Guten Abend meine Lieben. Hach, ich hatte heute einen entspannten Tag. Ich konnte ein paar Stunden schlafen, hab gefrühstückt, gelesen, dann geputzt und abends war ich noch mit meinem Vater essen. Dort hat mir ein Mädchen, das ich aus der Schule kenne gesagt, dass nebenan unsere Lehrer feiern. Ich dachte erst, die will mich verarschen, aber dann habe ich draußen das knall orange farbene Auto von einer Lehrerin erkannt. Wäre ja zu gerne mal gucken gegangen, wer schon wie betrunken ist :D Aber das hebe ich mir dann doch für die Abifeier auf.
Achja, auf dem Friedhof war ich heute auch nochmal. Bei meiner Mutter. Anschließend bin ich dort noch ein bisschen rumgelaufen und habe mir die Grabsteine angeguckt. Ich finde einerseits, dass Friedhöfe eine friedliche Aura haben. Andererseits finde ich es immer sehr traurig zu sehen, wie viele Menschen einfach viel zu jung gestorben sind. Da war eine Frau mit einem aufwendig geschmücktem Grab. 28. Ein Junge mit einem LKW auf dem Grabstein. 4 Jahre. Und dann war da noch das Grab vom kleinen Bruder einer früheren Klassenkameradin. 2 Monate. Das erscheint mir so sinnlos. Warum kommt ein Mensch auf die Welt, nur um sie nach 2 Monaten wieder zu verlassen?
Letzte Woche Mittwoch war ich auf einem anderen Friedhof. Ich habe das Grab meiner Oma gesucht (und auch gefunden), weil ich das schon lange mal machen wollte. Ich war seit Mama tot ist nicht mehr dort. Mama ist 4 Jahre tot. Wir waren immer nur zusammen bei Omas Grab. Oma ist fast 7 Jahre tot. Während ich das Grab gesucht habe, bin ich an sehr vielen anderen vorbei gekommen und habe mir alle Grabsteine durchgelesen. Wie gesagt, einerseits finde ich Friedhöfe schön friedlich, so seltsam das auch klingen mag, aber ich muss nach einer gewissen Zeit einfach immer mehr über alles nachdenken, und da macht mich dann traurig. Vor allem frage ich mich wirklich nach dem Sinn. Warum leben mache Menschen mehr als 100 Jahre und andere sterben so furchtbar jung. Ich finde, jeder der jünger als 60 ist, war eindeutig noch nicht dran. Manche mögen ja sagen, dass sie nichtmal so alt werden wollen, das sage ich jetzt auch manchmal, aber jeder sollte zumindest die Chance bekommen, seine Meinung zu ändern. Traurig finde ich auch zu sehen, dass manche Gräber, wo die Leute schon 20 Jahre oder so tot sind, total ungepflegt sind. Es sieht so aus, als würde keiner mehr dort hin gehen. Ich hoffe nicht, dass diese Menschen vergessen werden. Ich kann es mir nicht vorstellen. Wie kann man denn nicht mehr an einen geliebten Menschen denken? Ich persönlich braucht auch einen Ort, wo ich hingehen kann, wenn ich mich auf diese Personen konzentrieren will, da kommt mir der Friedhof grade recht. Es mag nicht alles so gehen, okay, aber es sind einfach so viele. Ich habe Angst vor dem Moment, in dem sich hier unten keiner mehr erinnert. Ich habe generell Angst vor dem, was nach dem Tod kommt. Ich tröste mich immer damit, dass ich dann alle wiedersehe, die ich so sehr vermisse, aber was ist, wenn das nicht so ist. Wenn man einfach aufhört zu existieren? Ich will meine Omas wiedersehen. Meinen Onkel. Meinen Opa. Meine Urgroßeltern. Meine Mutter.... Und es werden noch weitere Menschen folgen, die ich wiedersehen wollen werde. Ich habe Angst, dass nach dem Tod einfach alles vorbei ist. Aber ich bekomme immer mehr die Erkenntnis, dass die Wahrscheinlichkeit recht hoch ist, dass wir einfach aufhören zu existieren. Und ich bekomme schon wieder solche Angst. Vor allem. Vor dem Leben. Und vor dem Tod.
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