Mittwoch, 11. November 2020

 Hallo meine Lieben! Irgendwie war mir die letzten Tage total danach mal wieder zu bloggen, also mache ich das jetzt einfach mal. Leider bedeutet es bei mir selten etwas gutes, wenn ich das dringende Bedürfnis danach habe. Eigentlich und theoretisch ist gerade alles gut. Mein Einsatz im AKH ist seit einer Woche vorbei, trotz Lockdown darf ich in die Schule und ich pflege sogar in letzter Zeit meine sozialen Kontakte. Aber trotzdem geht es mir in den letzten Wochen nicht so richtig gut. Der Einsatz hat mich sehr gefordert. Obwohl die Kollegen da echt größtenteils sehr nett zu mir waren hat mich die Arbeit einfach ziemlich ausgelaugt. Ich habe mit 2 Klassenkammeraden zumindest schriftlichen Kontakt gehalten und es war schön sich immer mal wieder auszutauschen. Alex hat seine neue Stelle angefangen und die ersten Tage vorher hab ich mir echt viele Gedanken darum gemacht, wie es sich auf unsere Beziehung auswirken wird, wenn er auch wieder arbeiten geht, nachdem er fast 7 Monate nur zuhause war. Das hat mir Angst gemacht. Letzten Montag war dann sein erster Arbeitstag und ich war erstmal total damit überfordert wie zur Hölle ich meine Zeit jetzt aufteile für Arbeit, Zeit für mich, Haushalt und Beziehung. Nach ein paar Tagen Schockzustand finde ich mich aber langsam wieder zurecht und entwickle wieder Struktur. Versuche alles soweit wie möglich ausgeglichen zu halten. Letzten Monat habe ich mich außerdem endlich mal wieder mit Sophie getroffen. Das war wirklich schön, mittlerweile verstehen wir uns echt wieder richtig gut denke ich. Habe auf jeden Fall das Gefühl, dass wir uns gegenseitig gut verstehen können. Und es ist einfach auch mal schön mit jemandem zu quatschen, den man schon fast sein ganzes Leben lang kennt. Je älter man wird desto weniger werden Kontakte dieser Art. Gott Leute, ich bin mittlerweile 24, wo ist die verdammte Zeit geblieben? Seit acht einhalb Jahren teile ich hier mein Leben mit, bei meinem ersten Post war ich erst 15! 

Naja. Seit letztem Mittwoch habe ich wieder Schule, ich habe mich so sehr darauf gefreut. Die Themen nehmen mich sehr mit emotional. Zum Einstieg in das Thema sterben haben wir einen Film geschaut in dem ein Mann an einem Hirntumor gestorben ist. Super geil, genau mein Ding. Ein Freund aus der Klasse hat mir an diesem Tag echt sehr viel Halt gegeben. Ich habe ihm zum ersten Mal seit wir die Ausbildung zusammen machen mehr über mich erzählt. Noch lange nicht alles, aber immerhin ein bisschen. Nachdem er seit eineinhalb Jahren immer wieder fragt wie es mir geht und es sogar als ehrlich gemeinte Frage rüber bringt hat er sich mein Vertrauen wohl verdient. Mit einer anderen, inzwischen wohl auch Freundin im Kurs stehe ich auch in sehr gutem Austausch. Sie ist auch Borderlinerin und im Moment nicht ganz so stabil und wir können uns gut austauschen und helfen uns gegenseitig die schweren Themen zu bewältigen. Also habe ich schon 2 Leute im Kurs, die ich meine Freunde schimpfen kann, ich bin echt stolz auf mich. Am Freitag treffe ich mich sogar mit ein paar Leuten. Jaja ich weiß, Corona. Aber ganz ehrlich? Wenn der Staat findet, dass wir zusammen in einem Klassenzimmer sitzen dürfen dann dürfen wir auch nach der Schule ein Bier zusammen trinken. Ich habe mir vorgenommen es mit dem Alkohol nicht zu übertreiben und auf mich achtzugeben. Vor allem weil ich mich im Moment nicht ganz so gut fühle. Wie gesagt, die Themen in der Schule sind zwar super spannend und in gewisser Weise mag ich die Konfrontation damit. Aber es strengt mich halt eben auch an. In zwei Wochen haben wir dann noch ein dreitägiges Seminar zum Thema sterben, darauf bin ich auch super gespannt. Habe mit den zwei oben genannten Leuten aus meinem Kurs schon vereinbart, dass wir gegenseitig gut auf uns aufpassen werden. Zum Glück fällt das übernachten dort aufgrund von Corona flach. Jetzt müssen wir zwar jeden Tag des Seminars insgesamt 180km am Tag fahren, aber ich bin froh dann abends in meinem eigenen Bett schlafen zu können. Außerdem weiß ich noch zu gut, was auf meiner letzten Klassenfahrt los war. Die ist zwar auch schon 4 Jahre her, aber es steht noch deutlich auf meinem Arm. Über 20 Schnitte in 5 Tagen, und das obwohl es cool war. Ich bin sehr optimistisch, dass es dieses Mal auch cool wird, aber ist vielleicht nicht das schlechteste wenn Alkohol und fremde Umgebung wegfallen. Habe seit ein paar Wochen sowieso wieder ein starkes Selbstverletzungsbedürfnis. Ich gedenke nicht meinen Erfolg von 1,5 Jahren aufzugeben, aber es ist trotzdem jeden Tag schwer dagegen anzukämpfen und mir wieder und wieder in Gedächtnis zu rufen, dass ich das nie wieder machen will. 

So, für weitere Updates melde ich mich die Tage nochmal, muss jetzt los um mich mit meinem Vater noch zu treffen. Bis hoffentlich bald ihr Lieben. Passt alle gut auf euch auf und bleibt gesund!

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