Hallo meine Lieben. Hoffe es geht euch allen gut. Ich bin seit einer Woche wieder im AKH, worüber ich sehr unbegeistert bin. Der Schulblock ging viel zu schnell rum, ich bin traurig, dass ich meinen Kurs jetzt länger nicht sehen werde. Wir haben erst Mitte Februar wieder Unterricht, wenn die Corona Situation das denn zulässt. Wie in meinem letzten Post schon gesagt haben mich die Themen in der Schule zum Teil sehr mitgenommen. Und auch das Sterbesemniar war zum Teil sehr hart, aber es war sehr schön zu sehen, wie das den Kurs noch mehr zusammengeschweißt hat. Ich versuche auch weiterhin den Kontakt zu ein paar Leuten aufrecht zu erhalten, aber im Moment fällt mir das sehr schwer. Vor einer Woche dachte ich noch, dass es mir wieder etwas besser gehen würde. Ich habe mich an die Situation gewöhnt, dass Alex wieder arbeiten geht und habe mich mit Freunden getroffen und manchen Leuten mehr über mich erzählt, ich hatte wirklich das Gefühl, auf einem guten Weg zu sein. Aber seit einer Woche geht es wieder bergab, zumindest fühlt es sich so an. Die Arbeit im Krankenhaus laugt mich aus, sodass es mir extrem schwer fällt, meine Gefühle zu regulieren. Mich überkommt plötzlich eine große Traurigkeit, oder eine riesige Wut, oder ich fühle mich einfach nur leer. Ich habe wieder angefangen mehr zu kiffen, weil ich mich dann endlich mal entspannen kann. Das ist mir lieber als mich zu ritzen, auch wenn ich danach nach wie vor ein großes Bedürfnis habe. Ich habe wieder häufiger das Gefühl, all das nicht mehr für mich zu machen, sondern für andere. Das ist nicht gut. Das weiß ich selber. Ich bin mir dem gesamten Ausmaß an Scheiße sehr gut bewusst. Ich weiß, dass es nicht gut ist, dass ich wieder kiffe, dass ich in der Leere versinke, dass ich keinen Bock mehr habe irgendwas zu tun, dass ich aber meinen verdammten Arsch hoch kriegen muss. Ich weiß das alles, aber das Bewusstsein darüber macht es nur noch schlimmer. Weil ich nicht die Kraft habe, etwas dagegen auszurichten. Ich bin so erschöpft. Noch 4 Tage arbeiten durchhalten, dann habe ich 2 Wochen Urlaub. Aber die Tatsache, dass dann Weihnachten ist sorgt auch nicht gerade dafür, dass ich das Gefühl habe, Kraft schöpfen zu können. Und danach nochmal 4 Wochen AKH. Ich weiß nicht, wie ich das schaffen soll. Und ich weiß nicht, wie ich den Menschen das verständlich machen soll. Sie begreifen es einfach nicht, wollen sich nicht darauf einlassen es zu versuchen. Das ist schlimm für mich, lässt mich denken dass ich doppelt und dreifach für etwas bestraft werde, wo ich nichts für kann. Ich habe nicht drum gebeten als Kind missbraucht zu werden und ich hätte alles dafür getan, nicht mit 14 meine Mutter beerdigen zu müssen. Es ist schwer genug die Scherben aufsammeln zu müssen und den ganzen Scheiß aufzuarbeiten. Es wäre einfach schön, sich nicht immer dafür rechtfertigen zu müssen.
Mittwoch, 16. Dezember 2020
Mittwoch, 11. November 2020
Hallo meine Lieben! Irgendwie war mir die letzten Tage total danach mal wieder zu bloggen, also mache ich das jetzt einfach mal. Leider bedeutet es bei mir selten etwas gutes, wenn ich das dringende Bedürfnis danach habe. Eigentlich und theoretisch ist gerade alles gut. Mein Einsatz im AKH ist seit einer Woche vorbei, trotz Lockdown darf ich in die Schule und ich pflege sogar in letzter Zeit meine sozialen Kontakte. Aber trotzdem geht es mir in den letzten Wochen nicht so richtig gut. Der Einsatz hat mich sehr gefordert. Obwohl die Kollegen da echt größtenteils sehr nett zu mir waren hat mich die Arbeit einfach ziemlich ausgelaugt. Ich habe mit 2 Klassenkammeraden zumindest schriftlichen Kontakt gehalten und es war schön sich immer mal wieder auszutauschen. Alex hat seine neue Stelle angefangen und die ersten Tage vorher hab ich mir echt viele Gedanken darum gemacht, wie es sich auf unsere Beziehung auswirken wird, wenn er auch wieder arbeiten geht, nachdem er fast 7 Monate nur zuhause war. Das hat mir Angst gemacht. Letzten Montag war dann sein erster Arbeitstag und ich war erstmal total damit überfordert wie zur Hölle ich meine Zeit jetzt aufteile für Arbeit, Zeit für mich, Haushalt und Beziehung. Nach ein paar Tagen Schockzustand finde ich mich aber langsam wieder zurecht und entwickle wieder Struktur. Versuche alles soweit wie möglich ausgeglichen zu halten. Letzten Monat habe ich mich außerdem endlich mal wieder mit Sophie getroffen. Das war wirklich schön, mittlerweile verstehen wir uns echt wieder richtig gut denke ich. Habe auf jeden Fall das Gefühl, dass wir uns gegenseitig gut verstehen können. Und es ist einfach auch mal schön mit jemandem zu quatschen, den man schon fast sein ganzes Leben lang kennt. Je älter man wird desto weniger werden Kontakte dieser Art. Gott Leute, ich bin mittlerweile 24, wo ist die verdammte Zeit geblieben? Seit acht einhalb Jahren teile ich hier mein Leben mit, bei meinem ersten Post war ich erst 15!
Naja. Seit letztem Mittwoch habe ich wieder Schule, ich habe mich so sehr darauf gefreut. Die Themen nehmen mich sehr mit emotional. Zum Einstieg in das Thema sterben haben wir einen Film geschaut in dem ein Mann an einem Hirntumor gestorben ist. Super geil, genau mein Ding. Ein Freund aus der Klasse hat mir an diesem Tag echt sehr viel Halt gegeben. Ich habe ihm zum ersten Mal seit wir die Ausbildung zusammen machen mehr über mich erzählt. Noch lange nicht alles, aber immerhin ein bisschen. Nachdem er seit eineinhalb Jahren immer wieder fragt wie es mir geht und es sogar als ehrlich gemeinte Frage rüber bringt hat er sich mein Vertrauen wohl verdient. Mit einer anderen, inzwischen wohl auch Freundin im Kurs stehe ich auch in sehr gutem Austausch. Sie ist auch Borderlinerin und im Moment nicht ganz so stabil und wir können uns gut austauschen und helfen uns gegenseitig die schweren Themen zu bewältigen. Also habe ich schon 2 Leute im Kurs, die ich meine Freunde schimpfen kann, ich bin echt stolz auf mich. Am Freitag treffe ich mich sogar mit ein paar Leuten. Jaja ich weiß, Corona. Aber ganz ehrlich? Wenn der Staat findet, dass wir zusammen in einem Klassenzimmer sitzen dürfen dann dürfen wir auch nach der Schule ein Bier zusammen trinken. Ich habe mir vorgenommen es mit dem Alkohol nicht zu übertreiben und auf mich achtzugeben. Vor allem weil ich mich im Moment nicht ganz so gut fühle. Wie gesagt, die Themen in der Schule sind zwar super spannend und in gewisser Weise mag ich die Konfrontation damit. Aber es strengt mich halt eben auch an. In zwei Wochen haben wir dann noch ein dreitägiges Seminar zum Thema sterben, darauf bin ich auch super gespannt. Habe mit den zwei oben genannten Leuten aus meinem Kurs schon vereinbart, dass wir gegenseitig gut auf uns aufpassen werden. Zum Glück fällt das übernachten dort aufgrund von Corona flach. Jetzt müssen wir zwar jeden Tag des Seminars insgesamt 180km am Tag fahren, aber ich bin froh dann abends in meinem eigenen Bett schlafen zu können. Außerdem weiß ich noch zu gut, was auf meiner letzten Klassenfahrt los war. Die ist zwar auch schon 4 Jahre her, aber es steht noch deutlich auf meinem Arm. Über 20 Schnitte in 5 Tagen, und das obwohl es cool war. Ich bin sehr optimistisch, dass es dieses Mal auch cool wird, aber ist vielleicht nicht das schlechteste wenn Alkohol und fremde Umgebung wegfallen. Habe seit ein paar Wochen sowieso wieder ein starkes Selbstverletzungsbedürfnis. Ich gedenke nicht meinen Erfolg von 1,5 Jahren aufzugeben, aber es ist trotzdem jeden Tag schwer dagegen anzukämpfen und mir wieder und wieder in Gedächtnis zu rufen, dass ich das nie wieder machen will.
So, für weitere Updates melde ich mich die Tage nochmal, muss jetzt los um mich mit meinem Vater noch zu treffen. Bis hoffentlich bald ihr Lieben. Passt alle gut auf euch auf und bleibt gesund!
Donnerstag, 1. Oktober 2020
Ein schönen guten Morgen meine Lieben! Ich hoffe euch geht es gut! Ich habe heute Spätdienst und nutze den Morgen, um euch mal wieder auf den neusten Stand zu bringen. Ich fange mal mit meiner Ausbildung an. Nach dem Einsatz auf der Kinderstation hat der Unterricht tatsächlich wieder in der Schule stattgefunden. Ich habe mich so wahnsinnig gefreut jeden Tag meinen Kurs zu sehen, das hätte ich nie gedacht. Der Schulblock hätte von mir aus gerne noch länger gehen können. Umso schlimmer war es für mich, als dieser dann zu Ende war. Seit dem 23.09. bin ich wieder im AKH Viersen, auf einer chirurgisch internistischen Station. Vor dem Einsatz hat es mir sowieso noch gegraut, aber durch die positive Zeit mit meinem Kurs fiel es mir noch schwerer als ich dachte, wieder dorthin zu gehen. Ich war vor ca. einem Jahr schonmal in diesem Krankenhaus eingesetzt. Keine Ahnung ob ich das mal erwähnt habe. Auf jeden Fall war die Zeit dort schrecklich. Jetzt bin ich zwar auf einer anderen Station, kann schon einiges mehr als damals und bin auch in einem angenehmeren Team gelandet, aber trotzdem ist die Somatik einfach nichts für mich. Ich hasse diese Fließbandarbeit, dass sich keine Sau Zeit nimmt für die Patienten, sondern immer schnell schnell schnell. Und sobald dann alle gewaschen sind müssen die Examinierten Pfleger sich dann um den Papierkram machen und nur die Auszubildenden kümmern sich dann um die Patienten. Das ist doch bescheuert. Außerdem bin ich glaube ich einfach zu sensibel für den ruppigen Ton. Ich mag die familiäre Art des Teams in der Psychiatrie, wo Pfleger, Ärzte und Therapeuten enger Zusammenarbeiten als wären sie eben genau das. Ein Team. In der Somatik weiß der eine nicht, was der andere tut und im Zweifel werden immer die Pflegekräfte angeschissen. Der Einsatz dauert noch bis zum 03.11. dann habe ich wieder Schule. Da freue ich mich ganz besonders drauf, weil wir dann die Themen psychische Erkrankungen und sterben haben. Wenn Corona nicht dazwischen funkt fahren wir sogar für 3 Tage auf ein Sterbeseminar. Ich bin sehr gespannt auf den Block und wie gesagt, ich freue mich schon sehr. Bin nur jetzt schon traurig, weil der nur einen Monat lang ist. Danach muss ich wieder zurück auf die Station, auf der ich jetzt bin. 2 Wochen da arbeiten, dann habe ich 2 Wochen Urlaub und dann nochmal einen Monat dahin. Danach ist das AKH Viersen für mich aber auch abgeschlossen. Am 01.02.2021 werde ich frei davon sein. Klingt leider noch ganz schön lange. Aber zum Glück ja mit insgesamt 6-wöchiger Pause dazwischen.
Jetzt aber genug von der Arbeit. Kommen wir zu einem erfreulicheren Thema: meinem Urlaub. Ende August hatte ich ja 2 Wochen frei. Wie geplant haben wir anstatt einer größeren Reise ein parr kleinere Sachen gemacht. Alex und ich sind einen Tag in die Eifel gefahren, zum Laacher See und waren dort wandern. Es war wirklich schön! Dann sind wir noch für 2 Nächte nach Bad Kreuznach gefahren. Ein sehr schöner Kurort, direkt an der Nahe (das ist ein Fluss). Am ersten Tag sind wir dort direkt wandern gegangen, dort gab es einen Planetenlehrpfad am Flussufer entlang. Die Strecke war wunderschön! Insgesamt sind wir 12km gelaufen. Abends haben wir in der Nähe von unserem Hotel in einem Restaurant gegessen, "Das Brauwerk". Wie der Name schon sagt handelt es sich um eine Brauerei. Das Bier ist köstlich. Es hat mich an die Abschlussfahrt nach Prag erinnert, da waren wir auch mit ein paar Leuten in einer Brauerei.
Am zweiten Tag haben wir dann einen Ausflug nach Idar-Oberstein gemacht. Sind ins Edelsteinmuseum und in die Edelstein-Erlebniswelt gegangen. Ich war vor 15 Jahren oder so mal mit meinen Eltern in diesem Ort, weil ich schon immer eine Begeisterung für Edelsteine hatte und es war wie eine Zeitreise! Ich habe sogar das ein oder andere Geschäft wiedererkannt. Ursprünglich wollten wir uns dort ein Hotel suchen, aber dort war zum Zeitpunkt der Buchung nichts mehr verfügbar, also sind wir ins 60km entfernte Bad Kreuznach und was soll ich sagen? Diese Fügung des Schicksals war fantastisch. Ich liebe Idar-Oberstein, aber in Bad Kreuznach war es sehr viel idyllischer, was ich sehr genossen habe. Am Tag unserer Abreise sind wir noch bis zum frühen Nachmittag in Bad Kreuznach geblieben, sind noch etwas am Flussufer spazieren gegangen und durch die Fußgängerzone geschlendert. Es tat sehr gut, mal wieder weg zu sein von Zuhause. Ich bin immer froh, wenn unsere Familien uns nicht jederzeit erreichen können. Trotzdem war ich froh, wieder in meinem eigenen Bett schlafen zu können, weil ich in Hotels kaum schlafen kann. Die restliche Zeit des Urlaubs waren wir zuhause. Wir haben den Keller aufgeräumt (was ein 3 Tage Projekt war), ich bin sooft es ging zu den theoretischen Fahrstunden gegangen. Einmal muss ich noch zum Zusatzunterricht für den Motorradführerschein, dann kann ich zur theoretischen Prüfung. Leider findet dieser Zusatzunterricht nur einmal im Monat statt, ich habe also den Im September besucht und warte jetzt auf den im Oktober. Klar, so habe ich Zeit zum lernen, aber trotzdem blöd, weil ich dieses Jahr dann wohl nicht mehr mit Fahrstunden beginnen kann, da die bei unter 8°C nicht mehr stattfinden. Schade, eigentlich wollte ich jetzt mit dem Führerschein fertig sein. Aber Corona hat ja dieses Jahr alles durcheinander gebracht.
So, die nächsten Neuigkeiten sind, dass mein Freund endlich einen neuen Job gefunden hat! Pünktlich zu seinem 30. Geburtstag letzten Freitag hat er seine Kündigung geschrieben und fängt am 01.11. in einer neuen Firma an. Endlich keine Montagen mehr, keine ungeplanten Überstunden mehr (er darf nämlich selbst entscheiden, wann er welche macht) und dafür auch noch besseres Gehalt. Er bleibt dem Handwerk treu und ist dort als Schreiner in der Produktion von Türen eingestellt worden mit dem Ziel, nach der Einarbeitung die Sonderanfertigungen übernehmen zu können. Ich bin sehr stolz auf ihn, dass er diesen Schritt nun gemacht hat und hoffe, es gefällt ihm dort. Und ich hoffe, dass das etwas Ruhe in unsere Beziehung bringt, auch wenn mein Freund dann wieder arbeitet.
Jetzt muss ich mal überlegen, was es sonst noch so zu erzählen gibt? Heute sind die beiden Katzendamen Romy und Ruby genau ein Jahr bei uns. Der Kater Bambi hat sich sogar langsam an die beiden gewöhnt. Da die Vorbesitzerin uns ihren Geburtstag nicht genau sagen konnte, haben wir einfach gesagt wir nehmen den 1.10. dafür. Also werden sie heute 8 Jahre alt.
Meine Therapie läuft auch ganz gut, denke ich. Es haben sich viele neue Dinge aufgetan, die mich sehr aufgewühlt haben und auch wieder viel Arbeit erfordern, aber ich bleibe dran. Ich will es endlich richtig machen, um meine Freiheit zurückzubekommen. Oder überhaupt zum ersten Mal frei davon zu werden? Naja. Meine Therapeutin hat mir einiges an Material gegeben, mit dem ich auch zuhause arbeiten kann, weil es zum Teil manchmal 3 Wochen dauert, bis wir wieder einen Termin zusammen haben, da ich so inkonsistente Arbeitszeiten habe und sie eine Fernbeziehung pflegt, wo sie sooft es geht hinfährt. Aber wir kommen gut zurecht, ich könnte mir keine kompetentere Psychologin vorstellen. Die mein Vorhaben, nach der Ausbildung selber diesen Weg einzuschlagen, übrigens gut heißt, juhu. Ich hatte immer Angst, dass ich aufgrund meiner Vorgeschichte sowieso nicht als Psychologin oder Therapeutin zugelassen werde, aber wenn sie sagt, dass si die Idee gut findet das zu machen, kann es ja so wild nicht sein, dass ich mich selbst in der zweiten Behandlung befinde, oder?
So, jetzt habe ich aber erstmal genug geschrieben. Um auf meine Therapie einzugehen muss ich glaube ich mal einen separaten Post machen, nur darüber, sonst nimmt das ganze hier Überhand. Ich wünsche euch bis zu meinem nächsten Post eine gute Zeit, passt auf euch auf!
Samstag, 18. Juli 2020
Samstag, 2. Mai 2020
Fangen wir mal damit an, dass ich zwischen Weihnachten und Neujahr bei meinem Vater wieder ausgezogen bin und nun seit gut vier Monaten mit Alex zusammen lebe. Das hat sehr dazu beigetragen, dass sich unser Zeitmanagement verbessert hat, da wir uns automatisch häufiger gesehen haben, was für uns beide weniger Stress bedeutet. Den Einsatz in der Somatik habe ich irgendwie rum bekommen, es ist leider nicht mehr besser geworden. Umso mehr habe ich den Schulblock genossen, der darauf folgte. Danach war ich zwei Monate in der ambulanten Pflege bei der Caritas. Der Einsatz dort war nicht schlecht, ich bin eigentlich gerne zur Arbeit gegangen. Nur die Arbeitszeiten haben mich sehr erschöpft. Immer nur Frühdienst und das 12 Tage am Stück, keinen Ausgleich für Wochenenddienst, das fand ich schon hart. Aber das Team war super nett, ich bin gut zurecht gekommen und habe eine positive Bewertung bekommen. Da ich aber immer so kaputt war, wenn ich von der Arbeit kam, habe ich in diesen zwei Monaten nicht wirklich etwas auf die Reihe bekommen. Danach hatte ich zwei Wochen Urlaub, wovon ich 9 Tage auf Fuerteventura verbracht habe. Die ersten vier waren wirklich schön, Alex und ich waren in einem schönen Hotel, haben Spaziergänge am Strand gemacht, waren in der nächsten Stadt zum bummeln und sind in den noch recht kühlen Atlantik gegangen. Danach hat Corona zugeschlagen. Jaja ich weiß, dämlich überhaupt zu fliegen, aber der Urlaub war gebucht, zu dem Zeitpunkt als wir geflogen sind war in Spanien noch nichts großartiges bekannt und wir haben es einfach riskiert. Am vierten Tag wurde dann bekannt gegeben, dass ganz Spanien unter Ausgangssperre steht, also kein Strand mehr, kein Pool mehr, nicht mal mehr die Hotelbar war geöffnet. 5 Tage nur Hotelzimmer, das war schon deprimierend. Klar haben wir die Strecken zum Restaurant etwas ausgeweitet um uns etwas zu bewegen und natürlich sind wir öfter als nötig los, um uns etwas zu trinken zu holen und ja, immerhin gab es noch Alkohol, aber trotzdem hatten wir uns das anders vorgestellt. Trotzdem haben wir das beste daraus gemacht und immerhin die Zeit zu zweit genossen. Zurück in Deutschland habe ich es dann nach 5 Tagen voller Unproduktivität (ist das ein Wort?) geschafft, endlich mal meinen Hintern hoch zu kriegen und mal ein paar Baustellen abzuarbeiten, die schon ewig anstanden. Natürlich nachdem ich das Drama geklärt hatte, ob ich nach meinem Urlaub in Quarantäne muss oder arbeiten darf. Und nach einem Nervenzusammenbruch, weil ich eigentlich Schule gehabt hätte, die aber dank Corona geschlossen war und ich arbeiten sollte. Ich habe immer das Problem, dass ich es nur schaffe, was für mich zu machen, wenn ich Schule habe. Die Arbeit lauft mich einfach so aus, danach bin ich platt und kriege gar nichts mehr hin. Ich wollte aber endlich wieder was auf die Kette kriegen und hatte das Gefühl, dass mir diese Möglichkeit genommen wird, wenn ich arbeiten geschickt werde. Ich habe mir aber trotzdem in den Arsch getreten und viel geschafft bekommen, trotz Arbeit. Seit gut zwei Monaten mache ich wieder Sport, ich lese ab und zu mal wieder ein Buch, versuche endlich zu lernen, meine Anspannung einzuschätzen und Achtsamkeitsübungen zu machen (was leider nur sehr schleppend Fortschritte macht, da ich in diesem Fall auf der Arbeit nun wirklich keine Chance sehe den Plan umzusetzen), ich gehe wieder häufiger spazieren, bin inzwischen ein Jahr schnittfrei und versuche meine noch laufende Therapie gut zu nutzen.
Im Moment arbeite ich in einer psychiatrischen Tagesklinik, die Arbeit dort ist sehr interessant und ich kann auch einiges für mich mitnehmen. Es fiel mir schwer, mich in das Team zu integrieren, aber nach nun zwei Wochen habe ich langsam das Gefühl angekommen zu sein. Ende des Monats habe ich voraussichtlich wieder Schule, falls wir bis dahin nicht wieder in die Klassen dürfen, haben wir schon alles für den Heimunterricht eingerichtet. Es stresst mich, dass man sich terminlich auf nichts mehr einstellen kann, ich bin ein Mensch, der wenig spontan ist und immer Struktur braucht. Ich muss auch ehrlich zugeben, dass es mich ankotzt arbeiten zu gehen, während so viele andere Leute frei haben. Alle beschweren ich darüber, wie furchtbar es ist, wochenlang zuhause bleiben zu müssen. Ich wäre froh, wenn ich das dürfte. Mir fallen auf Anhieb genug Sachen ein, die anstünden, wenn ich vier Wochen frei hätte. Außerdem sind die Leute dadurch am Tag länger laut und an den Wochenenden früher auf und machen früher Lärm, was mich so richtig ankotzt, weil ich eben arbeiten muss und daher früh ins Bett gehe und am Wochenende froh wäre, wenn ich ausschlafen könnte. Aber nein, samstags morgens um acht Uhr ist ein toller Zeitpunkt um den Rasen zu mähen, zu saugen, oder ein Loch in die Wand zu bohren. Schönen Dank auch. Ergo: Ich bin seit Wochen echt müde, weil immer irgendwer laut ist, da keine Sau mehr die Wochenenden respektiert und ich in der Nachbarschaft wohl die einzige bin die es mal wieder nötig hätte auszuschlafen. Manchmal denke ich, dass ich mir selbst zu sehr in den Arsch getreten habe, trotz psychischer Erkrankung ein normales Leben führen zu wollen. Auf der einen Seite bin ich stolz darauf, dass ich trotzdem arbeiten gehe, eine Beziehung führe und sehe, was ich in den letzten Jahren für Fortschritte gemacht habe. Auf der anderen Seite glaube ich aber manchmal, dass meine Fortschritte besser wären, wenn ich mir wirklich mal die Auszeit genommen hätte, um mich intensiver mit Therapie und Handlungsstrategien und Achtsamkeitsübungen und sowas zu beschäftigen. Es fällt mir super schwer das alles gleichzeitig zu machen, ich habe oft das Gefühl, dass ich zwei Vollzeitlobs habe. Im Moment zum Beispiel muss ich arbeiten, dabei für die Schule eine Facharbeit schreiben, möchte aber gleichzeitig auf meine psychische Verfassung achten, was aber aufgrund meines Jobs quasi vor 16 Uhr überhaupt nicht möglich ist. Ja ich weiß, andere Leute gehen auch 8 Stunden täglich arbeiten und niemand kann auf der Arbeit großartig darauf achten, dass sich kein Stress anstaut. Aber dank meiner wundervollen BPS brauche ich eben unheimlich lange, um wieder runter zu kommen und muss eigentlich immer darauf achten, auf welchem Anspannungslevel ich mich befinde und ab einem gewissen Wert dann auch etwas dagegen machen, sonst explodiere ich, sobald ich den Arbeitsplatz verlasse. Ich finde es nicht gerade erfüllend, dass mein Leben an vielen Tagen daraus besteht arbeiten zu gehen, nach der Arbeit total unzurechnungsfähig zu sein und den restlichen Tag den Versuch zu unternehmen, meine Anspannung wieder runter zu bekommen. Ich schaffe es einfach nicht, eine Routine zu erlernen, weil ich auf der Arbeit einfach nicht die Möglichkeit habe alle ein bis zwei Stunden schön brav mein Achtsamkeitsbuch zu zücken, in mich zu horchen, mir Notizen zu machen und zu schauen, welchen Skill ich denn einsetzen könnte. Zumindest habe ich noch keinen Weg gefunden das zu tun. In der Schule schaffe ich das meistens ganz gut, da macht man sich ja sowieso ständig Notizen und es fällt niemandem auf, wenn ich dann mal schnell in mein Notizbuch schreibe. Und da habe ich ja auch viele Pausen, in denen ich mich im Notfall zurückziehen könnte um Skills einzusetzen. Aber auf der Arbeit habe ich ein paar Raucherpausen, die ich nie alleine verbringe und das wars. Ich kann ja schlecht eine Gruppensitzung verlassen, oder die Küche zu spät vorbereiten, oder die Dokumentation schleifen lassen, es steht immer etwas an was ich gerade machen muss, da habe ich keine Zeit und erst Recht keine Privatsphäre, um auf mich zu achten.
Das ist also im Moment mein größtes Projekt. Zu lernen, wie ich ein "normales" Leben führen kann und trotzdem an mir zu arbeiten, damit die Symptome nicht so ausgeprägt sind. Es macht keinen Spaß ständig einen Wutanfall wegen nichts zu bekommen, oder stundenlang zu heulen, ohne dass wirklich etwas passiert ist, oder darüber nachzudenken wie schön es wäre, sich endlich mal wieder die Haut aufzuschlitzen. Ich will das nicht mehr. Ich kann diesen Teil von mir nicht mehr ertragen, also muss ich endlich lernen, ihn lautlos zu bekommen. Ich lebe gerne und ich will noch so vieles erleben und meine Zeit auf Erden genießen können und nicht jede freie Minute zu verhindern, dass ich ausraste, oder damit mich zu ärgern, dass ich versagt habe, weil ich doch wieder Stunden mit einem Wutanfall verschwendet habe. Ich habe es so satt etwas zu reparieren, was andere kaputt gemacht haben, aber ich muss es trotzdem tun, damit ich endlich frei sein kann. Ich weiß mein Leben endlich zu schätzen, also will ich es jetzt auch endlich leben. Ich bin so weit gekommen, bin glaube ich auch richtig nahe dran, aber mir fehlt noch das letzte Werkzeug, doch das habe ich noch nicht gefunden. Ich hoffe, ich muss nicht mehr allzu lange suchen.
In diesem Sinne noch einen schönen Abend, Tag, Wochenende, wann auch immer das jemand liest. Es war schön mal wieder etwas zu schreiben und ich hoffe, dass ich diesmal keine 5 Monate brauche, um mal wieder von mir hören zu lassen. Machts gut meine Lieben!