Sonntag, 30. Mai 2021

Tag 30

 Schreibe darüber, was du fühlst wenn du schreibst.


Was ich fühle wenn ich schreibe ist genau das, was ich gerade schreibe. Egal ob auf diesem Block oder wenn ich eine Geschichte in mein Notizheft kritzel, oder ich an meinem Buch schreibe. Ich lege immer Emotionen in das, was ich schreibe. Es ist der ehrlichste Kommunikationsweg, den ich kenne. Wenn ich darüber schreibe, wie zwei Menschen sich streiten, dann kann ich dabei ihre Verletzlichkeit fühlen und bin danach erstmal selbst so aufgewühlt, dass ich erstmal eine rauchen gehe. Wenn ich mit jemandem über ein für mich schwieriges oder schmerzhaftes Thema spreche und nicht mehr weiß, wie ich die richtigen Worte finden soll, mir nicht zutraue, die Wahrheit auszusprechen, dann sage ich meinem Gegenüber "Warte, ich schreib's dir" und dann klappt das viel besser. Oft gehen mir Gedanken so lange nicht aus dem Kopf, bis ich sie niederschreibe. Danach fühle ich mich befreit und kann wieder zu Ruhe kommen. Es ist der einfachste Weg, meine Gefühle rauszulassen, wenn auch manchmal hinter Geschichten verborgen. Das schreiben hilft mir, Dinge zu verarbeiten. Es ist großartig, ein belastendes Ereignis hinter Fiktion ein Stück weit verstecken zu können. Mir macht es große Freude zu schreiben und ich bin immer richtig glücklich, wenn ich viel Zeit dafür habe und es fühlt sich an, wie eine Win-Win Situation, wenn ich bei etwas, das mir Spaß macht, auch noch einiges an Scheiße, die mich belastet, aufarbeiten kann. Bald will ich versuchen, etwas zu veröffentlichen, was ich geschrieben habe. Also nicht im Internet, sondern bei einem richtigen Verlag. Es wäre toll, wenn ich mit dem, was ich schreibe andere Menschen berühren könnte, jemanden mit meinen Worten Trost schenken kann oder das Gefühl, verstanden zu werden. Ich selbst habe es immer als große Bereicherung erlebt, Bücher über meine geliebten Tabu Themen zu lesen, über Selbstverletzung, Essstörungen, Missbrauch und so weiter. Es war erleichternd zu lesen, dass ich nicht den Verstand verloren hatte, sondern, dass es Menschen da draußen gibt, die sich genauso fühlen wie ich. Solche Bücher haben mir geholfen, mich selbst besser zu verstehen und mir dort Sätze der Erklärung zu schenken, wo mir selbst die Worte fehlten. Es wäre mir eine große Ehre, davon etwas an die Welt zurück zu geben und anderen Menschen genauso zu helfen, wie mir geholfen wurde, als ich Trost in den Geschichten von anderen gesucht habe. 

Zu schreiben bedeutet für mich außerdem, die Gefühle, die ich habe besser zu verstehen. Oft weiß ich gar nicht genau, wie ich mich fühle, bis ich gelesen habe, was ich schreibe und dann ergibt vieles plötzlich mehr Sinn. Es ist Therapie. Und gibt mir das Gefühl, mit meinem Verstand etwas sinnvolles anzufangen, denn so blöd das klingt, aber ich lese gerne, was ich geschrieben habe, denn ich kann die Gefühle, die hinter jedem Wort stecken beim lesen wieder fühlen. Es ist wie einen alten Song, den man vor Jahren in einer gewissen Zeit gehört hat, plötzlich wieder zu hören, und wieder genau das zu fühlen, was man beim ersten Mal gefühlt hat, als man den Song bewusst gehört hat. Wenn ich schreibe, und sei es über noch so schlimme Dinge, dann ist das etwas Gutes, denn das bedeutet, dass ich gerade stark genug bin, mich damit auseinander zu setzen, bereit zu sein, daran zu arbeiten. Deshalb liebe ich es zu schreiben, es gibt mir so viel, ich kann Kraft daraus tanken und mir selber helfen, mich weiterzuentwickeln. Es war die beste Entscheidung meines Lebens, mir mein erstes Notizbuch zu kaufen und einfach damit anzufangen.

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