Mittwoch, 29. November 2017

Hallo Leute, dieses Mal lasse ich euch mal weniger als einen Monat warten :D. Momentan sind meine Tage ziemlich eintönig: Ich gehe morgens zur Uni, schreibe fleißig mit, gehe wieder nach hause, esse was, lege mich aufs Sofa, schaue The walking dead, wenn ich mich aufraffen kann lerne ich nebenbei etwas, gehe duschen, esse wieder was, lege mich weiter aufs Sofa, mache mich fertig fürs Bett und gehe schlafen. Und dann alles wieder von vorne. Heute war der erste Tag seit langem, an dem ich mal wieder was anderes gemacht habe. Nach der Uni bin ich mit Sven und einem anderen Freund zu einem Vortrag gegangen, der "Zweifel am Studium" hieß. Tja, es läuft bei keinem von uns so wirklich super...Wir waren vielleicht 15 Minuten da drinnen, dann haben wir beschlossen, dass der Vortrag scheiße ist und sind gegangen. Auf dem Weg zum Hauptbahnhof sind wir über den Weihnachtsmarkt gegangen und ich habe beschlossen, dass ich Bock auf Alkohol habe. Also habe ich Glühwein getrunken. Sven hatte vorher noch nie Glühwein getrunken, aber er mochte ihn nicht, also habe ich seinen Becher auch noch getrunken. Wir haben uns gut unterhalten, es war echt witzig, ich habe es echt sehr genossen. Es gibt in der Uni nicht wirklich viele Leute, mit denen ich Freizeit verbringen würde, aber Lukas ist echt okay. Umso trauriger, dass er die Uni verlassen will. Alle Leute die ich mag hören nach und nach mit dem Physikstudium auf, das ist echt traurig.
Naja, worauf ich eigentlich hinaus wollte: Ich wollte mich eigentlich richtig hart besaufen, aber Sven hat es mir verboten. Aber ich war leicht angetrunken, das war sehr angenehm. Ich würde gerne wieder jeden Tag trinken... Es war schön, das nicht jeden Tag fühlen zu müssen. Es war schön, keine Angst zu haben. Es war schön, dass nichts mehr eine Bedeutung hatte, dass mir alles scheißegal war. Aber damals hat niemand etwas dazu gesagt, es hat niemanden interessiert. Aber jetzt habe ich jemanden, den es interessiert. Sven würde das nicht zulassen. Und das ist auch gut so. Er weiß besser was gut für mich ist als ich. Ich würde momentan einfach nur gerne den ganzen Tag trinken und mir die Haut aufschlitzen. Ich will, dass jede Bewegung und jede Berührung meinen Arm in Flammen aufgehen lässt. Ich bin gerne "das Mädchen mit den aufgeschlitzen Armen", ich weiß nicht warum, ich bin's einfach. Das bin ich jetzt schon so lange, ich weiß gar nicht mehr, wer ich vorher war. 9 Jahre Selbstverletzung ist eine sehr lange Zeit. Vor allem, wenn man selbst erst 21 ist.
Am Samstag war ich bei Nicole am Grab. Es war sehr schön gemacht, viele Kerzen und Blumen und alles, es war schön gemacht. Ich war zum ersten Mal da und ich habe ihr alles gesagt, was ich zu sagen hatte. Wie wütend ich war, eine lange Zeit. Dass ich es jetzt akzeptiere, dass ich ihre Entscheidung niemals gutheißen kann, weil es eine egoistische Entscheidung ist und weil es immer bessere werden kann, vor allem, wenn man schon ganz unten ist. Aber ich akzeptiere es. Und ich hoffe, sie hat jetzt ihren Frieden gefunden. Und dann stand ich einfach an ihrem Grab und habe geheult. Es war das erste Mal, dass ich um sie geweint habe, ich konnte es vorher nicht. Ich war einfach zu wütend. Doch jetzt bin ich es nicht mehr. Sven hat gedacht, es würde mich nicht so sehr treffen, weil ich nie geweint habe, doch es hat mich getroffen, es hat mich sogar richtig aus der Bahn geworfen, so sehr, dass ich einen Monat nicht regelmäßig in der Uni war. Letzte Woche war ich zum ersten Mal wieder bei allen Veranstaltungen. Diese Woche war ich Montag nicht bei meiner Mathe Übung, aber das lag daran, dass ich krank war, Dienstag und heute war ich wieder da. Und das Bedürfnis nach Alkohol und Rasierklingen ist nicht erst seit heute wieder da, es kommt und geht und heute ist es eben besonders stark. Das hatte ich aber auch schon bevor Nicole gestorben ist.
Naja, ich werde mich jetzt wieder meiner Serie widmen und mir dazu etwas Pizza nehmen, ist doch ein guter Ersatz zu Klingen und Alkohol oder? Ich wünsche euch noch eine schöne Woche und ein angenehmes Wochenende, bis dann.

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