Naja, jetzt mache ich mir erstmal schöne zwei Wochen Ferien. Achja, am Freitag habe ich mich ja auch tätowieren lassen. Ich bin mega zufrieden mit dem Ergebnis und es hat Spaß gemacht, mal wieder unter die Nadel zu kommen. Das Tattoo ist an der Hüfte, das war natürlich ziemlich schmerzhaft und, worüber ich vorher gar nicht nachgedacht habe, auch extrem kitzelig. Aber nach zwei Stunden war ich durch, danach bin ich mit Sven noch Burger essen gegangen und wir haben GNTM nachgeguckt, es war ein sehr schöner Tag. Vor lauter Enttäuschung über meine Klausuren habe ich das fast vergessen, wie man leider viel zu häufig die schönen Sachen vergisst, aber der Tag war wirklich toll. Ich füge noch ein Foto davon ein und dann melde ich mich am Wochenende wieder. Bis dann!
Montag, 26. März 2018
Hallo zusammen. Da ich das Wochenende noch ziemlich mit lernen beschäftigt war, melde ich mich erst heute. Hätte ich mir aber auch schenken können, da ich schon Bescheid bekommen habe, dass ich sowohl Mathe, als auch Experimentalphysik schon wieder verschissen habe. Es besteht noch die Möglichkeit, dass ich in der Einsicht genug Punkte zusammenkriege, um zu bestehen, aber für den Moment habe ich auf jeden Fall nicht bestanden. Dementsprechend toll fühle ich mich gerade, da ich den ganzen letzten Monat mit lernen beschäftigt war und trotzdem durchgefallen bin. Da hätte ich auch coolere Sachen machen können. Naja, jetzt habe ich es mir auf der Couch gemütlich gemacht und werde den Rest des Tages gucken, was Netflix mir zu bieten hat. Gerade gucke ich den Film Pandorum. Eigentlich habe ich den nur angemacht, weil Norman Reedus da mitspielt und ich total auf diesen Schauspieler stehe, aber der Film ist schon neun Jahre alt, anscheinend war der da noch nicht so bekannt, denn sein Charakter ist bereits tot :D. Aber der Film ist trotzdem nicht schlecht, also von daher war es doch eine gute Investition ihn mir anzusehen. Also ich bin gerade erst in der Mitte, mal sehen, wie es sich entwickelt. Das ist leider außer The Walking Dead das einzige, was Netflix zu bieten hat, wo Norman Reedus mitspielt. Aber ich habe auf Youtube noch drei Filme mit dem gefunden, die ich in den nächsten Tagen gucken werde. Vielleicht gucke ich die auch alle schon heute, mal sehen. Abgesehen von den Klausureinsichten, habe ich ja jetzt keine Verpflichtungen mehr. Die nächsten zwei Wochen werde ich in vollen Zügen genießen, ich habe so dermaßen keinen Bock mehr auf die Uni. Ich glaube, ich muss mir dringend eine neue Therapeutin suchen, um nicht wieder hoffnungslos in Depression zu versinken. Ich weiß nicht, wie ich mich im nächsten Semester wieder dazu aufraffen soll, jeden Tag das Haus zu verlassen. Wie dieses Semester kann es nicht weiter gehen, ich bin so oft nicht zur Uni gegangen, habe keine Aufgaben gerechnet und einfach nur ewig auf der Couch oder im Bett gelegen und Videos geguckt. Das geht so nicht mehr. Aber ich schaffe es einfach nicht alleine, mein Leben geregelt zu bekommen. Ich bräuchte eine ordentliche Balance zwischen Studium und Freizeit, aber entweder ich arbeite mich halb tot oder tue gar nicht. Ich kriege keinen geregelten Tagesablauf mehr hin. Ich weiß immerhin, dass sich das ändern muss, wenn ich mein Studium auf die Reihe kriegen will.
Samstag, 17. März 2018
Guten Abend meine Lieben. Also wirklich viel habe ich nicht zu erzählen. Nach meinem Durchhänger am Montag habe ich mich schnell wieder erholt, habe jeden Tag fleißig gelernt und fühle mich mittlerweile zumindest für eine Klausur gut vorbereitet und bin optimistisch, dass ich sie bestehen kann. Bei der zweiten kommt es eher darauf an, ob ich Glück habe oder nicht. Wenn die richtigen Themen dran kommen, kann ich die vielleicht auch bestehen, aber sonst wird es schwer. Ich lasse mich einfach überraschen. In den nächsten 10 Tagen komme ich dann mal ein bisschen aus meinem Alltag raus: Am Montag geht es erstmal wieder nach Bonn, am Mittwoch schreibe ich dann die erste Klausur. Dann geht es auch schon wieder nach hause, denn am Freitag bekomme ich mein nächstes Tattoo, ihr könnt euch also nächste Woche schonmal auf ein Bild freuen :D. Dann geht es aber spätestens Sonntag wieder nach Bonn runter, weil ich dann die zweite Klausur schreibe. Und dann muss ich mal abwarten, ob ich noch zu Einsichten muss und wann ich dann wieder heim fahre. Die letzten knapp zwei Wochen meiner Ferien muss ich auf jeden Fall in vollen Zügen genießen, da werde ich keine Lernsachen mehr anpacken, ich darf auch mal ein paar Tage komplett frei haben, da freue ich mich schon drauf. Ich habe jetzt schon keine Lust mehr auf die Uni, wenn ich an den Vorlesungsstart denke. Auch jetzt so kurz vor den Klausuren fühle ich mich nicht ganz so gut. Nachdem ich Sven gestern nach hause gebracht habe, bin ich erstmal mit lauter Musik durch die Nacht gefahren während ich mich grundlos ausgeheult habe. Heute morgen konnte ich mir dann nicht mehr anders helfen und habe mich zum ersten Mal seit etwa zwei Monaten wieder geschnitten. So lange habe ich schon lange nicht mehr durchgehalten. Ich habe erstmal eine halbe Stunde lang auf dem Badezimmerboden gesessen und überlegt, ob ich das wirklich will. Aber ja, ich wollte und es hat mir tatsächlich geholfen. Danach konnte ich mich wieder aufs Lernen konzentrieren und hatte den ganzen Tag lang meine Gefühle und Gedanken im Griff. Es hilft tatsächlich immer besser, wenn man es nicht so oft macht. Wie mit Alkohol: Wenn du nicht so oft etwas trinkst, bist du schneller und länger betrunken, wenn du es aber regelmäßig machst, brauchst du immer mehr für weniger Effekt. Aber wenn ich es einmal wieder gemacht habe ist es sofort wieder schwer, es nicht jeden Tag wieder zu tun. Ich habe schon oft darüber nachgedacht, ob es nicht langsam mal an der Zeit ist, damit aufzuhören. Ich meine, ich bin jetzt 21, ich mache den Scheiß seit mittlerweile 9 Jahren. Fast mein halbes Leben. Aber es würde noch immer nicht von mir selbst aus gehen. Ich würde es für meinen Freund machen und in gewisser Weise auch für meinen Vater, weil ich einfach keine Lust mehr habe, mich verstecken zu müssen. Aber eben nicht für mich, und solange ich nicht für mich selbst aufhören möchte, hat das eh keinen Sinn, das habe ich schon oft genug versucht. Aber ich bin mir sicher, dass der Tag irgendwann kommen wird, an dem ich bereit dafür bin.
So, das war mein Wort zum Samstag, drückt mir die Daumen am Mittwoch. Ich wünsche euch noch ein schönes Wochenende, bis dann!
So, das war mein Wort zum Samstag, drückt mir die Daumen am Mittwoch. Ich wünsche euch noch ein schönes Wochenende, bis dann!
Montag, 12. März 2018
Hallo meine Lieben. Am Wochenende hat mein Vater mich wieder ziemlich unter Beschlag genommen, deshalb hole ich den Post jetzt nach. Naja, so viel habe ich eigentlich gar nicht zu erzählen. Mein Leben ist momentan wieder ziemlich monoton, mein Vater geht seit einer Woche wieder arbeiten, das heißt ich habe tagsüber meine Ruhe, Dafür muss ich aber auch wieder für die Nachprüfungen lernen, aber immerhin habe ich dafür meine Ruhe. Meine Tage sehen momentan so aus: Ich stehe um 10 Uhr auf, mache mich fertig, frühstücke und gucke dabei eine Folge The Walking Dead oder Supernatural , dann lerne ich mein Pensum für den Tag und zwischen 16 und 18 Uhr habe ich dann noch Zeit, etwas nur für mich zu machen. Dann kommt mein Vater nach hause, wir drehen noch ne Runde um den See, essen und dann warte ich darauf, dass er ins Bett geht, damit ich wieder machen kann, worauf ich Lust habe. An manchen Abenden ist Sven auch da, oder ich fahre noch zu ihm. Nur am Wochenende habe ich halt nicht viel geschafft, das wollte ich eigentlich heute nachholen, aber ich bin viel zu erschöpft, um irgendwas zu machen. Nach 4 Stunden Schlaf bin ich heute früh wach geworden, weil mir richtig schlecht war. Deswegen habe ich erstmal ziemlich lange im Badezimmer abgehangen, bis ich nicht mehr das Gefühl hatte gleich kotzen zu müssen. Als ich mich wieder hingelegt habe, war es neun Uhr, dann habe ich noch ne Stunde im Bett gelegen, aber schlafen konnte ich auch nicht mehr. Deswegen bin ich schließlich endgültig aufgestanden, war duschen und einkaufen und habe es vor einer Stunde endlich mal geschafft, mein Frühstück runterzuwürgen. Ich kann es mir gerade nicht leisten, nichts zu essen. Da ich diesen Winter aufgrund der ständigen Temperaturschwankungen dauernd krank war, habe ich ein paar Kilo verloren und das, obwohl ich nicht darauf geachtet habe was ich esse und jeden Tag drei Schokoriegel verdrückt habe. So wenig habe ich zuletzt vor 3 Jahren gewogen. Ich kann natürlich nicht behaupten, dass mir die niedrige Zahl auf der Waage nicht gefallen hat, aber ich möchte nicht wieder zurück in diesen Abnehmwahn. Ich bin eigentlich froh, dass ich es mittlerweile schaffe meine 56 Kilo zu halten, ohne mir großartig Gedanken darüber zu machen, was ich esse. Deswegen habe ich eben immerhin zwei trockene Brötchen gegessen und es ging mir danach immerhin nicht schlechter. Ich habe versucht zu lernen, aber es fällt mir gerade richtig schwer, mich zu konzentrieren. Ich schaffe gerade einfach nicht, mir Formeln zu merken, oder einfachste Aufgaben zu lösen. Ich hoffe, dass ich morgen wieder fit bin, denn diesmal habe ich es wirklich konsequent geschafft, mich jeden Tag hinzusetzen und zu lernen, es wäre ärgerlich, wenn das jetzt durch eine Krankheit zunichte gemacht wird. Also versuche ich heute mal etwas kürzer zu treten, gehe heute Abend früher ins Bett und hoffe, dass ich dann morgen wieder fit bin und weiterlernen kann, ich will diese Klausuren nämlich unbedingt bestehen! Also, drückt mir die Daumen und bis nächstes Wochenende!
Freitag, 2. März 2018
Liebe Nicole,
ich schreibe dir, weil ich in den letzten Tagen so oft an dich denken musste. Ich muss eigentlich jeden Tag an dich denken, aber momentan ist es besonders schlimm. Du bist jetzt schon mehr als 4 Monate nicht mehr bei uns und ich kann es noch immer nicht fassen. So oft will ich in die Mädelsgruppe schreiben, ob wir mal wieder was unternehmen soll, alle zusammen. Doch dann fällt mir ein, dass du nicht mehr dabei sein wirst und mir wird klar, dass ich noch nicht bereit dazu bin. Das letzte Mal, dass ich die Mädels gesehen habe, war auf deiner Beerdigung. Mit Laura und Janina zusammen habe ich vor deinem offenen Sarg gestanden. Dein dämlicher Vater hat vorher zu uns gesagt "Ihr braucht keine Angst zu haben, sie lächelt sogar.". Ich musste mich wirklich zusammenreißen, ihm keine zu kleben. Meiner Meinung nach war das kein Lächeln auf deinen Lippen, aber das warst sowieso nicht mehr du, oder? Alle Leute sagen, dass du auch in den Monaten zuvor nicht mehr du selbst warst, doch diese Meinung kann ich nicht teilen. Das ist, als ob ich niesen würde und den Leuten dann erkläre "Tut mir Leid, das war nicht ich, das war meine Krankheit". Aber die meisten Leute verstehen sowieso nicht, dass psychische Probleme auch eine Krankheit sind. Und wenn sie es doch tuen, dann wirst du nur auf diese Krankheit reduziert, es kotzt mich an. Deshalb bin ich mir sicher, dass du noch da warst, bis zum letzten Augenblick. Deine Stimme klang noch genauso wie früher. Dein Lachen, das gleiche wie vor 10 Jahren. Deine Augen konnten noch genauso strahlen, wie früher.
Ich muss immer wieder an unser letztes Gespräch denken. Ich habe den Tag mit dir wirklich genossen. Es war schön, mal wieder Zeit mit dir alleine zu verbringen, das renovieren hat Spaß gemacht und es tat gut, sich mit dir zu unterhalten. Später haben wir einfach auf dem Boden von deinem Balkon gesessen, weil du noch keine Stühle hattest. Wir haben Kekse gegessen und Eistee getrunken, eine Zigarette nach der anderen geraucht und über alles geredet, was uns auf dem Herzen lag. Es war mir ein Privileg, dass du dich mir so geöffnet hat. Und während du mir von deinen Ängsten erzählt hast, von schlechten Erfahrungen und von gemeinen Menschen, von schlechten Angewohnheiten und Dingen, die man nicht wahr haben möchte, da habe ich gedacht, ich blicke in einen Spiegel. Oder meine Zwilligsschwester sitzt gerade vor mir. Denn als ich dir von meinen Ängsten, schlechten Erfahrungen und Angewohnheiten erzählt habe, waren diese fast identisch. Deswegen habe ich dir erzählt, was ich gegen diese Ängste tue, wie ich es geschafft habe, manche Dinge hinter mir zu lassen und wie es mir mit den Sachen besser geht, die ich noch nicht hinter mir lassen konnte. Und du hast mich kein einziges Mal für das, was ich gesagt habe komisch angeguckt, hast mir keine neunmalklugen Tipps gegeben, die nur von Leuten stammen, die keine Ahnung von dem haben, was du erzählst. Du konntest einfach alles verstehen. Egal was ich gesagt habe, du konntest mir Verständnis entgegen bringen. Und anders herum war es genauso. Ich habe in meinem ganzen Leben noch niemanden getroffen, mit dem ich mich so gut unterhalten konnte. Auch wenn ich es sehr bedaure, dass du diese Dinge verstehen konntest, weil du ähnlich empfunden hast. Doch so wie es mich getröstet hat mit jemandem zu reden, der mich endlich verstand, hoffe ich, dass es auch dich getröstet hat, endlich verstanden zu werden. Wenn auch nur für eine kurze Zeit. Nach deinem Tod habe ich mir sehr lange Vorwürfe gemacht, weil ich dachte unser Gespräch hätte bei dir zu viel aufgewühlt, was du nicht verkraften konntest. Dieser Gedanke kommt mir immer noch häufiger als mir lieb ist. Doch irgendwann habe ich mich an den Moment erinnert, als wir uns verabschiedet haben. Du hast mich nach hause gefahren, ich habe dir gesagt, du sollst dich melden, wenn du Hilfe brauchst. Es war sowohl auf deine Wohnung, als auch auf alles andere bezogen. Wir haben uns zum Abschied umarmt, dann hast du inne gehalten. Ich habe gedacht, du wolltest noch irgendwas sagen, doch das hast du nicht getan. Dann haben wir uns endgültig verabschiedet. Mir war nicht klar, wie endgültig dieser Abschied war, aber ich glaube, du wusstest es. Und deswegen mache ich mir mittlerweile keine Vorwürfe mehr. Ich glaube, dass du deinen endgültigen Selbstmord schon lange geplant hattest, bevor wir uns an diesem Samstag getroffen haben. Und ich glaube, unser Gespräch am Abend war dein persönlicher Abschiedsbrief an mich. Ich bin dir dankbar für diesen letzten Tag, den du mir geschenkt hast, es hilft mir, deine Entscheidung besser zu verstehen und sie zu akzeptieren. Doch auf eine Weise macht es den Abschied nur noch schwieriger, weil ich dachte, in dir eine Art Seelenverwandte gefunden zu haben. Viel zu oft will ich zum Handy greifen, um dir irgendwas zu erzählen, oder einfach um zu fragen, wie es dir so geht. Ich vermisse dich so sehr und ich glaube, dass ich niemals wieder einem Menschen wie dir begegnen werde. Aber wer weiß, vielleicht sehen wir uns ja eines Tages wieder. Doch wo auch immer du gerade bist, ich hoffe es geht dir gut und du bist endlich glücklich.
In Liebe, Alex
ich schreibe dir, weil ich in den letzten Tagen so oft an dich denken musste. Ich muss eigentlich jeden Tag an dich denken, aber momentan ist es besonders schlimm. Du bist jetzt schon mehr als 4 Monate nicht mehr bei uns und ich kann es noch immer nicht fassen. So oft will ich in die Mädelsgruppe schreiben, ob wir mal wieder was unternehmen soll, alle zusammen. Doch dann fällt mir ein, dass du nicht mehr dabei sein wirst und mir wird klar, dass ich noch nicht bereit dazu bin. Das letzte Mal, dass ich die Mädels gesehen habe, war auf deiner Beerdigung. Mit Laura und Janina zusammen habe ich vor deinem offenen Sarg gestanden. Dein dämlicher Vater hat vorher zu uns gesagt "Ihr braucht keine Angst zu haben, sie lächelt sogar.". Ich musste mich wirklich zusammenreißen, ihm keine zu kleben. Meiner Meinung nach war das kein Lächeln auf deinen Lippen, aber das warst sowieso nicht mehr du, oder? Alle Leute sagen, dass du auch in den Monaten zuvor nicht mehr du selbst warst, doch diese Meinung kann ich nicht teilen. Das ist, als ob ich niesen würde und den Leuten dann erkläre "Tut mir Leid, das war nicht ich, das war meine Krankheit". Aber die meisten Leute verstehen sowieso nicht, dass psychische Probleme auch eine Krankheit sind. Und wenn sie es doch tuen, dann wirst du nur auf diese Krankheit reduziert, es kotzt mich an. Deshalb bin ich mir sicher, dass du noch da warst, bis zum letzten Augenblick. Deine Stimme klang noch genauso wie früher. Dein Lachen, das gleiche wie vor 10 Jahren. Deine Augen konnten noch genauso strahlen, wie früher.
Ich muss immer wieder an unser letztes Gespräch denken. Ich habe den Tag mit dir wirklich genossen. Es war schön, mal wieder Zeit mit dir alleine zu verbringen, das renovieren hat Spaß gemacht und es tat gut, sich mit dir zu unterhalten. Später haben wir einfach auf dem Boden von deinem Balkon gesessen, weil du noch keine Stühle hattest. Wir haben Kekse gegessen und Eistee getrunken, eine Zigarette nach der anderen geraucht und über alles geredet, was uns auf dem Herzen lag. Es war mir ein Privileg, dass du dich mir so geöffnet hat. Und während du mir von deinen Ängsten erzählt hast, von schlechten Erfahrungen und von gemeinen Menschen, von schlechten Angewohnheiten und Dingen, die man nicht wahr haben möchte, da habe ich gedacht, ich blicke in einen Spiegel. Oder meine Zwilligsschwester sitzt gerade vor mir. Denn als ich dir von meinen Ängsten, schlechten Erfahrungen und Angewohnheiten erzählt habe, waren diese fast identisch. Deswegen habe ich dir erzählt, was ich gegen diese Ängste tue, wie ich es geschafft habe, manche Dinge hinter mir zu lassen und wie es mir mit den Sachen besser geht, die ich noch nicht hinter mir lassen konnte. Und du hast mich kein einziges Mal für das, was ich gesagt habe komisch angeguckt, hast mir keine neunmalklugen Tipps gegeben, die nur von Leuten stammen, die keine Ahnung von dem haben, was du erzählst. Du konntest einfach alles verstehen. Egal was ich gesagt habe, du konntest mir Verständnis entgegen bringen. Und anders herum war es genauso. Ich habe in meinem ganzen Leben noch niemanden getroffen, mit dem ich mich so gut unterhalten konnte. Auch wenn ich es sehr bedaure, dass du diese Dinge verstehen konntest, weil du ähnlich empfunden hast. Doch so wie es mich getröstet hat mit jemandem zu reden, der mich endlich verstand, hoffe ich, dass es auch dich getröstet hat, endlich verstanden zu werden. Wenn auch nur für eine kurze Zeit. Nach deinem Tod habe ich mir sehr lange Vorwürfe gemacht, weil ich dachte unser Gespräch hätte bei dir zu viel aufgewühlt, was du nicht verkraften konntest. Dieser Gedanke kommt mir immer noch häufiger als mir lieb ist. Doch irgendwann habe ich mich an den Moment erinnert, als wir uns verabschiedet haben. Du hast mich nach hause gefahren, ich habe dir gesagt, du sollst dich melden, wenn du Hilfe brauchst. Es war sowohl auf deine Wohnung, als auch auf alles andere bezogen. Wir haben uns zum Abschied umarmt, dann hast du inne gehalten. Ich habe gedacht, du wolltest noch irgendwas sagen, doch das hast du nicht getan. Dann haben wir uns endgültig verabschiedet. Mir war nicht klar, wie endgültig dieser Abschied war, aber ich glaube, du wusstest es. Und deswegen mache ich mir mittlerweile keine Vorwürfe mehr. Ich glaube, dass du deinen endgültigen Selbstmord schon lange geplant hattest, bevor wir uns an diesem Samstag getroffen haben. Und ich glaube, unser Gespräch am Abend war dein persönlicher Abschiedsbrief an mich. Ich bin dir dankbar für diesen letzten Tag, den du mir geschenkt hast, es hilft mir, deine Entscheidung besser zu verstehen und sie zu akzeptieren. Doch auf eine Weise macht es den Abschied nur noch schwieriger, weil ich dachte, in dir eine Art Seelenverwandte gefunden zu haben. Viel zu oft will ich zum Handy greifen, um dir irgendwas zu erzählen, oder einfach um zu fragen, wie es dir so geht. Ich vermisse dich so sehr und ich glaube, dass ich niemals wieder einem Menschen wie dir begegnen werde. Aber wer weiß, vielleicht sehen wir uns ja eines Tages wieder. Doch wo auch immer du gerade bist, ich hoffe es geht dir gut und du bist endlich glücklich.
In Liebe, Alex
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