Samstag, 11. August 2018

Hallo meine Lieben. Irgendwie kommt es mir so vor, als wäre mein letzter Post Wochen her, dabei habe ich mich doch letzte Woche noch gemeldet. Irgendwie ist seitdem furchtbar viel passiert, aber irgendwie auch nicht. Hmm, wo fange ich an? Also erstmal etwas erfreuliches: Gestern habe ich noch das Ergebnis von einer Klausur, die ich vor etwa 4 Wochen geschrieben habe bekommen uuuuund ich habe tatsächlich bestanden. Nachdem ich nur Nachrichten von verschissenen Klausuren bekommen habe, habe ich damit wirklich nicht mehr gerechnet. Dann habe ich vorgestern die erste Nachprüfung geschrieben, die lief glaube ich ganz passabel. Ich habe noch kein Ergebnis, aber vielleicht bestehe ich diese Klausur ja auch noch. Die nächste Prüfung ist erst am 17. September glaube ich, das heißt ich werde so in zwei Wochen wieder mit dem Lernen anfangen. Ehrlich gesagt kam mir der Gedanke eine Ausbildung anzufangen bis vor zwei Tagen immer attraktiver vor. Die Nachricht, dass ich doch mal irgendwas in der Uni geschafft habe, bringt das natürlich wieder ins Wankeln. Ich will mich nicht über eine bestandene Klausur beschweren, um Gottes Willen! Aber die Entscheidung ist schon sehr schwer. Ich habe es für mich jetzt so geregelt: Ich werde die Nachprüfungen auf jeden Fall ernst nehmen und mein Bestes geben. Wenn ich alle Ergebnisse habe, werde ich dann mal schauen. Wenn ich wieder durch alles durchgerasselt bin, wäre die einzig richtige Entscheidung die Uni zu verlassen und mir eine Ausbildung zu suchen. Wenn ich hingegen doch noch alles bestehen sollte wäre es ja dumm nicht weiter zu machen. Und bei gemischten Ergebnissen muss ich eben nochmal in mich gehen und, so dämlich das klingt, pro und contra Listen machen, alles mal auf einen Blick überschauen, meinen Vater einweihen und vielleicht mal seine Meinung hören, oder Freunden die Situation schildern und vielleicht von ihnen Tipps beikommen. Nächstes Semester bleibe ich sowieso noch in der Uni eingeschrieben, ich muss nämlich den Semesterbeitrag bezahlen, bevor ich meine Ergebnisse habe. Aber wenn ich mich zu einem Studienabbruch entscheide kann ich ja trotzdem nochmal ein Semester ohne Pflichten usw. die Vorlesungen besuchen, die mich wirklich reizen, z.B. weitere Mastermodule. Außerdem wird das Bahnticket bestimmt auch noch nützlich sein. In der Klinik, in der ich eine Ausbildung machen wollen würde bietet auch zum 1.4. jeden Jahres Ausbildungsplätze an, das heißt ich hätte genug Zeit um meine Wohnung zu kündigen, mich um den Auszug zu kümmern, nach einer neues Wohnung wieder in der Nähe der Heimat zu suchen, im besten Fall vor Ausbildungsbeginn dort einzuziehen und so weiter und so fort. Selbst wenn ich mir zu Beginn des neuen Semesters noch unsicher bin, werde ich trotzdem Bewerbungen verschicken, mal sehen, ob ich einen Ausbildungsplatz angeboten bekomme. Dann habe ich auf jeden Fall etwas in der Hand, falls ich mich nachträglich noch zu einem Studienabbruch entscheiden würde.
Außerdem arbeitet eine Freundin von Svens Mutter auch in der Klink, die mich interessiert. Mit der werde ich mich in nächster Zeit mal treffen, dann kann sie mir sagen, ob ich Chancen hätte, dort arbeiten zu dürfen, was mich so erwartet und so weiter. Ich mag die Frau zwar persönlich nicht, aber wenn man die Chance hat mit jemandem aus erster Hand zu reden, dann sollte man diese nutzen, das Gespräch kann nur eine Bereicherung für mich sein.
Sven hat sich nebenbei bereits endgültig dazu entschieden, sich eine Ausbildung zu suchen. Er will sich bei der Bank und beim Finanzamt und sowas bewerben. Ich bewundere es, dass er den Mut zu dieser Entscheidung hatte. Aber es klingt so schön, nicht mehr zu studieren. Sven und ich könnten wieder in die Nähe von unseren Eltern ziehen und wir hätten vielleicht endlich mal ein gesundes Verhältnis zu diesen. Wenn wir beide eine Ausbildung machen würden, würden wir auch mehr Geld haben und könnten ab und zu tatsächlich mal was unternehmen, uns sogar ein eigenes Auto leisten. Als Krankenschwester, in egal welcher Einrichtung, hätte ich zwar Schichtarbeit, doch außer mit einer Frühschicht morgens um 6 hätte ich auch damit kein Problem. Ich würde es sogar sehr begrüßen festgelegte Arbeitszeiten zu haben, egal ob abends oder nachts oder wann auch immer, Hauptsache ich muss dann nach Feierabend nichts mehr machen. Nicht nach einem 10 Stunden Tag noch zu hause sitzen und 8 Stunden lernen und Hausaufgaben machen. Klar muss man sowas für die Berufsschule auch machen, aber mit sowas hatte ich zu Schulzeiten auch keine Probleme, das ist ja nicht mit der Uni zu vergleichen. Ich hätte endlich wieder die Möglichkeit Freunde regelmäßiger zu sehen, abends mal auszugehen, wenn ich am nächsten Tag frei habe. Ich hätte vielleicht sogar wieder Zeit für ein Hobby. Meine Gitarre habe ich zum Beispiel dieses Jahr noch nicht ein Mal angefasst. Und wenn ich mich von der Astronomie nicht ganz verabschieden möchte, kann ich mir in ein paar Jahren eine Hobbyastronomen Ausrüstung zulegen, vielleicht einem Verein dazu beitreten, mit einem Teleskop und einer Kamera bewaffnet in die Berge fahren. Das klingt alles so schön! Selbst wenn ich jetzt noch alle Klausuren bestehen sollte und an der Uni bleibe, ich hätte trotzdem auf unbestimmte Zeit (und das bedeutet JAHRE) kein Privatleben, keine Zeit für Freunde oder Hobbies, kein Geld. Der Leistungsdruck und der Anspruch, den die Uni an mich stellt, werden dadurch ja nicht besser. Ich glaube nicht, dass ich das noch weiterhin so möchte.
Wenn ich das so lese dann frage ich mich wirklich, warum ich überhaupt noch nachdenke, dieser Text schreit mich ja förmlich an: SCHEISS AUF DIE UNI UND MACH NE AUSBILDUNG!!! So einfach wie es scheint ist es dann aber doch nicht. Es war immer mein Traum Astrophysik zu studieren, bla bla. Nachdem man schon 4 Semester geschafft hat möchte man natürlich auch nicht einfach so alles hinschmeißen, nur weil es gerade mal nicht läuft. Außerdem haben einige Leute Geld investiert, damit Sven und ich studieren können, die möchte ich bei so einer Überlegung natürlich auch nicht außen vor lassen.
Hach, ich hoffe ich kann bald mit der Frau aus der Klink sprechen. Wenn die mir nämlich sagt, dass ich aufgrund von meinen Narben oder sonstigen psychischen Erkrankungen nicht dort arbeiten dürfte, dann hätte sich das Thema sowieso erledigt. Das ist ehrlich gesagt die einzige Alternative die ich habe, mit der ich mich anfreunden könnte. Wenn die wegfällt muss ich wohl oder übel beim Studium bleiben oder mir ganz schnell etwas anderes ausdenken.
Nebenbei habe ich gestern mal wieder versucht zur Blutspende zu gehen. Ich durfte natürlich schon wieder nicht spenden. Nach knapp 3 Jahren habe ich gedacht, ich versuche es mal wieder. Falls sich noch wer erinnert, bei meinem ersten Versuch wurde ich aufs Schlimmste diskiminiert und von der Ärztin richtig fertig gemacht, ich war diesbezüglich richtig traumatisiert. Gestern bin ich, mit langen Klamotten bekleidet, tatsächlich so weit gekommen, dass mein Blutdruck und mein Puls okay waren, trotz enormer Angst. Doch dann bin ich im letzten Moment abgewiesen worden, weil ich eine Körpertemperatur von 37,9, bzw 37,8 nach dem zweiten Messen hatte. Nein, ich bin/war/werde nicht krank, mir war einfach nur scheiße warm, weil ich eine lange Jeans und ein langärmliges Shirt tragen musste, da man mich ja ansonsten aufgrund von mittlerweile tatsächlich uralten Narben diskriminieren würde! Es ist zum kotzen. Ob ich in meinem Leben jemals blutspenden darf? Ich schätze nicht. Ich wurde bisher 2 Mal wegen meiner Narben, einmal wegen zu hohem Blutdrucks und einmal wegen zu hoher Körpertemperatur abgewiesen. So dringend brauchen sie anscheinend doch kein Blut. Vielleicht wundern sich einige von euch, dass ich versuche so ein sozialer Mensch zu sein, der blutspenden geht :D. Tatsächlich habe ich auch einen Organspendeausweis und bin bei der DKMS registriert. Das sind so einfache Wege um anderen Menschen zu helfen, ihnen vielleicht sogar eine zweite Chance aufs Leben zu geben. Meiner Meinung nach sollte jeder Mensch, der gesundheitlich dazu in der Lage ist, das machen. Gut, ich habe bisher weder Knochenmark noch Blut gespendet, aber das liegt nicht daran, dass ich nicht will. Naja, vielleicht bekomme ich ja irgendwann nochmal die Chance dazu. Ich werde es auf jeden Fall weiterhin versuchen.
Gut, in diesem Sinne wünsche ich euch noch ein schönes Wochenende, wir hören uns in einer Woche, bis dann!

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