Mittwoch, 7. Juni 2023

Hey zusammen. Puh, ich glaube meinen Vorsatz für dieses Jahr, mindestens einmal im Monat zu bloggen kann ich in die Tonne werfen :D.  Zweiter Post in fünf Monaten, läuft. Gut, ich versuche mal, euch auf den neusten Stand zu bringen. Bei meinem letzten Post ging es mir ja nicht sonderlich gut. Wobei ich sagen muss: Als ich mir gerade durchgelesen habe was ich zuletzt gepostet habe war ich überrascht darüber, wie reflektiert das war. Bisher haben sich diese schlechten Phasen immer angefühlt wie der Weltuntergang, aber letztes Mal konnte ich mir tatsächlich selber sagen, dass es mir in ein paar Wochen besser gehen wird. Not bad. Und es ist wahr. Es hat eine ganze Zeit gedauert, aber aktuell geht es mir wieder ganz gut. Die Wintermonate waren hart, ich habe kaum irgendwas gemacht und war von der kleinsten Anstrengung schon super ko. Mit Alex lief es auch irgendwie nicht so gut, zumindest war das meine Wahrnehmung. Ende März hat er das Gespräch mit mir gesucht, bezüglich unseres nicht existenten Sexuallebens. Ja, wir hatten seit zwei Jahren keinen Sex mehr. Background zu der Story: Meine Therapeutin hatte uns damals vorgeschlagen, dass wir abwechselnd aufeinander zugehen, um Intimitäten auszutauschen. Das hat ein paar Mal geklappt, aber irgendwann, als ich am Zug gewesen wäre, konnte ich mich einfach nicht mehr dazu überwinden. Wisst ihr, es ist anstrengend genug, überhaupt Sex zu haben, aber dann auch noch aktiv auf meinen Freund zugehen zu müssen und zu sagen "Okay lass uns jetzt miteinander schlafen" das hat sich so absurd angefühlt. Und so viel Überwindung gekostet. Zu viel, offensichtlich, denn ich konnte mich nicht mehr dazu überwinden. Es ist eine Sache wenn mein Freund auf mich zu kommt weil er mit mir schlafen möchte. Das ist okay, dafür habe ich Verständnis und obwohl ich keinen positiven Effekt daraus ziehe schlafe ich dann trotzdem mit ihm, weil ich ihm liebe und ich weiß, dass das für andere Leute in einer Beziehung eben wichtig ist. Aber es ist etwas völlig anderes das aus eigener Initiative zu machen. Wie gesagt, es kostet mich viel mehr Überwindung. Also sind wir dann jetzt zwei Jahre weiter, ohne in dieser Zeit Sex gehabt zu haben und Alex wollte wissen, ob wir jemals wieder Sex haben werden. Und das war ein wirklich schwieriges Gespräch. Erstens weil er das Thema eine Stunde bevor ich zur Arbeit musste angesprochen hat, was mich erstmal ziemlich angepisst hat, weil ich für sowas länger als eine Stunde brauche und wir das Thema dann quasi erst eine Woche später ordentlich besprechen konnten. Und zweitens, weil wir nicht wirklich zu einem Ergebnis gekommen sind. Alex hat mich gebeten, darüber nachzudenken ob es für mich in Ordnung wäre, wenn er mit anderen Frauen schläft. Ich habe tatsächlich die ganze Woche darüber nachgedacht, bin aber zu dem Schluss gekommen, dass es nicht in Ordnung wäre. Ich bin leider generell ein recht eifersüchtiger Mensch und hätte zu viel Angst, dass er sich dann in eine andere Frau verlieben könnte, die ihm eine Beziehung mit Sex bieten kann. Ich will ihm das ja auch bieten können, nur weiß ich nicht wie. Wir haben festgestellt, dass unsere letzte Methode nicht funktioniert hat, aber keine von uns wusste, wie wir es noch machen könnten. Ich habe zu Alex gesagt, dass er einfach auf mich zukommen soll, wenn er mit mir schlafen will, aber aus mir ehrlich gesagt vollkommen unerklärlichen Gründen ist er darüber total passiv aggressiv geworden. Er findet es nicht gut, dass die Initiative jetzt von ihm ausgehen soll. Aber ist das von mir wirklich zu viel verlangt? Ich finde nicht. Ich meine, ihm ist Sex wichtig, mir nicht, also kann er doch auch die Initiative für das ergreifen, was ihm wichtig ist, oder nicht? Und in Anbetracht dessen WARUM ich Probleme mit Sex habe kann er sich doch eigentlich glücklich schätzen, dass ich überhaupt bereit bin mit ihm zu schlafen. Ich weiß, dass es scheiße für ihm war, dass wir so lange keinen Sex hatten. Aber im Grunde kann man es doch auch so sehen: Wir sind jetzt vier Jahre zusammen, zwei  Jahre hatten wir Sex, zwei Jahre hatten wir keinen Sex, also hat jeder von uns die halbe Beziehung lang das bekommen, was er wollte. Und ich bin ja bereit daran zu arbeiten, aber ich habe das Gefühl er versteht nicht, dass es für mich schon viel Arbeit ist Sex zu haben. Ich muss mich die ganze Zeit lang konzentrieren, damit ich nicht in Flashbacks versinke, damit ich nicht dissoziiere, muss die Stimmen in meinem Kopf unter Kontrolle halten und soll nebenbei noch so aussehen, als hätte ich Spaß dabei. Natürlich ist das für Alex ne scheiß Situation, aber für mich doch auch und bei allem was Sex für mich bedeutet, finde ich es nicht zu viel verlangt, dass er den ersten Schritt macht, wenn er Sex will. Mein Gott  macht mich das pissig. Als er das Thema angesprochen hatte war ich sowieso immer noch damit beschäftigt, mich aus meinem Winterloch zu ziehen. Ich war total emotional und dachte wochenlang, dass er mich deswegen verlassen wird. Er hat zwar gesagt, dass das nicht seine Absicht ist, aber wie gesagt, er war bei dem Thema so passiv aggressiv und ich hab einfach nicht verstanden warum. Irgendwann haben wir das Gespräch dann einfach beendet, ohne wirkliches Ergebnis. Ihr könnt euch vorstellen, wie ich die Zeit danach drauf war. Ich konnte an nichts anderes denken und habe jeden Tag damit gerechnet verlassen zu werden. Das ist bisher nicht passiert, aber Sex hatten wir seitdem auch immer noch nicht, was jawohl deutlich zeigt wie wenig einverstanden Alex damit ist, selber die Initiative zu ergreifen. Ganz ehrlich, seit ich meine Ausbildung fertig habe hoffe ich eigentlich darauf, dass er mir einen Antrag macht, dass wir bald heiraten werden. Und dann kam sowas. Und seitdem denke ich bei allem was zwischen uns passiert, dass er das nur tut um mir eins auszuwischen, weil wir keinen Sex haben. Wahrscheinlich ist das Quatsch und ich bin einfach paranoid. Und es fällt mir einfach schwer zu verstehen, warum für andere Leute Sex so einen hohen Stellenwert hat. Das ist in meinen Augen nichts, was eine Beziehung ausmacht. Vielmehr sind es für mich die Dinge, die man zusammen erlebt, Erinnerungen die man schafft. Ich verstehe, dass für andere Leute Sex etwas schönes ist und ich wünschte ich könnte Alex das bieten, aber es ist mir absolut unverständlich, warum zur Hölle Sex so wichtig sein soll. Man kann doch auch einfach andere Sachen zusammen machen. Versteht mich nicht falsch, ich will Alex keine Vorwürfe machen. Alle anderen Männer mit denen ich zusammen war waren was Sex betrifft wirklich fordernder, Alex bringt mir schon wirklich sehr viel Verständnis entgegen. Trotzdem tut es einfach weh zu sehen, dass dieses Verständnis seine Grenzen hat. Und er fühlt sich natürlich auch vor den Kopf gestoßen, weil es mir so schwer fällt seine Sichtweise zu verstehen. Es ist einfach schwierig. Ich möchte auch gerne nochmal das Gespräch mit ihm darüber suchen, aber ehrlich gesagt weiß ich noch nicht so recht, was ich sagen soll. Ich will einfach nicht, dass dieses Thema so zwischen uns steht.

Aber hier dann jetzt mal Themenwechsel. Das Gespräch mit Alex hatte mich seiner Zeit natürlich nochmal zusätzlich runter gezogen. Es ging mir eh nicht gut und danach ging es mir noch schlechter und ich hatte das Gefühl, nur noch einen Schlag nach dem nächsten in die Fresse zu bekommen. Doch dann kam der Mai. Ich hatte drei Wochen Urlaub und wollte gerne mal weg von hier, weil mich hier einfach alles angekotzt hat und ich das Gefühl hatte, dass etwas Abstand von zuhause nötig wäre um wieder klar zu kommen. Alex hatte aber keinen Urlaub. Doch er hat mich ermutigt, alleine weg zu fahren. Nach langem hin und her habe ich das dann tatsächlich gemacht. Ich war fünf Tage in Riga (Hauptstadt von Lettland). Vorher war ich natürlich super nervös und habe mich tausend Mal gefragt, ob das die richtige Entscheidung war. Aber ich wollte diesen Schritt auch gehen, wollte alleine weg fliegen und mir selbst beweisen, dass ich das kann. Und ich kann es! Montags ging es abends los, mein Flug hatte so viel Verspätung, dass ich in Riga angekommen gerade noch den letzten Bus bekommen habe. Am Dienstag war ich dann die Stadt erkunden, habe mir alles wichtige angesehen, ein Museum besucht und war zum ersten Mal alleine in einem Lokal etwas essen und trinken. Und auch das hat gut geklappt. Ich hatte einen hervorragenden Burger, geiles Bier, einen leckeren Cocktail und war zufrieden, obwohl ich alleine dort war. An den anderen Tagen habe ich es mir nicht nehmen lassen ans Meer zu fahren. Lettland liegt an der Ostseeküste und von meinem Apartment aus war es nur eine halbe Stunde mit dem Zug. Es war ein bisschen kalt zum schwimmen, aber ich hatte echt Glück mit dem Wetter, die ganze Woche um die 20 Grad mit strahlend blauem Himmel. Ich habe Strandspaziergänge gemacht, bin ein bisschen durchs Wasser gewartet und habe stundenlang in der Sonne gesessen und gelesen. Es war wundervoll. Und auch dort hat es mir nichts ausgemacht, alleine zu sein. Ich konnte einfach machen was ich wollte, wann ich es wollte und vor allem konnte ich mir selbst beweisen, dass ich das kann. Das war ein unglaubliches Gefühl! Als ich freitags wieder heim geflogen bin habe ich mich trotzdem auf Zuhause gefreut. Auf Alex und meine Katzen und ehrlich gesagt auch auf einen Joint. Aber ich würde es jederzeit wieder machen, das war so eine wichtige Erfahrung für mich, so ein Booster für mein Selbstbewusstsein! 

Meinen restlichen Urlaub habe ich dann viel geschrieben (was ich in den Monaten davor wieder vernachlässigt hatte), war auf dem Japantag (3 neue Nemu Nekos *-*) und habe mich mit Sophie getroffen, wir waren mal wieder feiern. Auch wenn ich sagen muss, dass das vorglühen viel mehr Spaß gemacht hat :D. Mein Urlaub ist jetzt zwei Wochen vorbei und ich muss sagen, ich schaffe es trotzdem ganz gut, meine Motivation was zu machen aufrecht zu erhalten. Ich schreibe viel, habe mein erstes fertiges Buch sogar mal an ein paar Verlage geschickt, vielleicht will das ja sogar jemand veröffentlichen. Ich war die letzten Tage auch viel im Garten, das schöne Wetter ausnutzen und habe mich einfach mit einem Notizbuch in die Sonne gelegt. Außerdem sind Alex und ich gerade dabei unseren Urlaub im Herbst zu planen, wir wollen gerne über unsere Geburtstage nach Teneriffa fliegen, ich hoffe sehr das klappt. Also inzwischen kann man wohl sagen läuft wieder alles. Ich habe wieder deutlich mehr Energie und kann mich dazu motivieren von der Couch aufzustehen und schöne Dinge zu machen, die mir gut tun. Und dafür bin ich so dankbar und ich hoffe wirklich, ich kann das aufrecht erhalten. Gerade habe ich das Gefühl so nah an dem dran zu sein was bzw. wer ich sein will als jemals zuvor. Zumindest mehr als in den letzten Monaten.

Ich hoffe euch geht es auch gut und ihr genießt den kommenden Sommer genauso sehr wie ich. Passt gut auf euch auf und habt eine gute Zeit. Bis dann!

Montag, 30. Januar 2023

Hallo meine Lieben, frohes neues Jahr, wenn es dafür nicht schon etwas spät ist. Ich hätte schwören können, dass ich mich nach dem Meditationsretreat nochmal gemeldet habe, aber da auf meinem Blog keine Spur davon zu finden ist, habe ich das offensichtlich nicht getan und es ist schon wieder 2 Monate her, seit ich mich zuletzt gemeldet habe. Erstmal habe ich gute Nachrichten: Ich habe inzwischen einen neuen Laptop. Ein Freund, der von Technik mehr Ahnung hat als ich, hat mich beraten und jetzt kann ich endlich wieder schreiben wann ich will. Besagter Freund hat mir vor ein paar Monaten gesagt, dass ich wieder was schreiben soll und dass er in meinem nächsten Buch eine Rolle will. Also habe ich angefangen eine Geschichte aufzubauen und seinen Wunsch erfüllt. Davon weiß er aber noch nichts, ich glaube auch ehrlich gesagt dass er betrunken war als er mir das geschrieben hat und bin nicht sicher, ob er sich überhaupt an seinen Wunsch erinnert. Das hält mich aber nicht davon ab, ihn trotzdem irgendwann damit zu überraschen, wenn das scheiß Buch denn mal fertig wird. Habe bisher knapp 100 Seiten geschrieben und weiß noch nicht so genau, wohin mich die Geschichte führen wird. Aber das werde ich dann schon sehen. Hauptsache ich kann wieder nach Herzenslust schreiben. 

Das Meditationsretreat war übrigens auch eine sehr schöne Erfahrung. Man war dort in einem Kloster untergebracht, was schon eine coole Atmosphäre geschaffen hat. Es war schön still dort, man sollte auch nach Möglichkeit keine technischen Geräte benutzen, woran ich mich gehalten habe. Also drei Tage lang kein Handy, kein Laptop, nur ich und mein Notizbuch. Ja, ich habe mir tatsächlich ein Notizbuch mitgenommen, um meine Gedanken festhalten zu können. Es war schön, es wieder zu benutzen. Und auch nötig. Wir haben das Wochenende über viele verschiedene Meditationen gemacht, ein wenig Yoga und jeden Tag einen Schweigespaziergang. Es war arschkalt an dem Wochenende, trotzdem war es sehr schön, so bewusst durch die Natur zu gehen, sich einfach mal darauf zu konzentrieren, was einen gerade umgibt. Diese Schweigephasen fielen mir auch nicht wirklich schwer, im Gegenteil. Wobei es auch nicht schwer war, mich in die Gruppe zu integrieren. Alle waren total nett und offen, wir waren alle so verschieden, was das kennenlernen umso interessanter gemacht hat. So haben wir abends, wenn das Programm vorbei war immer noch ein paar Stunden in unserem Gruppenraum gesessen, Tee getrunken und unsere Gedanken und Gefühle mit Fremden geteilt. Für die meisten war es, wie für mich auch, die erste Erfahrung dieser Art. Aber ich habe es nicht bereut. Das einzig unangenehme an diesem Wochenende war für mich, dass das Programm morgens um 8 losging. Nach einem dreiviertel Jahr Dauernachtwache ist das definitiv nicht mehr meine Uhrzeit. Aber der Rest war Entschädigung genug. Denn es ging einfach nur darum zu sich selbst zu finden, zu entschleunigen, Kraft zu tanken. Und das konnte ich dort. Ich konnte mich auf alles was wir gemacht haben einlassen, es war entschleunigend und lehrsam zugleich. Wenn ich aus meinen Notizen eins erkenne, dass das Problem, was ich auch schon in meinem letzten Post erörtert habe: Ich halte zu sehr an der Vergangenheit fest. Und langweile mich deshalb gleichzeitig, weil ich eigentlich viel neues erleben will. Stattdessen aber bleibe ich bei allem was ich kenne. Schwelge in Erinnerungen, besuche immer die gleichen Orte, schaue immer wieder die gleichen alten Serien, weil ich einfach nicht loslassen kann, weil ich Angst habe, etwas zu verlieren oder zu vergessen. Gleichzeitig will ich aber so gerne viel von der Welt sehen, will neue Dinge ausprobieren, Dinge tun, die ich liebe. Doch ich bleibe passiv, finde Ausreden und Entschuldigungen, um meine Komfortzone ja nicht zu verlassen. Ich weiß, das passt irgendwie alles nicht zusammen, aber ich glaube genau da liegt mein verdammtes Problem. Was ich bin und was ich sein will sind so unterschiedliche Dinge. Und meistens geht es mir psychisch auch nicht gut genug um die Kraft dazu zu finden, eine Änderung zu etablieren. Da seht ihr, schon wieder eine Ausrede. Änderungen sind eben unbequem, auch die guten. Daran muss ich noch arbeiten. 

Zugegeben bin ich nach dem Retreat ziemlich schnell wieder in meinen Alltagstrott gefallen. Nur an dem Buch habe ich ab und zu mal geschrieben, also immerhin eine kleine Verbesserung. Aber ansonsten habe ich das Gefühl ich warte auf dem Punkt, an dem ich mein Leben endlich ändern kann, nur dass der eben nicht von alleine kommt. Ich muss aktiv etwas ändern, sofort. Aber es ist so anstrengend. Die kleinste zusätzliche Anforderung, die außer der Reihe an mich gestellt wird, scheint mir schon den Boden unter den Füßen wegzureißen. Naja, ich glaube das nennt man Winterdepressionen. Der Winter ist für mich ja sowieso immer eine schwierige Jahreszeit. Weihnachten macht mich immer fertig, obwohl es dieses Mal okay war. Ich musste zum Glück nämlich einfach alle Tage arbeiten und hatte immer nur ein paar Stunden Zeit, mal bei der Familie vorbeizuschauen. Dann war diesen Monat ja mal wieder Mamas Todestag. 12 verdammte Jahre ist es jetzt her. Nachdem Weihnachten so gut gelaufen war dachte ich erst, der Tag würde kein Problem werden. War er auch zunächst nicht, ich war beim Blumenladen, dann beim Friedhof, habe alles schick gemacht, neue Kerzen angezündet, Standardkram eben. Ich musste zum Glück auch erst am nächsten Tag wieder arbeiten und dachte, ich hätte es gut überstanden. Aber auf der Arbeit hatte ich dann mit einem Kollegen Dienst, mit dem ich nicht besonders gut klarkomme. Im Laufe der nächsten Tage ist mir dann erst bewusst geworden, dass mich alles was passiert mehr belastet als es sollte. Dumme Sprüche haben mein Selbstbewusstsein direkt nen Kopfschuss gegeben, ich war total reizbar und sensibel. Vielleicht ne Nachwirkung vom Todestag, vielleicht auch wirklich einfach nur Winterdepressionen, ich weiß es nicht. Ich weiß nur, dass meine Unzufriedenheit in diesem Zustand weißer wächst und ich gleichzeitig total erschöpft bin und nicht die Kraft finde, gerade etwas zu verändern. Gerade habe ich ein paar Tage Urlaub, in denen ich mich immerhin emotional etwas stabilisieren konnte, aber Kraft für Veränderungen konnte ich trotzdem nicht aufbringen. Wieder sitze ich den ganzen Tag zuhause rum, gucke Serien, spiele Sims, kiffe, schlafe und das wars. Anstatt die Zeit für etwas sinnvolles zu nutzen. Und am Freitag muss ich wieder arbeiten und das scheint mir gerade einfach viel zu viel zu sein. Alle Leute sagen mir immer dass ich in meinem Job ja so viel Freizeit habe, viel frei für wenig Arbeit. Tja, dann könnt ihr euch ja jetzt die Mäuler darüber zerreißen, dass ich so ein scheiß Sensibelchen bin, dass mir sogar das bisschen Arbeit zu viel ist. Und ich kann mich darüber ärgern, dass ich mir solche Sprüche zu Herzen nehme, und selbst denke, dass ich einfach ein faules Stück Scheiße bin. 

Ihr seht also, es könnte besser laufen. Meine Psyche ist angeschlagen und mir fehlt die Kraft, etwas dagegen zu tun. Ich weiß, dass die Zeit mein Freund ist und dass es mir in ein paar Wochen auch irgendwann wieder besser gehen wird. Aber ich habe gerade einfach so einen Selbsthass, dass ich mir nur Vorwürfe machen kann. Wenn ich sage ich bin krank dann sage ich mir im selben Moment, dass das nur eine scheiß Ausrede ist, um weiter faul zu sein. Und ich kann es nicht mehr hören. Tod, Missbrauch, Borderline bla bla bla. Als wäre ich eine scheiß Aufziehpuppe, die immer wieder das gleiche von sich gibt. Ich kann doch nicht immer alles was nicht gut läuft auf meine Vergangenheit und meine Krankheiten schieben. Aber ich kann das auch nicht einfach ignorieren. Oder doch? Keine Ahnung. Je mehr ich darüber nachdenke, desto wütender werde ich auf mich selbst. Und dann kommt die Stimme in meinem Kopf, die mir sagt, dass ich mich nach einem Schnitt besser fühle und dann endlich die Dinge machen kann die ich will, ohne mich weiter schlecht zu fühlen. Und dann breche ich in Tränen aus, weil ich nicht den Rest meines Lebens so verdammt eingeschränkt sein will. Die Leute verstehen nicht, wie viel meiner Zeit dafür draufgeht, mich psychisch stabil zu halten. Es ist seit Jahren so und es wird den Rest meines Leben so bleiben, weil es keine Heilung gibt. Und irgendwann sind die Leute es satt das zu hören, so wie ich es jetzt satt bin. Weil es sich wie eine Ausrede anhört. Ich bin so hin und her gerissen. Ich will dass jemand mir sagt was ich tun soll. Oder zumindest dass mir jemand sagt welche der Stimmen in meinem Kopf die Wahrheit sagt. Ist es okay sich eine Auszeit zu nehmen weil man krank ist? Oder bin ich einfach ein Schwächling, der seine Krankheit als Ausrede nutzt? Ich weiß überhaupt nicht mehr was ich denken soll. Ich weiß nur, dass mich mein Leben so wie es jetzt ist nicht glücklich macht. Und dass ich den Arsch hochkriegen muss, wenn ich will, dass sich das ändert. Und dass ich viel zu erschöpft vom Leben bin, um das hinzukriegen.