Hallo meine Lieben. Ich hätte diesen Post hier früher machen sollen. Vielleicht am Montag, am Dienstag oder auch am Mittwoch. Denn an diesen drei Tagen ging es mir so unfassbar gut! Ich war froh, mir ein paar Tage vom Lernen frei nehmen zu können und einfach mal das zu tun, was ich wollte. Da ich momentan bei meinem Vater bin, war er zwar abends da und ich musste mich beim kochen ein bisschen nach ihm orientieren, aber das war okay. Ich habe es genossen, dass ich aufbleiben konnte, solange ich wollte, weil ich am nächsten Morgen solange schlafen konnte, wie ich wollte. Ich habe es genossen, dass ich frühstücken konnte, was ich wollte, wann ich es wollte und was ich dazu gucken wollte. Ich konnte Serien gucken, an meinem Buch schreiben, Bücher lesen, zocken, spazieren gehen, alles tun was ich wollte, wann ich es wollte. Ich habe mich so gut gefühlt. Schon am Montag. Als ich Sven abends geschildert habe, wie ich mich fühlte, hat er gesagt, ich wäre ausgeglichen. Anscheinend war ich schon lange nicht mehr ausgeglichen, denn ich hatte vergessen, wie sich das anfühlt. Es hat mir gefallen und ich habe mir gewünscht, ich könnte mich immer so fühlen. Am Dienstag war es genauso und am Mittwoch auch. Doch am Mittwoch Abend war es vorbei damit. Da kam mein Vater nämlich von der Arbeit und wegen Schmerzen in der Hand gejammert. Am Donnerstag ist er nicht arbeiten gegangen und wurde bis Dienstag krankgeschrieben, weil er eine Sehnenscheidenentzündung hat. Was ich ihm nicht ganz abkaufe, aber dazu komme ich später. Jedenfalls ist es seitdem wieder vorbei damit, mein Leben so zu führen, wie ich es will. Jetzt kann ich nicht mehr so lange aufbleiben, wie ich will, weil meine Vater mich ab einer bestimmten Uhrzeit aus dem Bett schmeißt und wenn ich zu wenig geschlafen habe, ertrage ich das noch weniger. Ich kann nicht mehr frühstücken was ich will, das bestimmt er. Er bestimmt auch, wann wir frühstücken und ferngesehen wird dabei auch nicht. Wie sonst an den Wochenenden muss ich immer bereit sein, falls er irgendwo hin fahren will. Was er ständig will. Oder wir gehen spazieren. Das es mir zu kalt ist, um drei Stunden in der Kälte rumzustehen ist egal. Dass ich deswegen jetzt richtig doll erkältet bin auch. Dass ich wegen der Erkältung noch weniger Lust habe, etwas anderes zu machen, als auf dem Sofa zu liegen, unverständlich. Ich habe keine Sekunde mehr für mich. Selbst, wenn ich in mein Zimmer gehe kommt er nach spätestens einer halben Stunde rein, weil er irgendwas von mir will. Ich kann also meine Freizeit absolut nicht mehr genießen, weil ich sowieso bei allem, was ich tue unterbrochen werde. Selbst das Abendessen ist schlimmer als sonst, weil er jetzt bestimmt, was gegessen wird. Ich kann keinen Schweinebraten mehr sehen. Heute gibt es zum vierten Mal diese Woche Schweinefleisch mit Kartoffeln und Bratensoße. Ich habe nichts dagegen, das gleiche Gericht oft hintereinander zu essen...wenns Pizza oder sowas ist, aber dieses Spießeressen verfolgt mich schon mein ganzes Leben lang, das gute Sonntagsessen, ich könnte kotzen. Heute ist er besonders nervig. Ein Bekannter hat eben angerufen, dass er Papas Kaninchen schon gemistet und gefüttert hat. Meinen Vater freut das natürlich, mir versaut es den Tag noch mehr, weil das sonntags die einzige Tätigkeit ist, die mein Vater alleine macht. Ich hätte 1-2 Stunden Ruhe vor ihm gehabt, aber jetzt habe ich ihn den ganzen Tag an der Backe kleben. Nach dem Frühstück habe ich mich dann aufs Sofa gesetzt und lustige Youtube Videos geguckt. Ich habe es extra mit Kopfhörern geguckt, weil mein Vater sonst immer von den Geräuschen genervt ist, vor allem, wenn die Leute auf englisch sprechen, weil er es dann nicht versteht. Nicht, dass er es nicht sowieso nicht verstehen würde, weil es um Serien geht, die er nicht guckt, aber hey, warum irgendwas logisch betrachten? Naja, jedenfalls hat er ständig dazwischen geredet, als ich meine Videos gucken wollte und ich musste jedes Mal die Kopfhörer rausnehmen und nachfragen, was er gesagt hat, weil er zu leise gesprochen hat. Kaum hatte ich die Kopfhörer wieder rein getan und wieder auf Play gedrückt, sagt er schon wieder was und das ganze geht wieder von vorne los. Sieht er nicht, dass ich gerade beschäftigt bin? Irgendwann hatte ich die Schnauze voll, weil es jedes Mal so dermaßen irrelevante Sachen für mein Leben waren, dass sie es mir nicht mehr wert waren, mein Video zu pausieren. Als ich meinem Vater infolge dessen nicht mehr geantwortet habe, hat er angefangen rumzubrüllen und mir mein Handy weggenommen. Damit ist er jetzt weg gefahren. Natürlich, es ging ja um sein Lieblingsspiel, Pokemon go. Er ist jetzt mit unseren Handys in den Nachbarort gefahren, um dort irgendein seltenes Pokemon zu fangen und ich besaß die Unverschämtheit, ihn zu ignorieren. Ja, mein Vater ist seit ca. einem Jahr absolut süchtig nach dieser App. Im April hatte Sven sie sich auch geholt, in der Hoffnung, sich dadurch mehr zu bewegen. Als mein Vater dann immer mit Sven durch die Gegend gegangen ist, um Pokemon zu fangen, habe ich sie mir irgendwann auch geholt. Am Anfang war es sogar ganz cool, die beiden sind endlich freiwillig mit mir spazieren gegangen und ich hatte etwas, worüber ich mit meinem Vater reden konnte, damit wir uns nicht die ganze Zeit anschweigen. Aber es wurde immer schlimmer. Er ist zu spät zu essen gekommen, weil er wegen dem Spiel noch irgendwo hin musste. Er hat angefangen, sich mein Handy zu nehmen, um irgendwelche seltenen Pokemon zu fangen. Er ist stundenlang mit mir in die Stadt gefahren, weil dort Nester waren. Wenn es warm ist und ich nichts zu tun habe, ist das auch vollkommen in Ordnung. Aber zum Beispiel die letzten Wochen während der Prüfungszeit ging es genauso. Ich habe zwei Klausuren verschissen, weil mein Vater ein Spielproblem hat! Ich habe es nie erwähnt, weil es eigentlich viel zu peinlich ist, um es irgendwem zu erzählen. Aber jetzt musste es mal raus. Ihr denkt euch wahrscheinlich, warum lässt die sich das gefallen? Aus dem gleichen Grund, warum ich mir von meinem Vater immer habe alles gefallen lassen. Weil die Angst, die ich vor ihm habe größer ist, als die Sorge um meine Zukunft. Weil ich mich noch nie gegen ihn wehren konnte. Außerdem macht das Spiel ihn für mich zugänglicher. Wenn ich viel mit ihm spiele, bekommt er bessere Laune und tut mir mehr Gefallen, bzw lässt sich auch von mir mehr gefallen. Er bringt mir ständig Guthaben mit, damit ich mir in-game etwas kaufen kann. Das meiste von dem Geld stecke ich stattdessen in meine Internetflats. Er hat mir sogar letztes Jahr ein neues Handy gekauft, weil mein altes mit der App nicht klar gekommen ist und ich kein Geld für ein neues Handy hatte. Und einfach nach Bonn zurück fahren kann ich auch nicht einfach, weil mein Vater erstens sein privates Auto braucht, wenn er krank geschrieben ist und zweitens Sven auch Zeit mit seiner Mutter verbringen möchte. Und wiederum nicht alleine in meiner Wohnung bleiben kann, ohne jeden Abend eine Panikattacke zu bekommen. Es ist schon eine verzwickte Situation. Außerdem können wir es uns nicht erlauben, noch eine Person zu verärgern, die uns Geld fürs Studium gibt, sonst können Sven und ich uns nämlich bald eine Ausbildung suchen.
Maaan, die Woche hatte doch so gut angefangen, ich habe schon über dreißg Seiten geschrieben, habe zwei Bücher gelesen, vom Amt habe ich endlich mein Bafög wieder bestätigt bekommen und es ging mir endlich mal wieder gut. Und jetzt fühle ich mich durch die permanente Anwesenheit von meinem Vater wieder so eingeschränkt, das Gefühl der Ausgeglichenheit ist verflogen. Das schlimme ist, dass ich jetzt wieder weiß, wie es sich anfühlt. Ich will es zurück. Es geht mir viel schlechter als vorher, weil ich wieder gemerkt habe, wie schön es ist sich gut zu fühlen. Ich wollte dieses Gefühl behalten und mein Vater hat es mir wieder genommen und dafür hasse ich ihn momentan. Und damit bin ich zurück bei meiner Anschuldigung vom Anfang, ich glaube ihm nicht, dass er irgendwas hat. Ich glaube, er wollte nur mehr Zeit für sein dämliches Spiel, weil er für morgen eine Einladung zu einem Ex-Raid bekommen hat. Komischerweise ist er nämlich nur bis Dienstag krank geschrieben. Doch jedes Mal, wenn er irgendwem von seiner Verletzung erzählt sagen die, dass man damit mindestens 6 Wochen raus ist. Ich hätte in diesem Momenten am liebsten erst diese Leute erschossen, weil sie meinem Vater die Flausen in den Kopf setzen, er könnte mir die gesamten restlichen Ferien am Arsch kleben, und danach mich selbst bei dem Gedanken daran, dass mein Vater mir die nächsten 6 Wochen am Arsch klebt. Der soll bloß ab Mittwoch wieder arbeiten gehen. Und er stellt sich an, um Gottes Willen. Er bekommt seine Bierflasche nicht alleine auf, ich muss seinen Schokoriegel aus der Verpackung holen und ich denke mir so Junge, ich hatte auch schon eine Sehnenscheidenentzündung, das ist kein Grund, sich so anzustellen. Selbst Sven sagt, er hatte das auch schonmal und fand es nicht so schlimm und der ist nun wirklich empfindlich. Nichts für Ungut :D.
Joa und so wird mein Leben jetzt also wieder von meinem schlimmsten Alptraum terrorisiert, von dem ich dachte, er wäre seit 17 Monaten vorbei.
Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen