Hallo meine Lieben. Ich hoffe euch hat es gefallen, dass ich letzten Monat so viel geschrieben habe. Mir hat es auf jeden Fall viel Freude bereitet, so viel zu schreiben. War mal eine nette Abwechslung dazu, immer nur über meinen langweiligen Alltag zu schreiben. Ich habe auch sonst viel geschrieben und endlich den Rohentwurf zu meinem Buch fertig gestellt. Mein Freund darf es gerade lesen und ich bin super gespannt auf seine Rückmeldung. Ich würde am liebsten gar nicht mehr damit aufhören, Bücher zu schreiben, mir schwirrt sowieso so viel im Kopf rum, dann kann man daraus wenigstens was sinnvolles machen. Aber heute wollte ich euch eigentlich von etwas anderem erzählen. Ich habe mich gestern mit einer Mitarbeiterin vom weißen Ring getroffen, weil ich eine Beratung haben wollte, ob ich irgendwelche Handlungsoptionen habe, um jetzt noch etwas gegen meinen Onkel und für meinen Seelenfrieden machen zu können. Aber irgendwie fand ich das Gespräch nicht so produktiv. Ich habe mich deshalb so verrückt gemacht, weil ich Angst davor hatte, mich wieder mit dem ganzen Scheiß auseinander zu setzen. Der Kommentar meiner Psychologin dazu war folgender: "Sie setzen sich bereits ihr gesamtes Leben mit diesem Scheiß auseinander. Sie haben einfach nur Angst davor, es laut auszusprechen und damit aus sich heraus zu kommen.", was es im Grunde ganz gut trifft. Naja, auf jeden Fall hat diese Frau vom weißen Ring mich quasi in ihre Kartei aufgenommen, mir gefühlt 100 Prospekte da gelassen, in Anzeige, Prozessvorgang, Opferschutz, Entschädigungsanspruch, Kliniken für Traumatherapie und so weiter thematisieren. Ganz ehrlich, die Infos hätte ich mir auch selbst aus dem Internet ausdrucken können. Sie wirkte einfach total unempathisch und ich hatte das Gefühl, als ich erzählt habe, dass das Ganze schon 20 Jahre her ist und "nur" über 3 oder 4 Jahre ging, war ihr das nicht schlimm genug, um ihre Zeit weiter darein zu stecken. Ich denke nicht, dass es bei einer Organisation zum Opferschutz dazu kommen sollte, dass einem dieses Gefühl vermittelt wird, oder? Ich werde jetzt ein paar Anträge schreiben, bezüglich Entschädigung und mir die Sache mit der Anzeige durch den Kopfn gehen lassen. Nichtmal dazu konnte die Dame mir viel sagen, sie sei ja kein Anwalt, könnte mir aber einen Check ausstellen, damit ich zu einem gehen kann. In der Broschüre über den Strafprozess standen auch keine hilfreichen Informationen. Ich weiß nur von anderen, die sich haben beraten lassen, dass jedem einzelnen davon abgeraten wurde, Anzeige zu erstatten. Also wird das bei mir wahrscheinlich auch darauf hinauslaufen. Ich habe keine Zeugen, bzw falls doch ist eine tot, die andere weggezogen und der dritte ein unglaubwürdiger Alkoholiker. Und der Täter wird es wohl kaum zugeben, ich habe keine Beweise, außer meiner psychischen Probleme, aber die würde die Verteidigung dann bestimmt ausschließlich auf den Tod meiner Mutter schieben. Was Blödsinn ist, weil ich mich auch vorher schon immer beschissen gefühlt habe und mich in dieser Scheißwelt einfach nirgendwo zugehörig. Ich habe angefangen mich selbstzuverletzen, bevor Mama krank wurde, es war nur nach ihrem Tod einfacher, es darauf zu schieben als zu erklären, dass ich keine Ahnung habe, warum ich mich schon immer so gefühlt habe. Und da die Flashbacks erst im Laufe meiner ersten Therapie gekommen sind, wird man das als nicht glaubwürdig darstellen. Aber ich will das einfach nicht mehr unkommentiert so stehen lassen. Doch so wie es aussieht wird es wohl darauf hinauslaufen, dass ich dieses Schwein eigenhändig kastrieren muss, damit etwas geschieht. Selbstjustiz ist schließlich auch ein Weg. Der einzige, wenn ich irgendwie Gerechtigkeit erfahren will. Aber dann würde ich mir mein Leben nur noch mehr versauen, weil ich dann in den Knast oder in die Klapse komme. Oder ich muss mich vorher so besinnungslos saufen, dass ich als unzurechnungsfähig freigesprochen werde. Das klingt nach der besten Option. Ob seine Tochter mich danach hassen würde? Vielleicht wäre sie aber auch froh. Ich kann nicht einschätzen, ob er ihr auch was getan hat. Ich denke schon, aber ich hoffe nicht. Wenn nicht, dann versaue ich ihr das ganze Leben, wenn ich ihn anzeige oder verletze oder umbringe. Eigentlich wäre es ja trotzdem seine Schuld, er hätte sich ja nicht an mir vergehen müssen. Aber es fühlt sich trotzdem wie meine Verantwortung an. Ich weiß nicht. Ich schätze, ich werde erstmal diesen Antrag ausfüllen und mit meiner Psychologin nochmal diskutieren, wie gut oder schlecht eine Anzeige wäre. Ich halte euch auf dem Laufenden. Und jetzt werde ich erstmal etwas raus gehen. Ich trage immer noch meine Schlafsachen und fühle mich ausgelaugt und deprimiert, ein bisschen Bewegung und ne Dusche helfen bestimmt. Ich wünsche euch ein schönes (hoffentlich) langes Wochenende. Bis bald!
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