Guten Abend zusammen. Also ähm ja, Freitag Abend war ich gut
bekifft. Ich war so froh, dass ich endlich alle Klausuren hinter mir hatte und
wollte nochmal genießen, dass mein Vater nicht da war. Samstag musste ich dann
auf dem Weihnachtsmarkt helfen, das hat eigentlich sogar Spaß gemacht. Die
Geburtstagsfeier abends war scheiße aber darüber waren sich immerhin alle
einig. Sonntag hatte ich dann Konzert. Es war richtig toll, dass endlich mal
wieder jemand da war, um mich zu sehen. Ich hab mich riesig gefreut und zum
Glück hat es der Mutter von meinem Freund auch gut gefallen. Sonntag Abend ist
dann mein Vater zurück gekommen, hat uns aber in Ruhe gelassen. Montag hatte
ich dann noch bis halb 12 Schule und dann waren Ferien. Der Tag gestern war
allerdings furchtbar. Nicht so schlimm wie heute, aber immer noch furchtbar. Erst
musste ich feststellen, dass ich innerhalb von einer Woche wieder 1,5kg
zugenommen habe. Geil. Dann habe ich mich seit 3 Wochen wieder geschnitten, war
damit aber nicht zufrieden, weil ich keine tiefe Wunde mehr hinbekomme und mir
langsam der Platz zum schneiden ausgeht. Dann wollten mein Freund und ich
Eierlikör mit seiner Mutter machen, als Weihnachtsgeschenk für meinen Vater. Wir
mussten aber erst noch mit zu der besten Freundin von der Mutter. Zunächst
wurde mir ein Vortrag darüber gehalten, dass ich aufhören soll Weihnachten zu
hassen, nur weil meine Mutter nicht mehr da ist und dass sie sich wünschen
würde, ich würde ganz normal Weihnachten weiterfeiern. Schade, dass ich seit 10
Jahren mehr kein „normales“ Weihnachten mehr gefeiert habe, falls ich es denn
je getan habe. Das war die erste Situation, in der ich am liebsten einfach
gegangen wäre. Die zweite war, als man mal wieder auf das Thema „Kinder“ zu
sprechen kam. Die dritte zog sich dann bis wir wirklich gegangen sind. Das Kind
von der Frau wo wir waren (4 Jahre alt) ist gekommen und hat mit meinem Freund
rumgeturnt. Ich war bedacht darauf nicht mit dem Ding in Kontakt zu kommen,
weil es krank war und ich Angst vor Keimen habe. Dann hat das Kind einer
anderen Frau die da war (erst ein paar Monate alt), angefangen zu schreien. Es
hat bestimmt 20 Minuten lang nicht mehr damit aufgehört und wurde immer
penetranter. Die Mutter meinte, es ist müde und hat Probleme mit dem Schlafen. Ja,
die hätte ich auch, wenn ich so schreien würde während ich einschlafen wollte. Ich
saß einfach auf meinem Stuhl, die beiden Kinder haben die ganze Zeit geschrien
und ich wollte nur noch weg weg weg weg weg! Damit man mir aber anschließend
nicht wieder einen Vortrag über mein Verhalten hielt, bin ich einfach sitzen
geblieben und habe mir die Fingernägel ins Fleisch gerammt, bis es vorbei war. Zwischendurch
fragt mein Freund auch noch was los ist, aber als ich irgendwann meine, dass
das Kind laut ist, guckt er mich nur böse an und sagt „passiert“ oder so was. Ich
fühle mich von den Leuten im Raum und von den schreienden Kindern einfach nur
unter Druck gesetzt, weil sie wollen, dass ich auch Kinder bekomme, obwohl ich
keins will. Seit die Mutter von meinem Freund mir zum ersten Mal gesagt hat,
dass ich mindestens ein Kind bekommen soll, wenn ich mit ihrem Sohn
zusammenbleiben will, hasse ich Kinder noch mehr. Ich habe nicht das Bedürfnis
ihnen weh zu tun, ich will nur nicht im gleichen Raum mit ihnen sein. Oder in
derselben Wohnung. Und wenn sie dann auch noch laut sind, will ich nur noch
weg. Ich hätte mich schon nicht wohl gefühlt, wenn die Kinder nicht da gewesen
wären, weil einige Leute im Raum waren, von denen ich die meisten noch nicht lange
genug kenne, aber die schreienden Dinger haben die Zeit unerträglich gemacht.
Als wir dann endlich den Eierlikör gemacht haben, kam bei
der Mutter von meinem Freund jemand zu Besucht der, na Gott sei Dank, auch ein
Kind dabei hatte. Ich hätte kotzen können. In den Augen meines Freundes habe
ich anscheinend alles falsch gemacht seit ich mich über dieses beschissene Kind
beschwert habe (wodurch mein Hass auf Kinder wieder gewachsen ist) und abends
wurde ich von meinem Vater angebrüllt. Seit er wieder da ist, stehe ich eh die
ganze Zeit unter Strom. Ich komme nicht zur Ruhe, habe die ganze Zeit Angst,
dass er plötzlich wieder reinkommt und mich fertig macht, schlafen kann ich
auch kaum noch und ich hab einfach nur Angst und will hier weg.
Der Tag heute war auch nicht besser. Erster Ferientag. Wir
haben ne Menge Scheiß zu erledigen. Erst haben wir aber was geguckt und mein
Freund wollte noch ne Runde Lol spielen. Dann haben wir gefrühstückt und dabei
ferngesehen. Mein Freund fand es witzig dass ein Kerl seine Mutter umbringen
wollte. Ich fand es widerlich und wollte ihn nicht liebhaben. Er ist
aufgestanden und hat nicht mehr mit mir gesprochen. Als er ins Zimmer gegangen
ist, bin ich auf dem Sofa sitzen geblieben und habe nachgedacht. Seine Mutter
sagt mir ständig, dass ich ihn zu sehr einschränke. Weil ich nicht will dass er
raucht. Weil ich es doof finde, wenn er länger zockt. Weil ich nicht will, dass
er zu viel kifft und all solche Sachen. Sie hat recht, ich nörgel ständig nur
rum. Jetzt stelle ich mich an, weil er vor einem Mädchen, dass ihre Mutter zu
früh verloren hat, Witze über Kerle macht, die ihre Mutter am liebsten
umbringen würden. Ich stehe generell allem im Weg was in seinem und dem Leben
seiner Mutter so vorgeht und vorgehen soll. Also gehe ich ins Bad, versuche die
Türe abzuschließen, was nicht klappt, packe Desinfektionsmittel und einen
Rasierer aus…und mein Freund kommt rein, schmeißt den Rasierer in den Schrank
zurück und nimmt mich mit in unsere Zimmer. Ich kauere mich im Bett zusammen,
er will sein Spiel noch weiter spielen. Ich fange an zu weinen. Er merkt es und
legt sich zu mir. Er fragt, was los ist. Ich will es ihm nicht sagen. Wie will man seinem Freund auch sagen, dass
man eigentlich gerade beschlossen hatte, aus seinem Leben zu treten? Ich konnte
es ihm nicht sagen. Ich hätte sagen können, dass ich doch eh die ganze Zeit
alles falsch mache und ihm nicht das Leben versauen möchte, weshalb ich mir
selbst das Leben nehmen wollte. Aber ich konnte es nicht.
Als ich mich beruhigt hatte, haben wir uns fertig gemacht
und Scheiß erledigt. Wir mussten Wasser zum Stall bringen und den Kaninchen was
zu Trinken in ihre Flaschen gießen. Dann habe ich meinen Freund zum Friseur
gefahren. Seine Haare sind meiner Meinung nach viel zu kurz. Seine Mutter
wollte, dass er sich die Haare schneiden lässt und seinen Bart über Weihnachten
abrasiert. Ich habe mal wieder festgestellt, dass jeder Gefallen, den er ihr
tun kann irgendwie auf meine Kosten geht. Ich stehe den beiden nur im Weg. Ich sollte
mich echt verpissen. Dann sind wir zu meinem Friseur, der hat aber seine arbeit
nicht richtig gemacht. Ich war wieder total deprimiert und hatte das Gefühl,
ich würde in den Augen meines Freundes wieder alles falsch machen. Weil ich
mich einerseits über meinen Friseur aufregte, andererseits aber auch nicht zu
einem anderen wollte. Was fällt mir denn auch ein Angst vor Menschen zu haben,
was einen Friseurtermin jedes Mal zu einem Kampf macht? Es ist außerdem scheiße
von mir, Kinder scheiße zu finden. Nicht zu wollen, dass er seinen Bart
abrasiert. Mich über meine kaputte Jacke zu beschweren. Mich wegen meinem
Gewicht aufzuregen. Anscheinend ist es richtig mies von mir, wegen irgendwas
scheiße drauf zu sein, denn dann werde ich prinzipiell dumm von der Seite
angekackt. Ich hätte heute Mittag nicht so lange denken sollen, dann hätten wir
uns das Theater sparen können. Ich fange wieder an zu heulen. Er entschuldigt
sich. Ich lasse mich doch zum Friseur bringen. Anschließend holen wir Döner und
gucken einen Film. Jetzt bin ich müde und hoffe einfach nur noch, dass morgen
ein besserer Tag wird. Vielleicht bereue ich es dann nicht ständig damals nicht
genug Mut gehabt zu haben. Ich hoffe es.
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