Montag, 23. April 2018

Hallo meine Lieben. Ich bin mal wieder spät dran mit bloggen, da ich am Wochenende nicht viel Zeit hatte. Ich war einen Nachmittag mit meinem Vater in Holland, abends haben wir gegrillt und Sonntag waren wir auch viel unterwegs, weil ein Freund von meinem Vater gerade nach mehreren Herzinfakten im künstlichen Koma liegt und wir uns mit seiner Frau getroffen haben, um sie etwas abzulenken, da sie ihn nur eine Stunde pro Tag auf der Intensivstation besuchen darf. Soweit ich informiert bin, wollten sie heute versuchen ihn wieder aufzuwecken, ich hab allerdings noch nichts Neues gehört. Und da ich heute auch lange in der Uni war, habe ich es einfach nicht früher geschafft, mich zu melden. Ich würde euch gerne erzählen, wie es mir so geht, aber meine Stimmung hat sich gefühlt schon 10 Mal geändert innerhalb der paar Minuten, die ich jetzt an diesem Post schreibe. Meine hauptsächlichen Stimmungen in den letzten Tagen sind entweder absolute Gleichgültigkeit oder tiefe Depression. Ich bevorzuge Ersteres. Es ist so schön einfach. Leute um mich herum streiten sich, ist mir egal. Ich laufe um den See und mein Körper schreit mich an, dass ich nicht mehr weiter kann. Mimimi, dein Knie fühlt sich instabil an. Mimimi, durch die Allergien und die Tatsache, dass du deine Tabletten nicht mehr nimmst, brennt deine Lunge bei jedem Atemzug, die Zigaretten machen es nicht besser. Mimimi, von dem Wetter ist dein Kreislauf total im Arsch. Ist mir doch alles egal. ICH entscheide, wann, wo und wie lange ich durch die Gegend laufen möchte, nicht mein Körper. Mein Vater fragt mich, welche Blumen wir auf Mamas Grab pflanzen wollen. Ein Schmerz beginnt sich in meinem Herzen auszubreiten. Ich schlucke ihn runter und erinnere mich daran, dass es mein Leben einfacher macht, wenn mir alles egal ist. Ich fühle mich dann vollkommen im Gleichgewicht mit mir selbst, mir kann nichts und niemand was anhaben. Ich wünschte, ich würde das dauerhaft aufrecht erhalten können, doch dann übernehmen die Emotionen plötzlich wieder meinen Körper. Ich finde mich weinend und in Embryostellung auf dem Sofa oder im Bett liegen, unfähig den sicheren Schutz aus Decken und Kissen zu verlassen. Bekomme in der Bahn eine Panikattacke, weil ich plötzlich in der Menge Menschen ertrinke. Ich bekomme keine Luft mehr, Tränen laufen meine Wange herunter, mein Magen verkrampft sich und ich würde am liebsten sofort aus der Bahn heraus springen, egal ob das meinen Tod bedeuten würde oder was auch immer. Ich hatte ewig keine Panikattacke mehr, ich weiß nicht, was passiert ist. Doch als ich erstmal auf der Bahn und dem überfüllten Bahnhof raus war habe ich mich langsam wieder unter Kontrolle bekommen. Die schadstoffverseuchte Stadtluft hat sich noch nie so frisch in meiner Lunge angefühlt. Also bin ich langsam Richtung Uni gelaufen, habe mir Musik angemacht, meine Schminke gerichtet und im Raum angekommen, meinen Tutor mit einem perfekten falschen Lächeln freundlich begrüßt. Obwohl ich immernoch das Gefühl hatte, dass ich jede Sekunde in Tausend Teilchen zerfallen würde, habe ich ihm lächelnd in die Augen gesehen und mich bedankt, als er mir anschließend meine Aufgabenzettel gegeben hat. Schließlich habe ich den Tag überstanden, zu hause habe ich geraucht, Pizza und Schokolade gegessen. Es ist furchtbar, wie mir selbst bewusst wird, wie instabil ich momentan bin und das, obwohl ich mich doch zeitweise so stark und unberührbar fühle. Natürlich habe ich es auch noch nicht geschafft, mich bei einem Therapeuten zu melden, ich wüsste nicht, wie ich das momentan auch noch bewerkstelligen sollte. Der einzige nette Nebeneffekt, den diese ganze Scheiße hat, ist, dass ich dadurch unglaublich einfach Gewicht verliere. Ich esse ganz normal, Süßigkeiten und Fastfoot, und nehme trotzdem immer weiter ab. Am Samstag hat mir meine Waage 53,4kg angezeigt, so wenig habe ich zuletzt vor vier Jahren gewogen, als ich noch verzweifelt gegen die Schmerzen in meinem Knie angekämpft habe. Unfassbar wie lange das schon her ist, ich fühle mich so alt. Wenn ich irgendwem erzähle, dass ich mittlerweile im 4. Semester studiere kommt selbst das mir unwirklich vor. Schließlich fühle ich mich immernoch absolut fehl am Platz in der Uni und generell in dieser großen Stadt. Momentan fühle ich mich sogar halbwegs wohl, wenn Sven und ich am Wochenende nach hause fahren, weil es vertraut ist. Es ist auf Dauer zwar anstrengend mich in einem kleinen Ort aufzuhalten, wo einen jeder kennt, doch ab und zu ist das eine schöne Abwechslung zur Stadt. Es ist einfacher. Natürlich genieße ich in Bonn meine Freiheit, aber im Grunde mache ich nichts anderes als im Bett zu liegen, wenn ich mit lernen und dem Haushalt fertig bin.
Es ist faszinierend, wie ich von einem Thema aufs nächste komme, wenn ich meinen Gedanken freien Lauf lasse. Aber irgendwie tat es auch mal ganz gut einfach das zu schreiben, was mir gerade in den Sinn kam. So, aber jetzt werde ich es mir noch etwas gemütlich machen, bevor ich schlafen gehe, bis zum nächsten Wochenende meine Lieben.

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