Sonntag, 6. Dezember 2015

Guten Abend zusammen. Ich melde mich schon wieder, jej. Also am Freitag der bunte Abend war ganz nett, wir haben unsere Stücke ganz gut gesungen und ein paar Auftritte dort waren echt recht gut. Danach war ich aber voll ko, denn das war der erste bunte Abend, bei dem ich nicht an der Türe stehen geblieben bin. Ich habe mich tatsächlich mit den anderen auf die Tribüne gesetzt. Nachts habe ich dann aber, nachdem ich auf Toilette war, eine Angstattacke bekommen. Keine Ahnung, erst hatte ich Angst, dass wenn ich eine Türe geöffnet oder geschlossen habe, jemand dahintersteht und mich angreift. Und als ich dann zurück ins Bett gegangen bin konnte ich kein Auge mehr zu machen, ich hatte richtig Angst. Irgendwann ist mein Freund aufgewacht und ich habe ihm gesagt, dass ich Angst habe. Er hat daraufhin die ganze Wohnung überprüft, wir haben uns ins Wohnzimmer vor den Fernseher gesetzt, mit der Katze gekuschelt und warme Milch mit Honig getrunken. Dabei habe ich mich dann Dank ihm wieder beruhigt und um halb 5 sind wir wieder schlafen gegangen.

Heute habe ich dann fast nichts gemacht. Ich muss unbedingt noch was für die Schule machen…hatte ich eigentlich auch vor. Mein Freund hat sich mittags an den Pc gesetzt und ich wollte die Zeit nutzen um zu waschen und Hausaufgaben machen, aber da ich richtig im Sack war, wollte ich mich noch 5 Minuten ausruhen und dann anfangen. Als ich wieder aufgewacht bin hatten wir schon 16 Uhr. Danach habe ich dann auch nur noch die Wäsche und den Abwasch gemacht, habe meinen Vater zu seiner Sauftour gefahren, war einkaufen, habe gekocht, gegessen, geduscht und danach hatte ich auch keinen Bock mehr noch was zu machen. Boa und über meinen Vater muss ich die ganze Zeit nachdenken. Irgendwie tut es mir Leid, dass er ziemlich einsam ist, seid mein Freund bei mir eingezogen ist. Keine Ahnung, wir reden nicht weniger als davor auch, aber früher haben wir ab und zu einen Film zusammen gesehen, waren bei meiner Großtante oder auf Kaninchenausstellungen und haben zusammen gefrühstückt. Das meiste davon habe ich echt nicht gerne gemacht und bin froh, dass ich das jetzt nicht mehr machen muss, aber mein Vater tut mir trotzdem Leid. Abends sitzt er einfach alleine rum und trinkt ein Bier nach dem anderen. Okay, der einzige Unterschied ist, dass ich früher währenddessen auch im Wohnzimmer saß und ferngesehen habe, aber ich glaube das hat es für ihn besser gemacht. Außer auf der Arbeit und durch die Kaninchen hat er gar keine sozialen Kontakte. Vor nem Jahr oder zwei hat er ja mal aktiver versucht, eine Frau kennenzulernen. Er hat mit mehreren geschrieben und sich mit einer getroffen. In die hat er sich nur dummerweise verliebt, sie hat erst Interesse gezeigt, ihn dann aber doch wieder fallen lassen, danach hat er den Kontakt zu allen anderen auch immer mehr einschlafen lassen. Eine neue Frau in seinem Leben würde ihm glaube ich gut tun. Ich weiß, dass ich zu der Zeit gar nicht begeistert von einer neuen Frau war, aber mittlerweile sehe ich das anders. Vielleicht auch nur, weil ich nicht mehr viel mit ihr zu tun hätte. Es hat ihm nach Mamas Tod bestimmt sehr viel abverlangt zu versuchen, sich auf etwas neues einzulassen und dann passiert direkt so was, das finde ich schon richtig schade. Ich meine, ich bin jetzt knapp 10 Monate mit meinem Freund zusammen und ich will den Rest meines Lebens mit ihm verbringen. Wenn er sterben würde, hätte ich gar kein Interesse jemand anderen kennen zu lernen. Was ich mir immer vorstelle ist, dass wenn es ein Leben nach dem Tod gibt, woran ich fest glaube, dass es dann schrecklich ist wenn ein Partner stirbt und in den Himmel kommt und auf den anderen wartet und dieser dann kommt, aber einen anderen Partner hat…Ich weiß nicht, das habe ich mich schon gefragt seit ich ein kleines Kind war. Ich meine, wenn ich früh sterben würde, würde ich auch nicht wollen, dass mein Freund alleine bleibt, aber trotzdem fände ich es komisch, wenn man dann im Himmel so ein Dreieck hätte. Das klingt jetzt lustiger als es sein soll, eigentlich frage ich mich solche Sachen ernsthaft und das schon seit sehr vielen Jahren. Naja aber ich bin vom Thema abgekommen, eigentlich war ich bei meinem Vater. In letzter Zeit lese ich manchmal alte Blogeinträge von mir, die ältesten sind jetzt schon 3,5 Jahre alt. Zu dieser Zeit habe ich noch häufig geschrieben, dass ich ein gutes Verhältnis zu meinem Vater hätte, dass ich ihn liebe und ihm vertraue. Ich zweifel nicht daran, dass ich ihn auch jetzt noch liebe, schließlich ist er trotz allem noch mein Vater, aber ich glaube, ein wirklich gutes Verhältnis hatten wir nie. Ich habe mir damals eingeredet, dass es so ist, weil ich es mir wohl gewünscht habe, aber im Grunde hatten wir kein gutes Verhältnis zueinander. Ich wollte noch ni mit zu Kaninchenausstellungen, fand es schon immer scheiße bei meiner Großtante, beim Frühstück gab es selten mehr als Schweigen und wenn e mich nicht gerade besoffen was gefragt hat, habe ich ihm auch nichts anvertraut. Das war alles Unfug, so zu denken, ich habe mir selbst etwas vorgemacht. Das einzige was anders war, war dass wir ein bisschen mehr miteinander kommuniziert haben und vielleicht 2 mal im Jahr was zusammen unternommen haben. Er hat sich nach Mamas Tod Mühe gegeben, sich um mich zu kümmern und das weiß ich auch zu schätzen, aber ich denke, dass ich auch damals schon irgendwo tief in mir wusste, was passiert ist und sich deshalb auch keine Bindung aufgebaut hat, so wie ich sie mir gewünscht habe. Manchmal wünsche ich mir diese Illusion zurück, dass ich ein gutes Verhältnis zu meinem Vater habe, einfach, weil ich gerne wieder so was wie eine Familie hätte, aber naja, so wird es nie wieder sein und damit muss ich leben. Es ist wohl besser so, im Grunde will ich andererseits nämlich auch keine großartige Beziehung mehr zu meinem Vater, denn selbst wenn ich ihm verzeihen könnte, was er damals getan hat, vergessen kann ich es nicht. Nicht mehr.

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