Hallo lieber Blogger-Comunity. mein letzter Post liegt leider schon zwei Wochen zurück, das tut mir Leid. Tatsächlich war es bereits Mittwoch, als ich bemerkt habe, dass ich noch nicht geblogg habe, und dann dachte ich mir, kann ich mir das auch schenken. Aber wenn ihr meinen letzten Post gelesen habt, dann wusstet ihr ja, dass ich momentan ziemlich gestresst und überfordert bin. Doch zuerst will ich euch etwas positives erzählen, um etwas an das Ende meines letzten Post anzuknüpfen: Ich habe mich überwunden, Anrufe getätigt und habe es geschafft einen Termin für ein Erstgespräch mit einer Theapeutin zu vereinbaren. Der Termin ist zwar erst in knapp 3 Monaten, aber immerhin habe ich es geschafft, das überhaupt mal anzugehen. Dann habe ich es diese Woche wirklich geschafft, mich richtig krass zum lernen aufzuraffen, verschwende keine Zeit mehr damit, depressiv im Bett rumzuliegen und bekomme wirklich was getan. Leider scheint es das Universum nicht zu erfreuen, wenn ich mal produktiv bin, denn seit gestern bin ich krank, was nicht wirklich förderlich fürs lernen ist. Doch da ich jetzt zumindest für 2 Wochen noch ein ordentlicher Student bin, habe ich mich mit Tabletten, Nasenspray, Vitaminpräperaten und Kaffee vollgepumpt und weitergemacht. Und vor einer halben Stunde bin ich tatsächlich mit meinem Pensum für heute bzw. generell für die Woche fertig geworden. Deshalb schätze ich, werde ich heute mal etwas früher in Bett gehen und mir etwas Ruhe gönnen. Mein Pensum für morgen sind höchstens 2 Stunden Arbeit, also habe ich morgen einen ruhigeren Tag, der hoffentlich ausreichen wird, damit ich Montag wieder fit bin. Montag ist nämlich ein voller Tag, ich hab 8 Stunden Uni, bin dann voraussichtlich um 17 Uhr zu hause und nach einer Essenspause muss ich mit den nächsten Klausurvorbereitungen beginnen. Ihr merkt vielleicht, dass ich es wirklich geschafft habe die Motivation zu finden, nach der ich so lange gesucht habe. Es ist zwar ärgerlich, dass diese direkt durch eine nervige Krankheit gebremst wurde, aber davon werde ich mich nicht unterkriegen lassen. Hoffe ich zumindest. Ich muss noch zweieinhalb Wochen durchhalten, dann ist die erste Klausurenphase vorbei und ich hoffe natürlich, dass es sich für mich damit erledigt hat. Aber selbst wenn nicht, ich hätte trotzdem genug Zeit um eine Woche durchzuschlafen, um die fehlende Ruhe bis dahin nachzuholen, so machen andere Leute das doch bestimmt auch.
So und um nochmal über das zweite Thema, was neben der Uni gerade mein Leben bestimmt zurückzugreifen. Svens Mutter hat vor zwei Tagen wieder mit der Chemo begonnen. Diesmal ging es zum Glück gut, auch wenn ich von der Idee einer neuen Chemo noch nicht wirklich überzeugt bin. Psychisch geht es der Frau aber gar nicht gut. Sie ist immer noch in der Psychiatrie und kommt am Wochenende nach hause. Da Svens Stiefvater samstags arbeiten muss, dürfen wir bzw. da sich Krankheit und Chemo nicht gut verträgt momentan nur Sven, bei ihr bleiben, da sie absolut nicht mehr alleine sein kann. Die Formulierung von Svens Stiefvater (vor den Augen seiner Frau) war besonders nett: "Ihr könnt euer Privatleben für die nächsten 12 Wochen in die Tonne kloppen". Also erstens entscheide immer noch ICH über MEIN Privatleben und zweitens, was für ein Hurensohn muss man eigentlich sein? Svens Mutter war so deprimiert danach, weil sie jetzt natürlich das Gefühl hat, für alle nur eine Belastung zu sein. So hätte sich glaube ich jeder nach dieser Aussage gefühlt. Natürlich ist es eine Belastung für alle Beteiligten, wenn jemand nicht mehr in der Lage ist 2 Stunden alleine zu sein. Ich hatte sowohl letzten Samstag, als auch diese Woche andere Sachen geplant als das Händchen meiner künftigen Schwiegermutter zu halten (unter anderem den Abiball meiner alten Schule, worauf ich mich echt gefreut hatte..seit ca. einem Jahr). Aber die Frau kann nichts dafür, dass es so ist, sie hat sich das ja nicht ausgesucht. Also sollte man ihr auch keine Vorwürfe machen und ihr nicht das Gefühl geben, dass man keinen Bock darauf hat. Ich muss zugeben, bis vor einer Woche habe ich sehr versucht, mich von dieser ganzen Geschichte zu distanzieren. Natürlich war ich bei Svens Mutter, habe mich mit ihr unterhalten, mich erkundigt, wie es ihr geht und so. Aber ich habe emotional versucht, diese ganze Krebsgeschichte nicht an mich heran zu lassen. Hab einen kühlen Kopf behalten und so. "Du hattest dein Drama schon", habe ich mir gesagt, "Das überlebst du kein zweites Mal". Das mag auch sein. Aber letzte Woche ist mir klar geworden, dass ich mich da nicht so einfach rausziehen kann. Zu meinem eigenen Schutz halte ich emotional immer noch so viel Abstand dazu, wie ich kann, weil falls diese Geschichte schlecht endet weiß ich wirklich nicht, ob ich das ein zweites Mal überleben würde. Fürs Protokoll, ich glaube nicht daran, dass das schlecht endet, im Gegenteil, ich bin sogar sehr optimistisch. Aber man darf eben nicht außer Betracht lassen, dass Krebs eben ein Arschloch ist. Aber zurück zum Thema. Letztes Wochenende habe ich etwas mehr Zeit mit Sven und seiner Mutter verbracht, ich war den ganzen Samstagabend da und bin Sonntag Nachmittag auch nochmal auf einen Kaffee vorbei gekommen. Erstens waren alle irgendwie total erfreut von meiner Anwesenheit und zweitens konnte ich mich nicht mehr vor dem ganzen Ausmaß der Situation entziehen. Ich durfte mit eigenen Augen sehen, wie Svens Stiefvater vollkommen überfordert ausgerastet ist. Wie Svens Mutter in egal welcher Situation nur noch über Krebs redet, es gibt in ihrer Anwesenheit wirklich gar kein anderes Thema mehr, was natürlich alle Leute, denen das nahe geht, absolut wahnsinnig macht. Und da ich zur Abwechslung mal voll im Bilde war, konnte sich Sven so richtig darüber auskotzen, als wir wieder in Bonn waren am Sonntag Abend. Sonst kann ich nicht immer alles 100%ig nachvollziehen, was er mir erzählt, aber da ich dieses Mal das ganze Ausmaß der Situation gesehen habe, konnte ich das dieses Mal eben doch. Und am Ende von diesem Wochenende wusste ich dann, dass mich nicht so davon distanzieren kann, wie ich es gerne hätte. Also doch, ich könnte, aber das erscheint mir nicht mehr richtig. Ja, ich hatte mein Drama schon, aber jetzt bekomme ich eben noch eins, wenn es soweit kommen sollte.
Ich wollte doch einfach mal ein Semester schaffen ohne dass irgendwas passiert. Ohne dass jemand erschossen wird, ohne Angstattacken von meinem Freund, ohne dass sich irgendwer vor nen Zug schmeißt, ohne dass jemand Krebs bekommt. Aber irgendwas ist anscheinend immer. Hört das jemals auf? Ich glaube es mittlerweile nicht mehr, es gibt immer etwas, womit man dealen muss. Das ist wirklich zum kotzen, aber was soll ich machen? Gut, das war mein Wort zum (fast) Sonntag. Ich wünsche euch noch ein schönes Restwochenende, eine erfolgreiche Woche und ich hoffe, wir hören uns nächstes Wochenende wieder. Bis dann ihr Lieben!
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