Tagen, wenn ich gerade mal zufrieden mit mir selbst bin, habe ich Lust, mich richtig sexy zu kleiden, mit kurzen Hotpans, schwarzen Strumpfhosen, Highheels und ein eng anliegendes Shirt, gerne auch mit Spitze und oder tiefem Ausschnitt. Aber an den meisten Tagen setze ich eher auf was bequemes, da sinds dann wirklich nur Jeans, Sneaker, T-Shirt und vielleicht noch ne Sweatjacke drüber und das wars. Aber zugegeben, mein liebster Style ist sexy mit einem Ticken coole Gothicbraut. Dafür bin ich nur meistens zu faul, oder habe nicht genug Selbstbewusstsein oder einfach nicht genug Geld, mir genug Kleidungsstücke in diesem Style zu kaufen. Und was den Rest angeht, meine Haare trage ich immer offen, die Farbe halte ich in einem rot braun Ton. Manchmal hätte ich auch gerne wieder bunte Haare, damit habe ich mich am wohlsten gefühlt, also würden die wahrsscheinlich auch eher meinem Style entsprechen. Geschminkt bin ich meistens nur an den Augen mit Maskara, Kajal und Eyeliner, natürlich auch alles in schwarz. Ich trage im rechten Ohr einen Tunnel und links einen ansatzweise dazu passenden Ohrring. Ich plane, dieses Jahr auch noch ein paar Ohrlöcher und Piercings an den Ohren hinzuzufügen. Dass ich tätowiert bin sieht man bei warmen Wetter auch direkt, auch da hätte ich gerne bei Zeiten noch mehr Schmuckstücke. Aber ich liebe meine Tattoos und ich zeige sie auch gerne. Meinen Snakebites bin ich natürlich auch treu geblieben, die gehören genauso zu mir wie die Tattoos. Was sonst noch? Ich trage gerne eine dezente Kette mit einem silbernen Herzanhänger, die ich von meinem Freund geschenkt bekommen habe. Früher habe ich meinen Style gerne mit ein paar Lederarmbändern abgerundet, die liebe ich immer noch, aber meistens nehme ich sie leider schnell wieder ab, weil sie mich beim schreiben stören oder ich sie auf der Arbeit halt nicht tragen darf. Ich muss leider auch sagen, dass meine Arbeit mich etwas im Ausleben meines Styles stört. Nur deshalb habe ich mir wieder eine normale Haarfarbe zugelegt und meistens bin ich nach der Arbeit auch zu faul, mir was schönes anzuziehen oder meinen Schmuck wieder anzulegen. Aber das ändert sich hoffentlich, sobald ich mein Examen habe wieder. Wir werden sehen. So, ich denke, das waren die wichtigsten Punkte, so spektakulär ist mein Style nun auch nicht. 

Donnerstag, 13. Mai 2021

Tag 13

 Schreibe über dein Lieblingsbuch.


Das ist ganz klar "Splitterfasernackt" von Lilly Lindner. Es ist eine Autobiographie, über ein Mädchen, das als Kind brutal missbraucht wurde und mit den Folgen davon kämpft. Sie schreibt über Essstörungen und Selbstverletzung und darüber, wie sie schließlich im Bordell arbeitet. Wie schwer es ihr fällt, ihren eigenen Körper richtig wahrzunehmen und wie schwierig es ist, so etwas wie Selbstwertgefühl zu empfinden. Ich liebe den Stil, in dem die Autorin schreibt, weiß gar nicht, wie ich den in Worte fassen soll, man muss es einfach mal selbst gelesen haben. In den Medien wird sie als "Sprachgewalt" betitelt, doch das wird ihr noch nicht gerecht. Neben ihrer Autobiographie hat Lilly Lindner noch weitere Bücher geschrieben, die ich alle sehr liebe. Sie behandelt Themen wie Verlust, Drogen, Selbstverletzung, Suizid, Essstörungen und Selbstverletzung, mit einer unglaublichen Komplexität und viel Text zwischen den Zeilen. Sie schafft es, ihre Emotionen zum Leser zu transportieren, man leidet mit ihr, man freut sich mit ihr und man spürt das absolute Nichts mit ihr.  Sie findet Worte für Geschehen, für die es keine Worte gibt. Ich kann das Buch und alle anderen Bücher dieser Autorin nur jedem empfehlen. Auch wenn ich es nicht gut schaffe, ihren Schreibstil zu beschreiben, weil er einfach unbeschreiblich ist. Macht euch einfach selbst ein Bild davon, es ist wirklich absolut einzigartig. 

Mittwoch, 12. Mai 2021

Tag 12

 Schreibe über deine Lieblingsserie.


Meine Lieblingsserie ist "Tote Mädchen lügen nicht", ganz klar. Ich habe das Buch gelesen, als ich 15 oder 16 war und fand es echt gut, doch die Handlung war für mich damit nicht abgeschlossen. Und dann kamen die Produzenten der Serie, packen das Buch in die erste Staffel und schreiben noch 3 weitere Staffeln, das war für mich wirklich sehr befriedigend. Für alle, die die Serie nicht kennen, es geht darum, dass ein Mädchen sich das Leben genommen hat und 13 Gründe für ihren Suizid hat, welche sie auf Kassetten aufnimmt. Jeder Grund dreht sich um einen Menschen, es gibt also für jede Person eine Kassettenseite, auf der sie erklärt, wie sein oder ihr Verhalten zu ihrem Suizid beigetragen hat. Die erste Staffel befasst sich nur mit diesen Kassetten. In der zweiten Staffel geht es dann darum, dass der Protagonist der Serie den Verlust des Mädchens verarbeitet und welche Auswirkungen die Kassetten und der Suizid auf alle Personen haben, die etwas mit der Toten zu tun hatten. Außerdem wird die Vergewaltigungskultur an Schulen, vor allem im Kreise von Sportlern behandelt und bekämpft. In der dritten Staffel geht es dann um die Aufklärung eines Mordes an einem dieser Vergewaltiger und in der letzten Staffel geht es um einen weiteren Tod, aber auch die Themen Suizid, Vergewaltigung, Drogenmissbrauch, Gewalt, Rassismus und Sexismus werden weiterführend beleuchtet. Und genau das ist es, was ich an dieser Serie so liebe. Nach der ersten Staffel, aber auch nach dem erscheinen jeder weiteren Staffel, wurde die Serie in der Presse zerrissen, weil es angeblich falsch wäre, junge Menschen in Kontakt mit diesen Themen zu bringen und es zu Nachahmungstaten anstiften würde. So ein Blödsinn. Ich für meinen Teil bin dankbar, dass solche Tabuthemen endlich mal offen angesprochen und auch ein Stück weit schonungslos gezeigt werden. Denn das ist die Realität. Und da ich selbst Opfer sexueller Gewalt war, auch lange Zeit unter Suizidgedanken gelitten habe, Drogen genommen habe und mit dem Suizid einer Freundin fertig werden musste, kann ich guten Gewissens sagen, dass es für Leute, die selbst von diesen Themen betroffen sind, unglaublich gut tut, sie nicht mehr tot zu schweigen. Denn schweigen macht diese Probleme nur schlimmer. Wie in der Serie auch sehr schön gezeigt wird, wie ich finde. Ich werde, für alle, die die Serie gesehen haben, mit dem restlichen Post auf ein paar Charakterentwicklungen aufzeigen, die mir besonders gut gefallen haben. 

Da ist einmal Alex, der in meinen Augen eine unfassbar positive Entwicklung durchgemacht hat. Sein Verhalten zu Beginn der Serie zeigt sehr deutlich, wie verwirrt und schuldig man sich fühlt, wenn sich ein anderer Mensch, den man eigentlich gut kannte, das Leben nimmt. Und dass einen der Gedanke, man hätte es verhindern können, in den Wahnsinn treiben kann. Und ich finde es toll, wie er nach seinem eigenen Suizidversuch versucht, für seine Fehler gerade zu stehen und Verantwortung zu übernehmen. Wie ihm klar wird, wie wichtig Freunde und Familie sind. Ich kann sogar verstehen, warum er Bryce umgebracht hat, ich hätte es genauso gemacht, schätze ich. Natürlich ist die Message, dass wenn man weiß ist und dein Vater ein Cop ist, du sogar mit Mord davon kommst, nicht so glücklich gewählt, aber ganz ehrlich, ich bin froh, dass Alex nicht ins Gefängnis musste und dass seine Freunde und Familie ihn so unterstützt haben. Auch die Entwicklung in der letzten Staffel finde ich wunderschön, wie er seine Gefühle für Charlie entdeckt und auch, wie positiv seine Familie auf sein Outing reagiert. Vielleicht nimmt das manchen Leuten ja die Angst davor. Und es ist sehr realistisch dargestellt, dass sich als Teenager alles so endgültig anfühlt, so als ob schlechte Gefühle für immer bleiben würden. Doch Alex Entwicklung zeigt, dass man es da raus schaffen kann, auch wenn man denkt, der Scheiß endet nie.

Dann ist da natürlich Jessica, die sich selbst in der ersten Staffel verleugnet, aber dann im Laufe der Zeit aufhört sich zu verkriechen, vom Opfer zur Überlebenden wird und anfängt Krach zu machen und sich für ihre Rechte und die von anderen Frauen einzusetzen. Ich finde ihre Entwicklung wirklich sehr inspirierend. Jessica ist für mich ein großes Vorbild. Ich finde es wahnsinnig mutig, dass sie Bryce anzeigt und als Schülersprecherin wirklich versucht, sich für ihre Mitschüler einzusetzen und jedem eine Stimme zu geben. Vor allem, sich selbst wieder eine Stimme zu geben. Es ist toll, wie sie es nach der Vergewaltigung schafft, ihre Sexualität neu zu erkunden. Außerdem finde ich ist es auch sehr realistisch dargestellt, die Probleme die sich hat, in ihrem eigenen Bett zu schlafen, wie man plötzlich in einer ganz alltäglichen Situation ein Flashback bekommen kann, aber auf der anderen Seite auch trotz allem schöne Momente haben kann, des Wunsch hat, eine Beziehung einzugehen und auf die Uni zu gehen und einfach eine Zukunft für sich selbst zu sehen. Wirklich sehr inspirierend. 

Und zu guter Letzt möchte ich noch Justin nennen. Ja, er hat ne Menge Scheiße gebaut, aber das hat jeder von uns. Vielleicht nicht in diesem Maßstab (vielleicht aber auch schlimmer?) aber jeder hat in seinem Leben schonmal folgenschwere Entscheidungen getroffen, bzw die Entscheidung getroffen, etwas schlimmes nicht zu verhindern. Aber ähnlich wie Alex versucht er, die Scheiße die er gebaut hat, wieder gerade zu biegen und geht ins Gefängnis, um Jessica in ihrer Aussage zu bestätigen. Das erfordert großen Mut. Wenn man sich mal seine Vergangenheit anschaut, ist es auch mehr als verständlich, dass Justin eine Drogensucht entwickelt. Viele Opfer von Kindesmissbrauch fangen an Drogen zu nehmen, wenn sie realisieren, was da eigentlich mit ihnen passiert ist. Und dass seine Mutter auch drogenabhängig war und mit Dealern und sonstigen zwielichtigen Personen zusammen war, hat die Sache nicht besser gemacht. Justin hat einen unglaublich schwierigen und traurigen Weg  hinter sich, aber es ist wirklich bemüht, eine bessere Version von sich selbst zu sein, für seine Fehler einzustehen und clean zu bleiben. Es ist so toll, ihn im Familienleben bei den Jensens zu sehen, mein Herz ist dahin geschmolzen. Sein Ende ist eine Tragödie, mit der ich absolut nicht einverstanden bin. Natürlich ist es nicht falsch, seine Geschichte zu nutzen um auch auf die Risiken von intravenösen Drogeneinnahmen und die Folgen von sexueller Gewalt hinzuweisen, aber hätte man ihn wirklich sterben lassen müssen? Leute ich sage euch, ich habe die letzten beiden Folgen Rotz und Wasser geheult, dieses Schicksal hatte er nicht verdient, wo er doch auf so einem guten Weg war. Natürlich ist er wieder rückfällig geworden und hat gelogen, aber das gehört ein Stück weit zu einer Sucht dazu. Ich kann gar nicht zählen, wie oft ich mit dem schneiden aufgehört habe und dann verheimlicht habe, dass ich doch wieder angefangen habe. Von daher kann ich Justin sein Verhalten verzeihen.

Soviel zu meinen Lieblingscharakteren in meiner Lieblingsserie. Wie gesagt, ich finde es einfach toll, dass in einer Serie so viele Tabus gebrochen werden und ich hätte gerne mehr solcher Serien, damit wir das Wort "Tabuthemen" bitte endlich aus unserem Wortschatz löschen können. Man sollte über jedes Thema frei reden können, denn Schweigen schafft sie nicht aus der Welt, sondern macht alles nur schlimmer.