Montag, 17. November 2014

Lügen. Es waren so viele Lügen in den letzten Monaten. Wenn man Lügen oft genug wiederholt, dann glaubt man sie irgendwann selbst. Ja, auch ich habe meine eigenen Lügen geglaubt. Ich habe mir und den anderen immer und immer wieder eingeredet, es ginge mir gut, dass ich besser klar käme, dass alles wieder gut werden würde. Alles Lügen, verfickte Lügen! Ich hasse mich! Und es geht mir auch nicht besser, es wird alles immer unerträglicher. Ich kann nur besser Lügen als früher. Und ich hasse mich selbst dafür. Ich kann mir nichts mehr vormachen. Aber ich habe sie angelogen, weil es mir auch nicht hilft die Wahrheit zu sprechen. Andere verstehen es meistens nicht, weil sie es nie selbst erlebt haben, Gott sei Dank, aber ich sehe es in ihren Augen, dass es sie quält wenn ich erzähle und das will ich nicht. Aber dennoch kann ich mir selbst nicht mehr weiß machen dass alles gut ist. Es ist nämlich alles so unglaublich scheiße! Zu hause zu sein, Tag für Tag dem Menschen ins Gesicht blicken müssen, der mich Jahrelang vergewaltigt hat. Der meine Mutter und mich wie den letzten Dreck behandelt hat. Der mir immer noch droht, wenn ich irgendwas sage. Ich hasse diesen Menschen, ich hasse ihn so sehr. Er hätte damals sterben sollen, nicht sie.
Und sie glauben alle es wäre so einfach. "Mach doch EINFACH mal" "Überwinde dich EINFACH" "Du kannst deshalb nicht ewig schlecht drauf sein"...Schlecht drauf sein, ja das ist schön ausgedrückt. Mache Menschen sollten einfach ihre Fressen halten. Sie können es sich nicht vorstellen wie es ist. Nachdem das mit dem Missbrauch aufgehört hat - wofür übrigens meine Mutter gesorgt hat- habe ich es verdrängt, es aus meinem Gedächtnis verbannt. Trotzdem kam ich mir mein ganzes Leben wie eine Ausgestoßene vor. Ich hatte, mir scheinbar ohne Grund, plötzlich Nervenzusammenbrüche. Habe außer meiner Mutter keinem Menschen richtig vertrauen können. In der Schule, oder wo auch immer habe ich es nie geschafft auf andere Menschen zu zugehen, ich hatte Angst vor ihnen. Ich wusste nicht warum, alle anderen konnten es doch, warum ich nicht? Wenn mal jemand auf mich zugegangen ist habe ich versucht mich darauf einzulassen. Ein paar Freunde hatte ich, mit denen ich auch über belangloses sprechen konnte. Aber sie sagten mir auch immer, es sei doch alles so einfach. Ich konnte das nie verstehen. Denn für mich war nichts einfach. Dann kamen die Lehrer an. Ich sei doch so ein kluges Mädchen, warum würde ich denn nichts sagen, es sei doch so einfach. Für mich war es nicht einfach. Ich hatte Angst und wusste nicht warum.
In den letzten Wochen haben viele Lehrer mit mir über meine Noten gesprochen. Recht durchschnittlich würde ich sagen. Weil ich nichts sage, bin ich aber in allen Fächern schlechter als meine schriftlichen Noten sind. Einige haben mir gesagt, ich könne locker eins stehen, wenn ich doch nur EINFACH mal was sagen würde. Fuck the system, ich bin ein Mensch, keine Gleichung die man einfach berechnen kann!
Ich hasse mich selbst einfach so dermaßen dafür, dass ich mir alles selbst so verbaue. Warum bin ich so? Ja, ich kenne die Antwort, aber ich könnte bestimmt irgendwas machen. Ich könnte mit meiner Therapeutin darüber reden, aber ich habe Angst, dass mein Vater es erfährt. Dass ich es verraten habe. Ich will hier einfach nur noch raus. Ich will weg von meinem Vater und ich will ihn nie mehr wiedersehen. Ich wünschte ich könnte mich überwinden meine Ängste abzulegen, aber das kann ich nicht. Es ist nicht so einfach wie alle glauben. Als ich 3 war habe ich das erste Mal den Schwanz meines Vaters in mir gespürt. Das waren die schlimmsten Schmerzen, die ich je hatte. Und die Welt eines kleinen Mädchens ist in diesem Augenblick zusammen gebrochen, und konnte nie mehr richtig zusammengeklebt werden. Ich habe geschrien, dafür hat mein Vater mich geschlagen und mir verboten je wieder einen Laut von mir zu geben wenn wir "baden". Sonst würde er mir schlimmer weh tun, als ich mir je vorstellen konnte. Ich habe nicht mehr geschrien. Zuvor schon musste ich ihn mit Händen und Mund befriedigen, wogegen ich mich nach ein bisschen Gewalt auch nicht mehr gewehrt habe. Aber dieser Tag, dieser Tag wo er zum ersten Mal in mich eingedrungen ist, mich beschmutzt hat wie eine Hure hat mich komplett zerstört.
Es hat 3 Jahre gedauert bin Mama es unterbinden konnte. 3 Jahre sind eine lange Zeit. 3 Jahre lang, etwa 2 Mal pro Woche, macht etwa 300 Mal. 300 Mal, die mein Vater mich missbraucht hat.
Und hier stehe ich heute, 12 Jahre nach dem Ende, ein paar Monate nachdem es mir wieder vor Augen ist. Vor ca. 5 Monaten haben die Erinnerungen angefangen. Ihr könnt euch nicht vorstellen wie sehr man sich von seiner eigenen Psyche verarscht fühlt. Man weiß nicht mehr was man glauben soll, zweifelt an seinem eigenen Gehirn, erklärt sich selbst für verrückt...um letztendlich einzusehen, dass all das wirklich passiert ist. Ich stehe nun hier, um mich herum all diese Scherben meines jungen Lebens, und irgendjemand will noch ernsthaft von mir verlangen, dass ich mich EINFACH nur überwinden muss?!

So, das war ein 100% ehrlicher Text von mir. Meine Gedanken und Gefühle, einfach frei heraus geschrieben. Und an alle die dies gelesen haben:
1.Vergebt mir, dass ich euch diesen Text zugemutet habe
2. Bitte verurteilt mich nicht für diese Worte. Ich wollte nur einmal ohne Lügen sprechen, das habe ich getan. Bitte zeigt mir nicht gleich wieder, dass die Wahrheit zu sprechen etwas schlechtes ist.

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