Guten Abend zusammen. Ich melde mich schon wieder, jej. Also
am Freitag der bunte Abend war ganz nett, wir haben unsere Stücke ganz gut
gesungen und ein paar Auftritte dort waren echt recht gut. Danach war ich aber
voll ko, denn das war der erste bunte Abend, bei dem ich nicht an der Türe
stehen geblieben bin. Ich habe mich tatsächlich mit den anderen auf die Tribüne
gesetzt. Nachts habe ich dann aber, nachdem ich auf Toilette war, eine
Angstattacke bekommen. Keine Ahnung, erst hatte ich Angst, dass wenn ich eine
Türe geöffnet oder geschlossen habe, jemand dahintersteht und mich angreift. Und
als ich dann zurück ins Bett gegangen bin konnte ich kein Auge mehr zu machen,
ich hatte richtig Angst. Irgendwann ist mein Freund aufgewacht und ich habe ihm
gesagt, dass ich Angst habe. Er hat daraufhin die ganze Wohnung überprüft, wir
haben uns ins Wohnzimmer vor den Fernseher gesetzt, mit der Katze gekuschelt
und warme Milch mit Honig getrunken. Dabei habe ich mich dann Dank ihm wieder beruhigt
und um halb 5 sind wir wieder schlafen gegangen.
Heute habe ich dann fast nichts gemacht. Ich muss unbedingt
noch was für die Schule machen…hatte ich eigentlich auch vor. Mein Freund hat
sich mittags an den Pc gesetzt und ich wollte die Zeit nutzen um zu waschen und
Hausaufgaben machen, aber da ich richtig im Sack war, wollte ich mich noch 5
Minuten ausruhen und dann anfangen. Als ich wieder aufgewacht bin hatten wir
schon 16 Uhr. Danach habe ich dann auch nur noch die Wäsche und den Abwasch
gemacht, habe meinen Vater zu seiner Sauftour gefahren, war einkaufen, habe
gekocht, gegessen, geduscht und danach hatte ich auch keinen Bock mehr noch was
zu machen. Boa und über meinen Vater muss ich die ganze Zeit nachdenken. Irgendwie
tut es mir Leid, dass er ziemlich einsam ist, seid mein Freund bei mir
eingezogen ist. Keine Ahnung, wir reden nicht weniger als davor auch, aber
früher haben wir ab und zu einen Film zusammen gesehen, waren bei meiner
Großtante oder auf Kaninchenausstellungen und haben zusammen gefrühstückt. Das
meiste davon habe ich echt nicht gerne gemacht und bin froh, dass ich das jetzt
nicht mehr machen muss, aber mein Vater tut mir trotzdem Leid. Abends sitzt er
einfach alleine rum und trinkt ein Bier nach dem anderen. Okay, der einzige
Unterschied ist, dass ich früher währenddessen auch im Wohnzimmer saß und
ferngesehen habe, aber ich glaube das hat es für ihn besser gemacht. Außer auf
der Arbeit und durch die Kaninchen hat er gar keine sozialen Kontakte. Vor nem
Jahr oder zwei hat er ja mal aktiver versucht, eine Frau kennenzulernen. Er hat
mit mehreren geschrieben und sich mit einer getroffen. In die hat er sich nur
dummerweise verliebt, sie hat erst Interesse gezeigt, ihn dann aber doch wieder
fallen lassen, danach hat er den Kontakt zu allen anderen auch immer mehr
einschlafen lassen. Eine neue Frau in seinem Leben würde ihm glaube ich gut
tun. Ich weiß, dass ich zu der Zeit gar nicht begeistert von einer neuen Frau
war, aber mittlerweile sehe ich das anders. Vielleicht auch nur, weil ich nicht
mehr viel mit ihr zu tun hätte. Es hat ihm nach Mamas Tod bestimmt sehr viel
abverlangt zu versuchen, sich auf etwas neues einzulassen und dann passiert
direkt so was, das finde ich schon richtig schade. Ich meine, ich bin jetzt
knapp 10 Monate mit meinem Freund zusammen und ich will den Rest meines Lebens
mit ihm verbringen. Wenn er sterben würde, hätte ich gar kein Interesse jemand
anderen kennen zu lernen. Was ich mir immer vorstelle ist, dass wenn es ein
Leben nach dem Tod gibt, woran ich fest glaube, dass es dann schrecklich ist
wenn ein Partner stirbt und in den Himmel kommt und auf den anderen wartet und
dieser dann kommt, aber einen anderen Partner hat…Ich weiß nicht, das habe ich
mich schon gefragt seit ich ein kleines Kind war. Ich meine, wenn ich früh
sterben würde, würde ich auch nicht wollen, dass mein Freund alleine bleibt,
aber trotzdem fände ich es komisch, wenn man dann im Himmel so ein Dreieck
hätte. Das klingt jetzt lustiger als es sein soll, eigentlich frage ich mich
solche Sachen ernsthaft und das schon seit sehr vielen Jahren. Naja aber ich
bin vom Thema abgekommen, eigentlich war ich bei meinem Vater. In letzter Zeit
lese ich manchmal alte Blogeinträge von mir, die ältesten sind jetzt schon 3,5
Jahre alt. Zu dieser Zeit habe ich noch häufig geschrieben, dass ich ein gutes
Verhältnis zu meinem Vater hätte, dass ich ihn liebe und ihm vertraue. Ich
zweifel nicht daran, dass ich ihn auch jetzt noch liebe, schließlich ist er
trotz allem noch mein Vater, aber ich glaube, ein wirklich gutes Verhältnis
hatten wir nie. Ich habe mir damals eingeredet, dass es so ist, weil ich es mir
wohl gewünscht habe, aber im Grunde hatten wir kein gutes Verhältnis
zueinander. Ich wollte noch ni mit zu Kaninchenausstellungen, fand es schon
immer scheiße bei meiner Großtante, beim Frühstück gab es selten mehr als
Schweigen und wenn e mich nicht gerade besoffen was gefragt hat, habe ich ihm
auch nichts anvertraut. Das war alles Unfug, so zu denken, ich habe mir selbst
etwas vorgemacht. Das einzige was anders war, war dass wir ein bisschen mehr
miteinander kommuniziert haben und vielleicht 2 mal im Jahr was zusammen
unternommen haben. Er hat sich nach Mamas Tod Mühe gegeben, sich um mich zu
kümmern und das weiß ich auch zu schätzen, aber ich denke, dass ich auch damals
schon irgendwo tief in mir wusste, was passiert ist und sich deshalb auch keine
Bindung aufgebaut hat, so wie ich sie mir gewünscht habe. Manchmal wünsche ich
mir diese Illusion zurück, dass ich ein gutes Verhältnis zu meinem Vater habe,
einfach, weil ich gerne wieder so was wie eine Familie hätte, aber naja, so
wird es nie wieder sein und damit muss ich leben. Es ist wohl besser so, im
Grunde will ich andererseits nämlich auch keine großartige Beziehung mehr zu
meinem Vater, denn selbst wenn ich ihm verzeihen könnte, was er damals getan
hat, vergessen kann ich es nicht. Nicht mehr.
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