Mittwoch, 23. Dezember 2015

Guten Abend zusammen. Also ähm ja, Freitag Abend war ich gut bekifft. Ich war so froh, dass ich endlich alle Klausuren hinter mir hatte und wollte nochmal genießen, dass mein Vater nicht da war. Samstag musste ich dann auf dem Weihnachtsmarkt helfen, das hat eigentlich sogar Spaß gemacht. Die Geburtstagsfeier abends war scheiße aber darüber waren sich immerhin alle einig. Sonntag hatte ich dann Konzert. Es war richtig toll, dass endlich mal wieder jemand da war, um mich zu sehen. Ich hab mich riesig gefreut und zum Glück hat es der Mutter von meinem Freund auch gut gefallen. Sonntag Abend ist dann mein Vater zurück gekommen, hat uns aber in Ruhe gelassen. Montag hatte ich dann noch bis halb 12 Schule und dann waren Ferien. Der Tag gestern war allerdings furchtbar. Nicht so schlimm wie heute, aber immer noch furchtbar. Erst musste ich feststellen, dass ich innerhalb von einer Woche wieder 1,5kg zugenommen habe. Geil. Dann habe ich mich seit 3 Wochen wieder geschnitten, war damit aber nicht zufrieden, weil ich keine tiefe Wunde mehr hinbekomme und mir langsam der Platz zum schneiden ausgeht. Dann wollten mein Freund und ich Eierlikör mit seiner Mutter machen, als Weihnachtsgeschenk für meinen Vater. Wir mussten aber erst noch mit zu der besten Freundin von der Mutter. Zunächst wurde mir ein Vortrag darüber gehalten, dass ich aufhören soll Weihnachten zu hassen, nur weil meine Mutter nicht mehr da ist und dass sie sich wünschen würde, ich würde ganz normal Weihnachten weiterfeiern. Schade, dass ich seit 10 Jahren mehr kein „normales“ Weihnachten mehr gefeiert habe, falls ich es denn je getan habe. Das war die erste Situation, in der ich am liebsten einfach gegangen wäre. Die zweite war, als man mal wieder auf das Thema „Kinder“ zu sprechen kam. Die dritte zog sich dann bis wir wirklich gegangen sind. Das Kind von der Frau wo wir waren (4 Jahre alt) ist gekommen und hat mit meinem Freund rumgeturnt. Ich war bedacht darauf nicht mit dem Ding in Kontakt zu kommen, weil es krank war und ich Angst vor Keimen habe. Dann hat das Kind einer anderen Frau die da war (erst ein paar Monate alt), angefangen zu schreien. Es hat bestimmt 20 Minuten lang nicht mehr damit aufgehört und wurde immer penetranter. Die Mutter meinte, es ist müde und hat Probleme mit dem Schlafen. Ja, die hätte ich auch, wenn ich so schreien würde während ich einschlafen wollte. Ich saß einfach auf meinem Stuhl, die beiden Kinder haben die ganze Zeit geschrien und ich wollte nur noch weg weg weg weg weg! Damit man mir aber anschließend nicht wieder einen Vortrag über mein Verhalten hielt, bin ich einfach sitzen geblieben und habe mir die Fingernägel ins Fleisch gerammt, bis es vorbei war. Zwischendurch fragt mein Freund auch noch was los ist, aber als ich irgendwann meine, dass das Kind laut ist, guckt er mich nur böse an und sagt „passiert“ oder so was. Ich fühle mich von den Leuten im Raum und von den schreienden Kindern einfach nur unter Druck gesetzt, weil sie wollen, dass ich auch Kinder bekomme, obwohl ich keins will. Seit die Mutter von meinem Freund mir zum ersten Mal gesagt hat, dass ich mindestens ein Kind bekommen soll, wenn ich mit ihrem Sohn zusammenbleiben will, hasse ich Kinder noch mehr. Ich habe nicht das Bedürfnis ihnen weh zu tun, ich will nur nicht im gleichen Raum mit ihnen sein. Oder in derselben Wohnung. Und wenn sie dann auch noch laut sind, will ich nur noch weg. Ich hätte mich schon nicht wohl gefühlt, wenn die Kinder nicht da gewesen wären, weil einige Leute im Raum waren, von denen ich die meisten noch nicht lange genug kenne, aber die schreienden Dinger haben die Zeit unerträglich gemacht.
Als wir dann endlich den Eierlikör gemacht haben, kam bei der Mutter von meinem Freund jemand zu Besucht der, na Gott sei Dank, auch ein Kind dabei hatte. Ich hätte kotzen können. In den Augen meines Freundes habe ich anscheinend alles falsch gemacht seit ich mich über dieses beschissene Kind beschwert habe (wodurch mein Hass auf Kinder wieder gewachsen ist) und abends wurde ich von meinem Vater angebrüllt. Seit er wieder da ist, stehe ich eh die ganze Zeit unter Strom. Ich komme nicht zur Ruhe, habe die ganze Zeit Angst, dass er plötzlich wieder reinkommt und mich fertig macht, schlafen kann ich auch kaum noch und ich hab einfach nur Angst und will hier weg.
Der Tag heute war auch nicht besser. Erster Ferientag. Wir haben ne Menge Scheiß zu erledigen. Erst haben wir aber was geguckt und mein Freund wollte noch ne Runde Lol spielen. Dann haben wir gefrühstückt und dabei ferngesehen. Mein Freund fand es witzig dass ein Kerl seine Mutter umbringen wollte. Ich fand es widerlich und wollte ihn nicht liebhaben. Er ist aufgestanden und hat nicht mehr mit mir gesprochen. Als er ins Zimmer gegangen ist, bin ich auf dem Sofa sitzen geblieben und habe nachgedacht. Seine Mutter sagt mir ständig, dass ich ihn zu sehr einschränke. Weil ich nicht will dass er raucht. Weil ich es doof finde, wenn er länger zockt. Weil ich nicht will, dass er zu viel kifft und all solche Sachen. Sie hat recht, ich nörgel ständig nur rum. Jetzt stelle ich mich an, weil er vor einem Mädchen, dass ihre Mutter zu früh verloren hat, Witze über Kerle macht, die ihre Mutter am liebsten umbringen würden. Ich stehe generell allem im Weg was in seinem und dem Leben seiner Mutter so vorgeht und vorgehen soll. Also gehe ich ins Bad, versuche die Türe abzuschließen, was nicht klappt, packe Desinfektionsmittel und einen Rasierer aus…und mein Freund kommt rein, schmeißt den Rasierer in den Schrank zurück und nimmt mich mit in unsere Zimmer. Ich kauere mich im Bett zusammen, er will sein Spiel noch weiter spielen. Ich fange an zu weinen. Er merkt es und legt sich zu mir. Er fragt, was los ist. Ich will es ihm nicht sagen.  Wie will man seinem Freund auch sagen, dass man eigentlich gerade beschlossen hatte, aus seinem Leben zu treten? Ich konnte es ihm nicht sagen. Ich hätte sagen können, dass ich doch eh die ganze Zeit alles falsch mache und ihm nicht das Leben versauen möchte, weshalb ich mir selbst das Leben nehmen wollte. Aber ich konnte es nicht.
Als ich mich beruhigt hatte, haben wir uns fertig gemacht und Scheiß erledigt. Wir mussten Wasser zum Stall bringen und den Kaninchen was zu Trinken in ihre Flaschen gießen. Dann habe ich meinen Freund zum Friseur gefahren. Seine Haare sind meiner Meinung nach viel zu kurz. Seine Mutter wollte, dass er sich die Haare schneiden lässt und seinen Bart über Weihnachten abrasiert. Ich habe mal wieder festgestellt, dass jeder Gefallen, den er ihr tun kann irgendwie auf meine Kosten geht. Ich stehe den beiden nur im Weg. Ich sollte mich echt verpissen. Dann sind wir zu meinem Friseur, der hat aber seine arbeit nicht richtig gemacht. Ich war wieder total deprimiert und hatte das Gefühl, ich würde in den Augen meines Freundes wieder alles falsch machen. Weil ich mich einerseits über meinen Friseur aufregte, andererseits aber auch nicht zu einem anderen wollte. Was fällt mir denn auch ein Angst vor Menschen zu haben, was einen Friseurtermin jedes Mal zu einem Kampf macht? Es ist außerdem scheiße von mir, Kinder scheiße zu finden. Nicht zu wollen, dass er seinen Bart abrasiert. Mich über meine kaputte Jacke zu beschweren. Mich wegen meinem Gewicht aufzuregen. Anscheinend ist es richtig mies von mir, wegen irgendwas scheiße drauf zu sein, denn dann werde ich prinzipiell dumm von der Seite angekackt. Ich hätte heute Mittag nicht so lange denken sollen, dann hätten wir uns das Theater sparen können. Ich fange wieder an zu heulen. Er entschuldigt sich. Ich lasse mich doch zum Friseur bringen. Anschließend holen wir Döner und gucken einen Film. Jetzt bin ich müde und hoffe einfach nur noch, dass morgen ein besserer Tag wird. Vielleicht bereue ich es dann nicht ständig damals nicht genug Mut gehabt zu haben. Ich hoffe es.


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