Samstag, 9. Juni 2018

Hey ihr Lieben! Aus irgendeinem Grund ist heute mal wieder so ein Tag, an dem ich mich nicht entscheiden kann, wie ich mich fühle. Heute morgen habe ich mir noch gedacht, ich schreibe heute darüber, wie motiviert ich mich fühle und dass ich gerade alles dafür gebe, mein scheiß Leben in den Griff zu kriegen. Aber jetzt, wo ich mich tatsächlich vor den Laptop setzte und etwas schreibe, fühle ich mich nicht mehr so gut. Ehrlich gesagt würde ich mich gerade am liebsten einfach im Bett verkriechen und für immer darin liegen bleiben. Doch ich versuche das Gefühl von heute früh wieder zu bekommen. Bestimmt bin ich gerade nur so schlecht drauf, weil ich die letzten 3 Stunden ununterbrochen für die Uni gelernt habe, da kann man ja nur schlecht drauf sein :D. Aber ich muss sagen, in der Uni läuft es in letzter Zeit erstaunlich gut. Am Montag habe ich das Ergebnis meiner Probeklausur bekommen, wenn das eine richtige Klausur gewesen wäre, dann hätte ich genug Punkte gehabt, um zu bestehen, das ist schon ziemlich nice. Durch die Vorbereitung auf die Probeklausur habe ich den Stoff der ersten Semesterhälfte zumindest in diesem Modul schon recht gut gelernt und hoffe, dass mir das bei der richtigen Klausurvorbereitung helfen wird. Für das zweite Modul, das ich dieses Semester belegt habe, bin ich heute auch damit fertig geworden, den bisherigen Stoff in einem Lernheft zusammenzufassen. Außerdem habe ich mir Karteikarten gemacht, mit kurzen Fragen, die am Anfang der Klausur abgefragt werden. Für das dritte und vierte Modul habe ich dieses Semester immer direkt nachgearbeitet, indem ich mir ein Skript zu den Vorlesungen schreibe, mit dem ich später lernen kann. Und genau das sind die Gründe für meine Motivation. In den vergangenen Semestern habe ich es nie geschafft, so frühzeitig mit der Klausurvorbereitung zu beginnen, bzw. wenn dann nur in einem Modul. Daher hoffe ich, dass ich dieses Pensum bis zu den Klausuren aufrecht erhalten kann, um in diesem Semester mal eine 100%ige Bestehensquote zu schaffen. Nicht gerade ein bescheidenes Ziel, wenn man sich meine vergangenen Quoten ansieht: Im ersten Semester waren es immerhin noch 75%, im zweiten schon nur noch 60% und letztes Semester habe ich mein Tief bei 33% erreicht. Wo wir auch schon bei meinem Problem wären. Wenn ich mir das Ziel vor Augen halte, alle Klausuren zu bestehen, schaffe ich es definitiv besser mich zum lernen aufzuraffen, als wenn ich mir sage "mit etwas Glück bestehe ich 2 von 4 Klausuren", macht Sinn, oder? Problematisch wird es dann erst, wenn es am Ende wieder so schlecht läuft wie im letzten Semester und ich nur eine einzige Klausur bestehe. Dieses Problem ist nebenbei nicht nur aus der Luft gegriffen, letztes Semester habe ich mich ebenfalls gut vorbereitet gefühlt und dachte, ich rocke die Klausuren, und als dann die niederschmetternden Ergebnisse kamen, hat das bei mir wirklich eine Krise ausgelöst. Gut, mittlerweile, wo ich die Dinge ein bisschen objektiver betrachten kann, war es kein Wunder,  dass ich so verschissen habe. Es stimmt zwar, dass ich sehr viel für die Klausuren gelernt habe, allerdings habe ich das restliche Semester lang absolut nichts getan. Am Anfang war ich auch nicht in der Lage, irgendwas zu tun, mich auf irgendwelche Scheiß Formeln zu konzentrieren, wegen der ganzen Sache mit Nicole (für alle die das nicht mehr wissen: sie hat sich das Leben genommen). Ich war wirklich nicht imstande, viel mehr zu machen, als zu atmen und als ich mich wieder gefangen hatte, gab es einen Berg an Stoff, den ich nacharbeiten musste. Das habe ich dann auch schön bis 3 Wochen vor Klausurbeginn vor mir her geschoben. Bei den Zulassungen habe ich mich auch selbst beschissen, eine Zulassung wurde uns nämlich quasi vom Prof geschenkt, die andere habe ich mir größtenteils durch abschreiben "erarbeitet" und die dritte habe ich gar nicht erst bekommen, weil "die Voraussetzungen ja sooo unfair waren". Also kurz gesagt: Ich habe vor der Klausurenphase gar nichts gemacht und mich dann gewundert, warum ich so schlecht abgeschnitten habe. Super Alex. Aber dieses Semester bin ich fleißiger und deshalb sollte ich alles daran setzten, meine Motivation viel zu lernen aufrechtzuerhalten. Dann komme ich vielleicht endlich mal im Studium voran. Wenn ich es jetzt schaffe, meine Module wenigstens im Nachholversuch zu bestehen, dann könnte ich meinen Bachelor immerhin nach dem 8. Semester geschafft haben. Und es sollte ja ganz in meinem Interesse sein, diesen Scheiß endlich hinter mich zu bringen.
Naja, soviel zu meinem Studium. Tut mir Leid ich weiß, das ist alles ziemlich langweilig, doch es beschäftigt mich momentan doch sehr. Aber egal. Ich war nicht nur dem Studium gegenüber motiviert, sondern auch auf meine psychischen Probleme bezogen. Ich habe mich nämlich nun schon seit 9 Wochen nicht mehr selbstverletzt. Als mir das heute morgen aufgefallen ist, habe ich mich gefragt, ob es nicht eine gute (und lange überfällige) Gelegenheit wäre, mich ganz von diesem Verhalten zu verabschieden. Ich weiß, ich thematisiere es hier nicht mehr so extrem wie in meinen ersten Blogger Jahren, doch es ist noch immer ein großer Teil meines Lebens. Doch ich bin es so satt, mein Leben von einer Krankheit bestimmen zu lassen. Ich habe schon einige Versuche unternommen, vom ritzen los zu kommen, doch diese Versuche waren nie wirklich aus eigener Motivation. Andere Leute haben mir gesagt, dass ich damit aufhören muss, doch erstes hatten die meisten davon keine Ahnung, wie viel mehr dahinter steckt. Es ist nur ein Symptom und nicht die Krankheit selber und um wirklich wieder gesund zu werden ist es niemals ausreichend, mich nicht mehr zu schneiden. Und zweitens nützt es eben rein gar nichts, wenn ich nicht aus eigener Intention sage, dass ich etwas verändern will. Ich bin leider sprunghaft genug, um morgen wieder zu sagen, dass ich nichts verändern möchte und ich glücklich damit bin, mich hinter Depression und Selbstverletzung zu verstecken. Deshalb sage ich es jetzt mal etwas vorsichtiger und bedachter: In mir entwickelt sich gerade ein Keim der Eigeninitiative, mein Leben verändern zu wollen und ich werde versuchen, ihn wachsen zu lassen. Für den Moment kann ich festhalten (und vielleicht hilft es mir später dabei, mich daran zu erinnern):
Ja, ich möchte, dass es mir besser geht. Ich bin gewillt, mir eine neue Psychotherapie zu suchen und dort auch aktiv an mir zu arbeiten, es nicht als eine Sache anzusehen, die ich schnell hinter mich bringen muss, sondern als eine Chance, diesmal wirklich Erfolg zu haben. Ja ich weiß, dass das viel Arbeit bedeutet, da es einfach viele Dinge gibt, an denen ich arbeiten muss, und mir ist klar, dass es wieder Phasen geben wird, in denen ich nicht bereit bin, diese Arbeit auf mich zu nehmen. Doch vielleicht bin ich mittlerweile erwachsen genug, es meine zukünftige Therapeutin wissen zu lassen, wenn es mir zu viel wird und wir auch dafür dann gemeinsam eine Lösung finden können. Ich weiß, dass ich mich dafür aus meiner Komfortzone begeben muss, denn ich leide nun schon so viele Jahre unter pychischen Problemen (ist es zu glauben, meine erste Selbstverletzung ist 9 Jahre her..), dass es mir einfacher erscheint, nichts daran zu tun, zu sagen, dass ich glücklich in meiner Unglücklichkeit bin, als die Sache endlich anzugehen und am Ende vielleicht wirklich glücklich zu sein.  Ja, ich möchte endlich ein normales Leben führen, ohne dass mein Studium davon beeinflusst wird, dass zu depessiv bin, um das Haus zu verlassen oder mich auch nur an den Schreibtisch zu setzten. Ich will nicht mehr die halbe Vorlesung verpassen, weil ich auf der Toilette hocke, um mich zu schneiden und anschließend eine Blutung zu stillen. Ich will nicht mehr unkonzentriert sein, weil ich gerade mal wieder eine Magerwahnphase habe und zu wenig gegessen habe. Ich will nicht mehr mit Fragen den Raum verlassen, weil meine sozialen Ängste es mir unmöglich gemacht haben, meinen Tutor um Hilfe zu bitten. Ich will nicht mehr völlig fertig in der Uni ankommen, weil ich im Zug eine Panikattacke hatte. Ich möchte wie ein normales Mädchen studieren, ohne von diesen ganzen Faktoren dabei beeinflusst zu werden. Ich will nicht, dass meine schulische Ausbildung dadurch in die Länge gezogen wird. Nein, ich möchte das Studium schnell abschließen, um in einem geregelten Beruf zu arbeiten, einen geregelten Tagesablauf haben, den mir ein Studium nicht bieten kann. Ich möchte Geld verdienen, um mir irgendwann ein eigenes Haus leisten zu können. Ich möchte meinen Freund irgendwann heiraten, ohne dass er ständig Angst hat, mich mit aufgeschnittenen Pulsadern im Badezimmer zu finden.
Und um all das zu erreichen, muss ich endlich diesen einen entscheidenden ersten Schritt machen und mir aus eigenem Wunsch heraus Hilfe suchen. Und ich muss diesen Wunsch aufrecht erhalten. Deswegen habe ich mir gerade die Zeit genommen, all das zu schreiben, damit ich mich vielleicht später wieder daran erinnern kann, wie ich mich heute gefühlt habe und auch, um dieses Gefühl wieder aufzubauen. In diesem Sinne wünsche ich euch noch ein wundervolles Wochenende, bis nächste Woche!

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