Hey zusammen. Puh, ich glaube meinen Vorsatz für dieses Jahr, mindestens einmal im Monat zu bloggen kann ich in die Tonne werfen :D. Zweiter Post in fünf Monaten, läuft. Gut, ich versuche mal, euch auf den neusten Stand zu bringen. Bei meinem letzten Post ging es mir ja nicht sonderlich gut. Wobei ich sagen muss: Als ich mir gerade durchgelesen habe was ich zuletzt gepostet habe war ich überrascht darüber, wie reflektiert das war. Bisher haben sich diese schlechten Phasen immer angefühlt wie der Weltuntergang, aber letztes Mal konnte ich mir tatsächlich selber sagen, dass es mir in ein paar Wochen besser gehen wird. Not bad. Und es ist wahr. Es hat eine ganze Zeit gedauert, aber aktuell geht es mir wieder ganz gut. Die Wintermonate waren hart, ich habe kaum irgendwas gemacht und war von der kleinsten Anstrengung schon super ko. Mit Alex lief es auch irgendwie nicht so gut, zumindest war das meine Wahrnehmung. Ende März hat er das Gespräch mit mir gesucht, bezüglich unseres nicht existenten Sexuallebens. Ja, wir hatten seit zwei Jahren keinen Sex mehr. Background zu der Story: Meine Therapeutin hatte uns damals vorgeschlagen, dass wir abwechselnd aufeinander zugehen, um Intimitäten auszutauschen. Das hat ein paar Mal geklappt, aber irgendwann, als ich am Zug gewesen wäre, konnte ich mich einfach nicht mehr dazu überwinden. Wisst ihr, es ist anstrengend genug, überhaupt Sex zu haben, aber dann auch noch aktiv auf meinen Freund zugehen zu müssen und zu sagen "Okay lass uns jetzt miteinander schlafen" das hat sich so absurd angefühlt. Und so viel Überwindung gekostet. Zu viel, offensichtlich, denn ich konnte mich nicht mehr dazu überwinden. Es ist eine Sache wenn mein Freund auf mich zu kommt weil er mit mir schlafen möchte. Das ist okay, dafür habe ich Verständnis und obwohl ich keinen positiven Effekt daraus ziehe schlafe ich dann trotzdem mit ihm, weil ich ihm liebe und ich weiß, dass das für andere Leute in einer Beziehung eben wichtig ist. Aber es ist etwas völlig anderes das aus eigener Initiative zu machen. Wie gesagt, es kostet mich viel mehr Überwindung. Also sind wir dann jetzt zwei Jahre weiter, ohne in dieser Zeit Sex gehabt zu haben und Alex wollte wissen, ob wir jemals wieder Sex haben werden. Und das war ein wirklich schwieriges Gespräch. Erstens weil er das Thema eine Stunde bevor ich zur Arbeit musste angesprochen hat, was mich erstmal ziemlich angepisst hat, weil ich für sowas länger als eine Stunde brauche und wir das Thema dann quasi erst eine Woche später ordentlich besprechen konnten. Und zweitens, weil wir nicht wirklich zu einem Ergebnis gekommen sind. Alex hat mich gebeten, darüber nachzudenken ob es für mich in Ordnung wäre, wenn er mit anderen Frauen schläft. Ich habe tatsächlich die ganze Woche darüber nachgedacht, bin aber zu dem Schluss gekommen, dass es nicht in Ordnung wäre. Ich bin leider generell ein recht eifersüchtiger Mensch und hätte zu viel Angst, dass er sich dann in eine andere Frau verlieben könnte, die ihm eine Beziehung mit Sex bieten kann. Ich will ihm das ja auch bieten können, nur weiß ich nicht wie. Wir haben festgestellt, dass unsere letzte Methode nicht funktioniert hat, aber keine von uns wusste, wie wir es noch machen könnten. Ich habe zu Alex gesagt, dass er einfach auf mich zukommen soll, wenn er mit mir schlafen will, aber aus mir ehrlich gesagt vollkommen unerklärlichen Gründen ist er darüber total passiv aggressiv geworden. Er findet es nicht gut, dass die Initiative jetzt von ihm ausgehen soll. Aber ist das von mir wirklich zu viel verlangt? Ich finde nicht. Ich meine, ihm ist Sex wichtig, mir nicht, also kann er doch auch die Initiative für das ergreifen, was ihm wichtig ist, oder nicht? Und in Anbetracht dessen WARUM ich Probleme mit Sex habe kann er sich doch eigentlich glücklich schätzen, dass ich überhaupt bereit bin mit ihm zu schlafen. Ich weiß, dass es scheiße für ihm war, dass wir so lange keinen Sex hatten. Aber im Grunde kann man es doch auch so sehen: Wir sind jetzt vier Jahre zusammen, zwei Jahre hatten wir Sex, zwei Jahre hatten wir keinen Sex, also hat jeder von uns die halbe Beziehung lang das bekommen, was er wollte. Und ich bin ja bereit daran zu arbeiten, aber ich habe das Gefühl er versteht nicht, dass es für mich schon viel Arbeit ist Sex zu haben. Ich muss mich die ganze Zeit lang konzentrieren, damit ich nicht in Flashbacks versinke, damit ich nicht dissoziiere, muss die Stimmen in meinem Kopf unter Kontrolle halten und soll nebenbei noch so aussehen, als hätte ich Spaß dabei. Natürlich ist das für Alex ne scheiß Situation, aber für mich doch auch und bei allem was Sex für mich bedeutet, finde ich es nicht zu viel verlangt, dass er den ersten Schritt macht, wenn er Sex will. Mein Gott macht mich das pissig. Als er das Thema angesprochen hatte war ich sowieso immer noch damit beschäftigt, mich aus meinem Winterloch zu ziehen. Ich war total emotional und dachte wochenlang, dass er mich deswegen verlassen wird. Er hat zwar gesagt, dass das nicht seine Absicht ist, aber wie gesagt, er war bei dem Thema so passiv aggressiv und ich hab einfach nicht verstanden warum. Irgendwann haben wir das Gespräch dann einfach beendet, ohne wirkliches Ergebnis. Ihr könnt euch vorstellen, wie ich die Zeit danach drauf war. Ich konnte an nichts anderes denken und habe jeden Tag damit gerechnet verlassen zu werden. Das ist bisher nicht passiert, aber Sex hatten wir seitdem auch immer noch nicht, was jawohl deutlich zeigt wie wenig einverstanden Alex damit ist, selber die Initiative zu ergreifen. Ganz ehrlich, seit ich meine Ausbildung fertig habe hoffe ich eigentlich darauf, dass er mir einen Antrag macht, dass wir bald heiraten werden. Und dann kam sowas. Und seitdem denke ich bei allem was zwischen uns passiert, dass er das nur tut um mir eins auszuwischen, weil wir keinen Sex haben. Wahrscheinlich ist das Quatsch und ich bin einfach paranoid. Und es fällt mir einfach schwer zu verstehen, warum für andere Leute Sex so einen hohen Stellenwert hat. Das ist in meinen Augen nichts, was eine Beziehung ausmacht. Vielmehr sind es für mich die Dinge, die man zusammen erlebt, Erinnerungen die man schafft. Ich verstehe, dass für andere Leute Sex etwas schönes ist und ich wünschte ich könnte Alex das bieten, aber es ist mir absolut unverständlich, warum zur Hölle Sex so wichtig sein soll. Man kann doch auch einfach andere Sachen zusammen machen. Versteht mich nicht falsch, ich will Alex keine Vorwürfe machen. Alle anderen Männer mit denen ich zusammen war waren was Sex betrifft wirklich fordernder, Alex bringt mir schon wirklich sehr viel Verständnis entgegen. Trotzdem tut es einfach weh zu sehen, dass dieses Verständnis seine Grenzen hat. Und er fühlt sich natürlich auch vor den Kopf gestoßen, weil es mir so schwer fällt seine Sichtweise zu verstehen. Es ist einfach schwierig. Ich möchte auch gerne nochmal das Gespräch mit ihm darüber suchen, aber ehrlich gesagt weiß ich noch nicht so recht, was ich sagen soll. Ich will einfach nicht, dass dieses Thema so zwischen uns steht.
Aber hier dann jetzt mal Themenwechsel. Das Gespräch mit Alex hatte mich seiner Zeit natürlich nochmal zusätzlich runter gezogen. Es ging mir eh nicht gut und danach ging es mir noch schlechter und ich hatte das Gefühl, nur noch einen Schlag nach dem nächsten in die Fresse zu bekommen. Doch dann kam der Mai. Ich hatte drei Wochen Urlaub und wollte gerne mal weg von hier, weil mich hier einfach alles angekotzt hat und ich das Gefühl hatte, dass etwas Abstand von zuhause nötig wäre um wieder klar zu kommen. Alex hatte aber keinen Urlaub. Doch er hat mich ermutigt, alleine weg zu fahren. Nach langem hin und her habe ich das dann tatsächlich gemacht. Ich war fünf Tage in Riga (Hauptstadt von Lettland). Vorher war ich natürlich super nervös und habe mich tausend Mal gefragt, ob das die richtige Entscheidung war. Aber ich wollte diesen Schritt auch gehen, wollte alleine weg fliegen und mir selbst beweisen, dass ich das kann. Und ich kann es! Montags ging es abends los, mein Flug hatte so viel Verspätung, dass ich in Riga angekommen gerade noch den letzten Bus bekommen habe. Am Dienstag war ich dann die Stadt erkunden, habe mir alles wichtige angesehen, ein Museum besucht und war zum ersten Mal alleine in einem Lokal etwas essen und trinken. Und auch das hat gut geklappt. Ich hatte einen hervorragenden Burger, geiles Bier, einen leckeren Cocktail und war zufrieden, obwohl ich alleine dort war. An den anderen Tagen habe ich es mir nicht nehmen lassen ans Meer zu fahren. Lettland liegt an der Ostseeküste und von meinem Apartment aus war es nur eine halbe Stunde mit dem Zug. Es war ein bisschen kalt zum schwimmen, aber ich hatte echt Glück mit dem Wetter, die ganze Woche um die 20 Grad mit strahlend blauem Himmel. Ich habe Strandspaziergänge gemacht, bin ein bisschen durchs Wasser gewartet und habe stundenlang in der Sonne gesessen und gelesen. Es war wundervoll. Und auch dort hat es mir nichts ausgemacht, alleine zu sein. Ich konnte einfach machen was ich wollte, wann ich es wollte und vor allem konnte ich mir selbst beweisen, dass ich das kann. Das war ein unglaubliches Gefühl! Als ich freitags wieder heim geflogen bin habe ich mich trotzdem auf Zuhause gefreut. Auf Alex und meine Katzen und ehrlich gesagt auch auf einen Joint. Aber ich würde es jederzeit wieder machen, das war so eine wichtige Erfahrung für mich, so ein Booster für mein Selbstbewusstsein!
Meinen restlichen Urlaub habe ich dann viel geschrieben (was ich in den Monaten davor wieder vernachlässigt hatte), war auf dem Japantag (3 neue Nemu Nekos *-*) und habe mich mit Sophie getroffen, wir waren mal wieder feiern. Auch wenn ich sagen muss, dass das vorglühen viel mehr Spaß gemacht hat :D. Mein Urlaub ist jetzt zwei Wochen vorbei und ich muss sagen, ich schaffe es trotzdem ganz gut, meine Motivation was zu machen aufrecht zu erhalten. Ich schreibe viel, habe mein erstes fertiges Buch sogar mal an ein paar Verlage geschickt, vielleicht will das ja sogar jemand veröffentlichen. Ich war die letzten Tage auch viel im Garten, das schöne Wetter ausnutzen und habe mich einfach mit einem Notizbuch in die Sonne gelegt. Außerdem sind Alex und ich gerade dabei unseren Urlaub im Herbst zu planen, wir wollen gerne über unsere Geburtstage nach Teneriffa fliegen, ich hoffe sehr das klappt. Also inzwischen kann man wohl sagen läuft wieder alles. Ich habe wieder deutlich mehr Energie und kann mich dazu motivieren von der Couch aufzustehen und schöne Dinge zu machen, die mir gut tun. Und dafür bin ich so dankbar und ich hoffe wirklich, ich kann das aufrecht erhalten. Gerade habe ich das Gefühl so nah an dem dran zu sein was bzw. wer ich sein will als jemals zuvor. Zumindest mehr als in den letzten Monaten.
Ich hoffe euch geht es auch gut und ihr genießt den kommenden Sommer genauso sehr wie ich. Passt gut auf euch auf und habt eine gute Zeit. Bis dann!
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