Hallo Freunde. Ich lebe noch. So lange war es auf meinem Blog noch nie still, ich weiß. Ich kann noch nicht mal erklären, woran das gelegen hat. Sicher hätte ich hin und wieder mal Zeit gehabt, von mir hören zu lassen, aber ein Teil von mir hat sich dagegen gesträubt etwas zu posten, weil das irgendwie immer ein Zeichen dafür ist, dass es mir nicht so gut geht. Der Blog ist in einer super düsteren Zeit meines Lebens entstanden und klar habe ich auch positive Inhalte geteilt, aber ich glaube im großen und ganzen kann man denke ich sagen, dass ich deutlich mehr Zeit damit verbracht habe hier zu schreiben was gerade nicht so gut läuft. Ich habe im bisherigen 2020 viel daran gearbeitet einen gesünderen Lebensstil zu entwickeln, sowohl mental als auch körperlich.
Fangen wir mal damit an, dass ich zwischen Weihnachten und Neujahr bei meinem Vater wieder ausgezogen bin und nun seit gut vier Monaten mit Alex zusammen lebe. Das hat sehr dazu beigetragen, dass sich unser Zeitmanagement verbessert hat, da wir uns automatisch häufiger gesehen haben, was für uns beide weniger Stress bedeutet. Den Einsatz in der Somatik habe ich irgendwie rum bekommen, es ist leider nicht mehr besser geworden. Umso mehr habe ich den Schulblock genossen, der darauf folgte. Danach war ich zwei Monate in der ambulanten Pflege bei der Caritas. Der Einsatz dort war nicht schlecht, ich bin eigentlich gerne zur Arbeit gegangen. Nur die Arbeitszeiten haben mich sehr erschöpft. Immer nur Frühdienst und das 12 Tage am Stück, keinen Ausgleich für Wochenenddienst, das fand ich schon hart. Aber das Team war super nett, ich bin gut zurecht gekommen und habe eine positive Bewertung bekommen. Da ich aber immer so kaputt war, wenn ich von der Arbeit kam, habe ich in diesen zwei Monaten nicht wirklich etwas auf die Reihe bekommen. Danach hatte ich zwei Wochen Urlaub, wovon ich 9 Tage auf Fuerteventura verbracht habe. Die ersten vier waren wirklich schön, Alex und ich waren in einem schönen Hotel, haben Spaziergänge am Strand gemacht, waren in der nächsten Stadt zum bummeln und sind in den noch recht kühlen Atlantik gegangen. Danach hat Corona zugeschlagen. Jaja ich weiß, dämlich überhaupt zu fliegen, aber der Urlaub war gebucht, zu dem Zeitpunkt als wir geflogen sind war in Spanien noch nichts großartiges bekannt und wir haben es einfach riskiert. Am vierten Tag wurde dann bekannt gegeben, dass ganz Spanien unter Ausgangssperre steht, also kein Strand mehr, kein Pool mehr, nicht mal mehr die Hotelbar war geöffnet. 5 Tage nur Hotelzimmer, das war schon deprimierend. Klar haben wir die Strecken zum Restaurant etwas ausgeweitet um uns etwas zu bewegen und natürlich sind wir öfter als nötig los, um uns etwas zu trinken zu holen und ja, immerhin gab es noch Alkohol, aber trotzdem hatten wir uns das anders vorgestellt. Trotzdem haben wir das beste daraus gemacht und immerhin die Zeit zu zweit genossen. Zurück in Deutschland habe ich es dann nach 5 Tagen voller Unproduktivität (ist das ein Wort?) geschafft, endlich mal meinen Hintern hoch zu kriegen und mal ein paar Baustellen abzuarbeiten, die schon ewig anstanden. Natürlich nachdem ich das Drama geklärt hatte, ob ich nach meinem Urlaub in Quarantäne muss oder arbeiten darf. Und nach einem Nervenzusammenbruch, weil ich eigentlich Schule gehabt hätte, die aber dank Corona geschlossen war und ich arbeiten sollte. Ich habe immer das Problem, dass ich es nur schaffe, was für mich zu machen, wenn ich Schule habe. Die Arbeit lauft mich einfach so aus, danach bin ich platt und kriege gar nichts mehr hin. Ich wollte aber endlich wieder was auf die Kette kriegen und hatte das Gefühl, dass mir diese Möglichkeit genommen wird, wenn ich arbeiten geschickt werde. Ich habe mir aber trotzdem in den Arsch getreten und viel geschafft bekommen, trotz Arbeit. Seit gut zwei Monaten mache ich wieder Sport, ich lese ab und zu mal wieder ein Buch, versuche endlich zu lernen, meine Anspannung einzuschätzen und Achtsamkeitsübungen zu machen (was leider nur sehr schleppend Fortschritte macht, da ich in diesem Fall auf der Arbeit nun wirklich keine Chance sehe den Plan umzusetzen), ich gehe wieder häufiger spazieren, bin inzwischen ein Jahr schnittfrei und versuche meine noch laufende Therapie gut zu nutzen.
Im Moment arbeite ich in einer psychiatrischen Tagesklinik, die Arbeit dort ist sehr interessant und ich kann auch einiges für mich mitnehmen. Es fiel mir schwer, mich in das Team zu integrieren, aber nach nun zwei Wochen habe ich langsam das Gefühl angekommen zu sein. Ende des Monats habe ich voraussichtlich wieder Schule, falls wir bis dahin nicht wieder in die Klassen dürfen, haben wir schon alles für den Heimunterricht eingerichtet. Es stresst mich, dass man sich terminlich auf nichts mehr einstellen kann, ich bin ein Mensch, der wenig spontan ist und immer Struktur braucht. Ich muss auch ehrlich zugeben, dass es mich ankotzt arbeiten zu gehen, während so viele andere Leute frei haben. Alle beschweren ich darüber, wie furchtbar es ist, wochenlang zuhause bleiben zu müssen. Ich wäre froh, wenn ich das dürfte. Mir fallen auf Anhieb genug Sachen ein, die anstünden, wenn ich vier Wochen frei hätte. Außerdem sind die Leute dadurch am Tag länger laut und an den Wochenenden früher auf und machen früher Lärm, was mich so richtig ankotzt, weil ich eben arbeiten muss und daher früh ins Bett gehe und am Wochenende froh wäre, wenn ich ausschlafen könnte. Aber nein, samstags morgens um acht Uhr ist ein toller Zeitpunkt um den Rasen zu mähen, zu saugen, oder ein Loch in die Wand zu bohren. Schönen Dank auch. Ergo: Ich bin seit Wochen echt müde, weil immer irgendwer laut ist, da keine Sau mehr die Wochenenden respektiert und ich in der Nachbarschaft wohl die einzige bin die es mal wieder nötig hätte auszuschlafen. Manchmal denke ich, dass ich mir selbst zu sehr in den Arsch getreten habe, trotz psychischer Erkrankung ein normales Leben führen zu wollen. Auf der einen Seite bin ich stolz darauf, dass ich trotzdem arbeiten gehe, eine Beziehung führe und sehe, was ich in den letzten Jahren für Fortschritte gemacht habe. Auf der anderen Seite glaube ich aber manchmal, dass meine Fortschritte besser wären, wenn ich mir wirklich mal die Auszeit genommen hätte, um mich intensiver mit Therapie und Handlungsstrategien und Achtsamkeitsübungen und sowas zu beschäftigen. Es fällt mir super schwer das alles gleichzeitig zu machen, ich habe oft das Gefühl, dass ich zwei Vollzeitlobs habe. Im Moment zum Beispiel muss ich arbeiten, dabei für die Schule eine Facharbeit schreiben, möchte aber gleichzeitig auf meine psychische Verfassung achten, was aber aufgrund meines Jobs quasi vor 16 Uhr überhaupt nicht möglich ist. Ja ich weiß, andere Leute gehen auch 8 Stunden täglich arbeiten und niemand kann auf der Arbeit großartig darauf achten, dass sich kein Stress anstaut. Aber dank meiner wundervollen BPS brauche ich eben unheimlich lange, um wieder runter zu kommen und muss eigentlich immer darauf achten, auf welchem Anspannungslevel ich mich befinde und ab einem gewissen Wert dann auch etwas dagegen machen, sonst explodiere ich, sobald ich den Arbeitsplatz verlasse. Ich finde es nicht gerade erfüllend, dass mein Leben an vielen Tagen daraus besteht arbeiten zu gehen, nach der Arbeit total unzurechnungsfähig zu sein und den restlichen Tag den Versuch zu unternehmen, meine Anspannung wieder runter zu bekommen. Ich schaffe es einfach nicht, eine Routine zu erlernen, weil ich auf der Arbeit einfach nicht die Möglichkeit habe alle ein bis zwei Stunden schön brav mein Achtsamkeitsbuch zu zücken, in mich zu horchen, mir Notizen zu machen und zu schauen, welchen Skill ich denn einsetzen könnte. Zumindest habe ich noch keinen Weg gefunden das zu tun. In der Schule schaffe ich das meistens ganz gut, da macht man sich ja sowieso ständig Notizen und es fällt niemandem auf, wenn ich dann mal schnell in mein Notizbuch schreibe. Und da habe ich ja auch viele Pausen, in denen ich mich im Notfall zurückziehen könnte um Skills einzusetzen. Aber auf der Arbeit habe ich ein paar Raucherpausen, die ich nie alleine verbringe und das wars. Ich kann ja schlecht eine Gruppensitzung verlassen, oder die Küche zu spät vorbereiten, oder die Dokumentation schleifen lassen, es steht immer etwas an was ich gerade machen muss, da habe ich keine Zeit und erst Recht keine Privatsphäre, um auf mich zu achten.
Das ist also im Moment mein größtes Projekt. Zu lernen, wie ich ein "normales" Leben führen kann und trotzdem an mir zu arbeiten, damit die Symptome nicht so ausgeprägt sind. Es macht keinen Spaß ständig einen Wutanfall wegen nichts zu bekommen, oder stundenlang zu heulen, ohne dass wirklich etwas passiert ist, oder darüber nachzudenken wie schön es wäre, sich endlich mal wieder die Haut aufzuschlitzen. Ich will das nicht mehr. Ich kann diesen Teil von mir nicht mehr ertragen, also muss ich endlich lernen, ihn lautlos zu bekommen. Ich lebe gerne und ich will noch so vieles erleben und meine Zeit auf Erden genießen können und nicht jede freie Minute zu verhindern, dass ich ausraste, oder damit mich zu ärgern, dass ich versagt habe, weil ich doch wieder Stunden mit einem Wutanfall verschwendet habe. Ich habe es so satt etwas zu reparieren, was andere kaputt gemacht haben, aber ich muss es trotzdem tun, damit ich endlich frei sein kann. Ich weiß mein Leben endlich zu schätzen, also will ich es jetzt auch endlich leben. Ich bin so weit gekommen, bin glaube ich auch richtig nahe dran, aber mir fehlt noch das letzte Werkzeug, doch das habe ich noch nicht gefunden. Ich hoffe, ich muss nicht mehr allzu lange suchen.
In diesem Sinne noch einen schönen Abend, Tag, Wochenende, wann auch immer das jemand liest. Es war schön mal wieder etwas zu schreiben und ich hoffe, dass ich diesmal keine 5 Monate brauche, um mal wieder von mir hören zu lassen. Machts gut meine Lieben!