Huhu, ich lasse auch endlich mal wieder etwas von mir hören. War ja klar, dass ich mich nach so einer schreibintensiven Zeit wieder vom Alltagsstress einfangen lasse, oder? Als kleine Erklärung: Ich bin seit drei Wochen in meinem seit zwei Jahren gefürchteten Hasseinsatz: In der Gerontopsychiatrie auf einer Demenzstation. Ich fühle mich jedes Mal total gemein und unmenschlich wenn ich das sage, aber ich arbeite einfach nicht gerne mit alten Menschen und Demenz ist so ziemlich das anstrengendste Krankheitsbild, das es gibt. Zumindest in meinem Empfinden. Auf der einen Seite ist es für mich eine Art unausgesprochener Warnung, dass das jeden in meinem Umfeld treffen kann und eines Tages auch mein Leben bestimmen könnte. Auf der anderen Seite finde ich es auch einfach richtig traurig, dass die einzige Behandlung eine medikamentöse Einstellung ist, die nicht wirklich viel bewirkt. Es ist einfach kein schönes arbeiten, wenn die Patienten einen nicht wiedererkennen und nichts von dem was du sagst eine Bedeutung hat, weil sie es ja eh in 15 Minuten wieder vergessen haben. Natürlich stimmt das so nicht, es ist sehr wohl von Bedeutung, den Erkrankten trotzdem noch mit Respekt und Wertschätzung entgegenzutreten, weil der aktuelle Moment alles ist, was sie noch haben, aber für mich ist das einfach unfassbar frustrierend, weil es mir schwer fällt, einen Sinn in meiner Arbeit zu sehen, was natürlich Gift für meine Motivation ist. Naja, auf jeden Fall stresst mich dieser Einsatz und ich habe mich auch schon zwei Wochen vorher total kirre gemacht, weil ich genau das erwartet habe. Und das ist gerade mein erstes freies Wochenende in diesem Einsatz, weshalb ich vorher nicht wirklich die Ruhe hatte, mich zum bloggen hinzusetzen. Oder generell irgendwas zu machen, was ich eigentlich gerne mache. Ich habe kaum noch was gelesen, selbst geschrieben erst recht nichts, habe kaum Spaziergänge gemacht, meinen Sportplan vernachlässigt, kein Yoga gemacht und mich auch sonst nicht wirklich mit Achtsamkeit oder meiner Therapie oder irgendwas auseinandergesetzt. Den Scheiß bezüglich Opferschutz, Anzeige etc. habe ich ganz weit nach hinten in meinem Gehirn verschoben, weil mir im Moment einfach die Kraft fehlt, mich damit auseinander zu setzen. Ich bin auch so schon angespannt genug. Und irgendwie fühle ich mich für das alles nicht bereit. Ich habe mit einer Hand voll Personen meines Vertrauens über das Ganze gesprochen und erzählt, was die Dame von der Organisation gesagt hat und alle haben mir mehr oder weniger das gleiche gesagt: Sprich mit dem Anwalt, wenn dir diese Möglichkeit gegeben wird und hör dir seine Meinung an, du hast nichts zu verlieren. Im Grunde stimmt das ja. Trotzdem habe ich vor einer Weile zu meinem Freund gesagt: Ich wünschte, jemand würde die Entscheidung für mich treffen, denn ich weiß nicht, was ich machen soll. Er hat mich daraufhin darauf hingewiesen, dass mir jetzt vier Leute gesagt haben, was ich tun soll und wenn ich trotzdem noch das Gefühl habe, nicht weiter zu kommen, dann bin ich wohl noch nicht soweit, diesen Schritt zu gehen. Was mich im Grunde auch ankotzt, denn ich WILL soweit sein. Aber Corona macht es mir auch nicht einfacher. Denn zu den meisten Terminen dürfte ich nicht mal eine Begleitperson mitnehmen, was das Gefühl, mit allem alleine dazustehen nur noch stärker macht. Aber wer weiß, wie lange Corona noch einen so großen Einfluss auf unser Leben hat, ich kann doch nicht alles auf ein vielleicht niemals existentes "danach" verschieben. Ach Leute, ich habe so keinen Plan was ich tun soll oder nicht oder tun kann oder vielleicht doch noch nicht, in meinem Kopf ist ein einziges durcheinander. Und wegen meiner scheiß Arbeit, die mich auch kirre bis zum geht nicht mehr macht, finde ich einfach kein Ventil. Mir fehlt die Ruhe, mich einfach mal hinzusetzen und Ordnung ins Chaos zu bringen. Das kommt mir wie so ein großes Projekt vor, dass ein freies Wochenende sich zum anfangen gar nicht lohnt, was natürlich auch mal wieder absoluter Blödsinn ist. Ich bin einfach so erschöpft von der Arbeit, dass ich danach nur noch sinnlos auf der Couch herumliege, esse und schlafe. Was eigentlich ein ziemliches Warnsignal dafür ist, dass ich mir von dieser meinen Verstand vergiftenden Station dringend eine Auszeit nehmen sollte, aber ich habe Angst, dass es einen schlechten Eindruck macht, wenn ich schon wieder krank bin. Schließlich habe ich mich im Januar schon zwei Wochen krankschreiben lassen. Und das schlimmste habe ich eigentlich schon hinter mir, die Zeit in der ich kaum frei hatte. Jetzt habe ich nur noch 10 Dienste vor mir in 17 Tagen, ich muss nie mehr als 5 Tage am Stück arbeiten und habe immer mindestens 2 Tage dazwischen frei. Ich hoffe, dass ich also in den kommenden drei Wochen wieder mehr für mein psychisches Wohlbefinden machen kann und dann im nächsten Schulblock wieder fit bin. Ich möchte zumindest jetzt wieder etwas aktiver werden und meine Freizeit auch so angenehm wie möglich gestalten, mich mit meinem Buch beschäftigen, Spaziergänge machen, meditieren, Yoga machen und Inhalte aus meiner Therapie umsetzen. Weil so wie es gerade ist, kann es nicht weitergehen. Ich denke nur noch an Selbstverletzung, habe Alpträume und bin nur noch unzufrieden und meckere vor mich hin. Aber jetzt hatte ich wieder ein paar Tage zum durchatmen und konnte herauskristallisieren , was mir gerade wichtig ist und was ich brauche. Das Ende meines Einsatzes ist auch in Sicht, deshalb bin ich doch guter Dinge, dass es jetzt wieder etwas bergauf gehen wird. Ich hoffe euch geht es gut und ihr lasst euch nicht so von der Arbeit runter ziehen wie ich! Bis bald meine Lieben!
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