Montag, 30. Januar 2023

Hallo meine Lieben, frohes neues Jahr, wenn es dafür nicht schon etwas spät ist. Ich hätte schwören können, dass ich mich nach dem Meditationsretreat nochmal gemeldet habe, aber da auf meinem Blog keine Spur davon zu finden ist, habe ich das offensichtlich nicht getan und es ist schon wieder 2 Monate her, seit ich mich zuletzt gemeldet habe. Erstmal habe ich gute Nachrichten: Ich habe inzwischen einen neuen Laptop. Ein Freund, der von Technik mehr Ahnung hat als ich, hat mich beraten und jetzt kann ich endlich wieder schreiben wann ich will. Besagter Freund hat mir vor ein paar Monaten gesagt, dass ich wieder was schreiben soll und dass er in meinem nächsten Buch eine Rolle will. Also habe ich angefangen eine Geschichte aufzubauen und seinen Wunsch erfüllt. Davon weiß er aber noch nichts, ich glaube auch ehrlich gesagt dass er betrunken war als er mir das geschrieben hat und bin nicht sicher, ob er sich überhaupt an seinen Wunsch erinnert. Das hält mich aber nicht davon ab, ihn trotzdem irgendwann damit zu überraschen, wenn das scheiß Buch denn mal fertig wird. Habe bisher knapp 100 Seiten geschrieben und weiß noch nicht so genau, wohin mich die Geschichte führen wird. Aber das werde ich dann schon sehen. Hauptsache ich kann wieder nach Herzenslust schreiben. 

Das Meditationsretreat war übrigens auch eine sehr schöne Erfahrung. Man war dort in einem Kloster untergebracht, was schon eine coole Atmosphäre geschaffen hat. Es war schön still dort, man sollte auch nach Möglichkeit keine technischen Geräte benutzen, woran ich mich gehalten habe. Also drei Tage lang kein Handy, kein Laptop, nur ich und mein Notizbuch. Ja, ich habe mir tatsächlich ein Notizbuch mitgenommen, um meine Gedanken festhalten zu können. Es war schön, es wieder zu benutzen. Und auch nötig. Wir haben das Wochenende über viele verschiedene Meditationen gemacht, ein wenig Yoga und jeden Tag einen Schweigespaziergang. Es war arschkalt an dem Wochenende, trotzdem war es sehr schön, so bewusst durch die Natur zu gehen, sich einfach mal darauf zu konzentrieren, was einen gerade umgibt. Diese Schweigephasen fielen mir auch nicht wirklich schwer, im Gegenteil. Wobei es auch nicht schwer war, mich in die Gruppe zu integrieren. Alle waren total nett und offen, wir waren alle so verschieden, was das kennenlernen umso interessanter gemacht hat. So haben wir abends, wenn das Programm vorbei war immer noch ein paar Stunden in unserem Gruppenraum gesessen, Tee getrunken und unsere Gedanken und Gefühle mit Fremden geteilt. Für die meisten war es, wie für mich auch, die erste Erfahrung dieser Art. Aber ich habe es nicht bereut. Das einzig unangenehme an diesem Wochenende war für mich, dass das Programm morgens um 8 losging. Nach einem dreiviertel Jahr Dauernachtwache ist das definitiv nicht mehr meine Uhrzeit. Aber der Rest war Entschädigung genug. Denn es ging einfach nur darum zu sich selbst zu finden, zu entschleunigen, Kraft zu tanken. Und das konnte ich dort. Ich konnte mich auf alles was wir gemacht haben einlassen, es war entschleunigend und lehrsam zugleich. Wenn ich aus meinen Notizen eins erkenne, dass das Problem, was ich auch schon in meinem letzten Post erörtert habe: Ich halte zu sehr an der Vergangenheit fest. Und langweile mich deshalb gleichzeitig, weil ich eigentlich viel neues erleben will. Stattdessen aber bleibe ich bei allem was ich kenne. Schwelge in Erinnerungen, besuche immer die gleichen Orte, schaue immer wieder die gleichen alten Serien, weil ich einfach nicht loslassen kann, weil ich Angst habe, etwas zu verlieren oder zu vergessen. Gleichzeitig will ich aber so gerne viel von der Welt sehen, will neue Dinge ausprobieren, Dinge tun, die ich liebe. Doch ich bleibe passiv, finde Ausreden und Entschuldigungen, um meine Komfortzone ja nicht zu verlassen. Ich weiß, das passt irgendwie alles nicht zusammen, aber ich glaube genau da liegt mein verdammtes Problem. Was ich bin und was ich sein will sind so unterschiedliche Dinge. Und meistens geht es mir psychisch auch nicht gut genug um die Kraft dazu zu finden, eine Änderung zu etablieren. Da seht ihr, schon wieder eine Ausrede. Änderungen sind eben unbequem, auch die guten. Daran muss ich noch arbeiten. 

Zugegeben bin ich nach dem Retreat ziemlich schnell wieder in meinen Alltagstrott gefallen. Nur an dem Buch habe ich ab und zu mal geschrieben, also immerhin eine kleine Verbesserung. Aber ansonsten habe ich das Gefühl ich warte auf dem Punkt, an dem ich mein Leben endlich ändern kann, nur dass der eben nicht von alleine kommt. Ich muss aktiv etwas ändern, sofort. Aber es ist so anstrengend. Die kleinste zusätzliche Anforderung, die außer der Reihe an mich gestellt wird, scheint mir schon den Boden unter den Füßen wegzureißen. Naja, ich glaube das nennt man Winterdepressionen. Der Winter ist für mich ja sowieso immer eine schwierige Jahreszeit. Weihnachten macht mich immer fertig, obwohl es dieses Mal okay war. Ich musste zum Glück nämlich einfach alle Tage arbeiten und hatte immer nur ein paar Stunden Zeit, mal bei der Familie vorbeizuschauen. Dann war diesen Monat ja mal wieder Mamas Todestag. 12 verdammte Jahre ist es jetzt her. Nachdem Weihnachten so gut gelaufen war dachte ich erst, der Tag würde kein Problem werden. War er auch zunächst nicht, ich war beim Blumenladen, dann beim Friedhof, habe alles schick gemacht, neue Kerzen angezündet, Standardkram eben. Ich musste zum Glück auch erst am nächsten Tag wieder arbeiten und dachte, ich hätte es gut überstanden. Aber auf der Arbeit hatte ich dann mit einem Kollegen Dienst, mit dem ich nicht besonders gut klarkomme. Im Laufe der nächsten Tage ist mir dann erst bewusst geworden, dass mich alles was passiert mehr belastet als es sollte. Dumme Sprüche haben mein Selbstbewusstsein direkt nen Kopfschuss gegeben, ich war total reizbar und sensibel. Vielleicht ne Nachwirkung vom Todestag, vielleicht auch wirklich einfach nur Winterdepressionen, ich weiß es nicht. Ich weiß nur, dass meine Unzufriedenheit in diesem Zustand weißer wächst und ich gleichzeitig total erschöpft bin und nicht die Kraft finde, gerade etwas zu verändern. Gerade habe ich ein paar Tage Urlaub, in denen ich mich immerhin emotional etwas stabilisieren konnte, aber Kraft für Veränderungen konnte ich trotzdem nicht aufbringen. Wieder sitze ich den ganzen Tag zuhause rum, gucke Serien, spiele Sims, kiffe, schlafe und das wars. Anstatt die Zeit für etwas sinnvolles zu nutzen. Und am Freitag muss ich wieder arbeiten und das scheint mir gerade einfach viel zu viel zu sein. Alle Leute sagen mir immer dass ich in meinem Job ja so viel Freizeit habe, viel frei für wenig Arbeit. Tja, dann könnt ihr euch ja jetzt die Mäuler darüber zerreißen, dass ich so ein scheiß Sensibelchen bin, dass mir sogar das bisschen Arbeit zu viel ist. Und ich kann mich darüber ärgern, dass ich mir solche Sprüche zu Herzen nehme, und selbst denke, dass ich einfach ein faules Stück Scheiße bin. 

Ihr seht also, es könnte besser laufen. Meine Psyche ist angeschlagen und mir fehlt die Kraft, etwas dagegen zu tun. Ich weiß, dass die Zeit mein Freund ist und dass es mir in ein paar Wochen auch irgendwann wieder besser gehen wird. Aber ich habe gerade einfach so einen Selbsthass, dass ich mir nur Vorwürfe machen kann. Wenn ich sage ich bin krank dann sage ich mir im selben Moment, dass das nur eine scheiß Ausrede ist, um weiter faul zu sein. Und ich kann es nicht mehr hören. Tod, Missbrauch, Borderline bla bla bla. Als wäre ich eine scheiß Aufziehpuppe, die immer wieder das gleiche von sich gibt. Ich kann doch nicht immer alles was nicht gut läuft auf meine Vergangenheit und meine Krankheiten schieben. Aber ich kann das auch nicht einfach ignorieren. Oder doch? Keine Ahnung. Je mehr ich darüber nachdenke, desto wütender werde ich auf mich selbst. Und dann kommt die Stimme in meinem Kopf, die mir sagt, dass ich mich nach einem Schnitt besser fühle und dann endlich die Dinge machen kann die ich will, ohne mich weiter schlecht zu fühlen. Und dann breche ich in Tränen aus, weil ich nicht den Rest meines Lebens so verdammt eingeschränkt sein will. Die Leute verstehen nicht, wie viel meiner Zeit dafür draufgeht, mich psychisch stabil zu halten. Es ist seit Jahren so und es wird den Rest meines Leben so bleiben, weil es keine Heilung gibt. Und irgendwann sind die Leute es satt das zu hören, so wie ich es jetzt satt bin. Weil es sich wie eine Ausrede anhört. Ich bin so hin und her gerissen. Ich will dass jemand mir sagt was ich tun soll. Oder zumindest dass mir jemand sagt welche der Stimmen in meinem Kopf die Wahrheit sagt. Ist es okay sich eine Auszeit zu nehmen weil man krank ist? Oder bin ich einfach ein Schwächling, der seine Krankheit als Ausrede nutzt? Ich weiß überhaupt nicht mehr was ich denken soll. Ich weiß nur, dass mich mein Leben so wie es jetzt ist nicht glücklich macht. Und dass ich den Arsch hochkriegen muss, wenn ich will, dass sich das ändert. Und dass ich viel zu erschöpft vom Leben bin, um das hinzukriegen. 

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