Frohes neues Jahr alle zusammen. Etwas spät, aber immerhin noch im Januar! Ich habe viele Vorsätze für das neue Jahr und muss einfach daran glauben, dass 2021 ein gutes Jahr wird, Corona hin oder her.
Ich knüpfe einfach mal da an, wo ich letztes Mal geendet habe. Ich habe bis zum Urlaub durchgehalten, Weihnachten war erträglich. Wie letztes Jahr waren Alex und ich Heiligabend und am 1. Weihnachtstag bei meinem Vater und am 2. Weihnachtstag bei seiner Familie. Ich habe mich jeden Tag bekifft und mit meinem Vater Ouzo getrunken, bei Alex' Familie gab es immerhin ein paar Bierchen. Die Feiertage waren hauptsächlich langweilig. Zeit, die man eben absitzen musste. Weihnachtsstimmung hat sich wie immer nicht eingestellt, ich habe auch nicht damit gerechnet. Der restliche Urlaub war aber ganz angenehm. Silvester haben Alex und ich gemütlich zu hause bei den Katzen verbracht und Raclette gemacht. Nicht, dass wir großartig etwas anderes hätten machen können, aber das wollte ich auch gar nicht. Ich habe die ruhige Zweisamkeit genossen. Nach dem Urlaub war ich super unbegeistert, wieder arbeiten zu müssen. Freundlicherweise durfte ich auch gleich 11 Tage durcharbeiten, echt geil. Die letzten 8 Tage davon hatte ich Frühdienst. Danach war ich fix und fertig. Letzten Donnerstag hatte ich den letzten Frühdienst dieser Reihe und bin abends um acht Uhr auf der Couch eingeschlafen, Alex konnte mich kaum ansprechen. In der Nacht habe ich 12 Stunden geschlafen. Zum Glück hatte ich dann drei Tage am Stück frei. Am Montag bin ich dann wieder arbeiten gegangen. Da war der Todestag meiner Mutter. Der 10. um genau zu sein. 10 Jahre sind eine lange Zeit, wie mir schmerzlich bewusst wurde. Es ist furchtbar zu merken, wie manche Dinge nicht mehr so präsent in meiner Erinnerung sind, wie sie es vielleicht vor acht Jahren waren. Mich zu zwingen, mich an ihre Stimme zu erinnern, bevor sie für immer verloren ist. Es tut weh ein altes Foto in der Hand zu halten und sich bewusst zu werden, dass man seit 10 Jahren nur noch Fotos ansieht, aber keine physische Verbindung mehr da ist. Trotzdem bin ich an dem Tag arbeiten gegangen, auch wenn sich alles in mir dagegen gesträubt hat. Ich musste an dem Tag mit einer Kollegin arbeiten, die ich absolut nicht leiden kann. Und sie war so gemein zu mir an diesem Tag. Hat mich vor einer Patientin angekackt, weil ich irgendwas vergessen hatte. Und da habe ich mir gedacht, dass ich mir das keinen Tag länger gefallen lassen wollte. Ich quäle mich zur Arbeit und zum Dank werde ich so angemacht? Die Corona Situation wurde immer unübersichtlicher, es wurde Scheiße bei Verlegungen gebaut, Patienten wurden nicht über Quarantäne Maßnahmen informiert und das habe ich auch von allen Seiten abbekommen, obwohl ich damit nichts zu tun hatte. Patienten haben mich angeschrien wie scheiße dieses Krankenhaus ist und ob wir uns nicht schämen. Kollegen informieren mich nicht über Testergebnisse, sodass ich nichtsahnend ohne Schutzkleidung in einem Patientenzimmer stand und der Patient mich dann darüber aufklärte, dass er Covid positiv ist. Ich war nur noch Sündenbock für alles, habe nur noch die Drecksarbeit gemacht und war nach der Arbeit s gestresst, dass ich an nichts anderes mehr denken konnte, außer, dass ich da nicht mehr hin wollte. Deshalb habe ich am Montag, nachdem ich an Mamas Todestag vor einem Patienten fertig gemacht wurde, Alex gebeten, mir einen Arzttermin zu vereinbaren. Damit ich das auch wirklich durchziehe. Meine Psychologin hat mir auch schon mehr als einmal gesagt, dass ich mir ne Auszeit nehmen soll und dass es auf jeden Fall ein Grund für eine Krankschreibung ist, wenn es mir durch die Arbeit psychisch immer schlechter geht. Also habe ich das jetzt gemacht. Ich war scheiße nervös, zum Arzt zu gehen und mich auf Station krank zu melden. Aber ich habe es irgendwie geschafft. Die Ärztin war sehr verständnisvoll und hat mich direkt 2 Wochen krank geschrieben. So lange wollte ich eigentlich gar nicht ausfallen, aber der Ärztin schien das angemessen. Ich war sehr ehrlich zu ihr und habe ihr alles geschildert, also gehe ich davon aus, dass sie ein kompetentes Urteil gefällt hat. Und ich würde lügen wenn ich sage, dass ich traurig bin, nicht mehr im AKH arbeiten zu müssen. Meine AU geht nämlich bis über den letzten Tag hinaus. Das heißt nie wieder akh!! Ich musste erstmal gegen ein schlechtes Gewissen arbeitenm so lange auszufallen und mich durch was wäre wenn Szenarien durchkämpfen (was wenn ich die Krankheitstage noch brauche? Was wenn ich deshalb eine schlechte Beurteilung bekomme? usm.). Aber ich versuche zu sehen, was mir bei mir selbst immer schwer fällt: Ich bin krankgeschrieben, weil ich tatsächlich krank bin. Dafür muss es mir nicht körperlich schlecht gehen. Es wiegt genauso schwer, dass es mir psychisch nicht gut geht. Ich versuche, mir selbst das Verständnis entgegenzubringen, was ich anderen Leuten in dieser Situation entgegenbringen würde. Also will ich die Zeit, die ich jetzt habe, wirklich sinnvoll nutzen, um an mir zu arbeiten. Ich versuche, nicht genau das zu machen, was ich sonst immer mache, wenn ich längere Zeit zuhause bin. Ich will nicht die gleichen Bücher immer wieder lesen, sondern lese neue Bücher. Genauso gucke ich neue Serien, anstatt wie sonst die gleichen paar Filme und Serien immer und immer wieder zu gucken, weil es dort irgendeine Tragik gibt, der ich mich verbunden fühle, oder sowas in der Art. Ich versuche, neue Möglichkeiten auszutesten, mit meinen Gefühlten umzugehen und mich zu entspannen. Ich habe Yoga ausprobiert und muss sagen, dass es mir tatsächlich gut gefällt. Außerdem versuche ich zu meditieren und den Tag über immer wieder Achtsamkeitsübungen zu machen. Das hilft mir tatsächlich alles sehr. Ich fühle, wie die Anspannung immer weniger wird und habe das Gefühl, dass ich negative Gefühle besser annehmen kann. Ist halt nur die Frage, ob das auch klappt, wenn ich wieder arbeiten muss. Deshalb werde ich jetzt jeden Tag üben, diese Sachen zur Routine zu machen. Ich habe jetzt noch ein einhalb Wochen AU und danach noch knapp 2 Wochen Urlaub. Und dann hoffe ich, meine Batterien gut aufgeladen zu haben. Nach Karneval hätte ich eigentlich wieder Schule, ich glaube aber nicht, dass wir dann in die Schule dürfen. Das ist für mich auch sehr traurig, mir fehlt mein Kurs. Es wären sowieso schon 2 Monate gewesen, die wir uns durch Einsatz und Urlaub nicht gesehen hätten, und jetzt wird es wieder genauso wie letztes Frühjahr. Da haben wir uns auch 5 Monate nicht persönlich gesehen, was echt furchtbar war. Ich hoffe nicht, dass sich das jetzt wiederholt. Mir ist klar, dass Corona uns auch dieses Jahr sehr einschränken wird, trotzdem finde ich es grausam, die Schulen so lange geschlossen zu halten. Aber trotzdem will ich das beste draus machen. Mich mit Leuten einzeln treffen und die Zeit für mich nutzen. Wie eben erwähnt, habe ich einige Vorsätze für dieses Jahr. Ich möchte besser auf mich Acht geben, mir Auszeiten nehmen, wenn ich welche brauche und besser lernen, meine Anspannung einzuschätzen. Meine Skills erweitern, neue entdecken und diese auch rechtzeitig einsetzen. Ich will mich außerdem wieder mit dem Thema Sexualität auseinander setzen, aber erst dann, wenn ich dafür auch stabil genug bin. Den Kontakt zu meinen Freunden halten und lernen, nach der Arbeit abzuschalten. Außerdem will ich mir schon Pläne überlegen, wie es nach dem Examen nächstes Jahr für mich weiter geht. Ich will nicht wieder mit einem einzigen, festen Plan darstehen, der vielleicht nicht aufgeht, wie damals bei meinem Physikstudium. Ich bin in eine Krise geraten, weil ich nicht wusste, wie es weitergehen soll, weil mein einziger Plan nicht funktioniert hat. Ich werde mir also rechtzeitig einen Plan B machen. Und vielleicht auch noch einen Plan C. Damit hoffe ich für dieses Jahr gut aufgestellt zu sein und mich so zu entwickeln, dass ich auch für die nächsten Jahre gut aufgestellt bin.
Soviel zu den letzten 5 Wochen. Ich hoffe euch geht es gut und ihr seit gut ins neue Jahr gerutscht. Macht das beste aus der scheiß Situation, in der sich die Welt befindet. Bis bald meine Lieben!
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