Mittwoch, 10. März 2021

 Hallo meine Lieben. Ich hoffe euch geht es gut. Ich möchte euch heute etwas über meine Therapie erzählen. Seit knapp zwei Jahren gehe ich wieder zu einer Therapeutin. Sorry wenn ich mich wiederhole, ich habe die letzten Monate immer nur so klinisch von meiner Ausbildung erzählt, dass ich gar nicht mehr weiß, was ich überhaupt darüber hinaus erzählt habe. Jedenfalls arbeite ich mit der Therapeutin meistens mit einer Trance-Induktion, wobei man mit sogenannten Ego-States in Kontakt tritt, also verschiedenen Persönlichkeitsanteilen die in verschiedenen Phasen des Lebens entstanden sind und die alle ihre innere Pflicht haben. Von diesen Anteilen haben wir in den letzten Wochen und Monaten 19 verschiedene gefunden, manche sind destruktiv, andere gute Ressourcen, manche lösen verschiedene psychische Symptome aus. Die versuchen wir jetzt alle irgendwie so zu verknüpfen, dass sie eine positive Wirkung haben und sich gegenseitig ergänzen. Diese Woche hatten wir uns mit einem Anteil beschäftigt, der selbstverletztendes Verhalten unterstützt hat, genauer gesagt mit zwei solcher Anteile, die jetzt quasi zusammen eine neue Aufgabe suchen. Sie waren erstaunlicherweise super kooperativ und total offen den anderen Anteilen gegenüber, um Hilfe zu finden. Einer der Anteile, der sich vorher eher zurückgezogen hatte, war sehr gerührt davon, dass die anderen Anteile ihn so willkommen geheißen haben. Am Ende der letzten Stunde hat meine Therapeutin mir ein paar sehr schöne Worte mit auf den Weg gegeben. Sie sagte, dass ich anfangen sollte zu sehen, wie meine Mutter in mir weiter lebt, weil einige meiner Anteile genau das verkörpern, was sie mir vorgelebt hat, unsere Beziehung zueinander wiederspiegeln. Diesen Gedanken fand ich wirklich schön. Und ich denke, dass er mir helfen wird, mich in meiner Haut wohler zu fühlen. Und das wollte ich gerne mit euch teilen. Ich kann es nicht so gut wiedergeben wie es wirklich war, aber vielleicht konnte ich euch trotzdem einen kleinen Einblick geben.

So, dann gebe ich noch ein kleines Update, was sonst noch so in letzter Zeit passiert ist. Ich sitze noch im Home Schooling, diese und nächste Woche noch, danach beginnt mein Einsatz auf einer orthopädischen Station. Ich fühle mich nicht bereit dafür, ehrlich gesagt. Ich meine, es kann nicht schlimmer werden als im AKH, aber trotzdem. Ich merke wieder die ersten Anzeichen, die ich mit meiner Therapeutin nach der letzten Krise erarbeitet habe. Sie meinte, dass ich entgegen der Norm bei Borderline dazu neige in einer Krise eher eine depressive Symptomatik zu entwickeln. Also sowas wie Interessenverlust, Schlafstörungen, Energiemangel, Gedankenkreisen etc. Ich schlafe auf jeden Fall wieder schlechter und verbringe wieder Zeit damit in jeder freien Minute auf der Couch zu liegen und Serien und Videos zu schauen, die ich schon gefühlte 100 Mal gesehen habe. Gut, jetzt erkenne ich die Anzeichen also, aber was mache ich jetzt damit? Das sollte ich wohl beim nächsten Mal mit meiner Therapeutin besprechen. Im Moment ist es etwas schwierig. Vor ein paar Wochen wurde bei der Mutter von meinem Freund ein bösartiger Tumor in der Niere diagnostiziert. Während  sie im Krankenhaus war, hat sie sich über eine Zimmernachbarin auch noch mit Corona angesteckt. Nach ein paar Tagen Isozimmer hat sie sich in Heimquarantäne begeben, da sie keine Symptome hatte. Aber die Behandlung kann halt erst richtig begonnen werden, wenn sie wieder negativ getestet wird, was jetzt seit ca drei Wochen nicht der Fall war. Vor zwei Tagen ist sie dann abends wieder ins Krankenhaus gekommen, weil sie starke Schmerzen hatte, der Tumor drückt wohl auf den Harnleiter, weshalb es zu einem Harnstau gekommen ist. Wir hoffen jetzt alle, dass der scheiß Test endlich negativ ist und sie ordentlich behandelt werden kann. Ich versuche nicht zu viel darüber nachzudenken, optimistisch zu sein und keine Parallelen zu ziehen. Das gelingt mal mehr, mal weniger gut, manchmal muss ich einfach darüber nachdenken. Aber im Grunde bringt das nicht, das ist mir auch klar. Was wäre wenn Szenarien sind das letzte, was jetzt hilft. Also denke ich lieber gar nicht darüber nach. Drückt und die Daumen, dass es bald bessere Neuigkeiten gibt. Bis dahin bleibt gesund und passt auf euch auf. Tschüssi.

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