Montag, 4. Mai 2015

Hallo Leute, ich melde mich nochmal kurz. Also der Tag heute war ganz okay. Erst Schule halt und dann hab ich was mit meinem Freund gemacht. Wir haben angefangen, einen Film, von einem unserer Lehrer gemacht, zu gucken, aber der war echt langweilig. Dann haben wir Supernatural geguckt, aber keine Ahnung, irgendwie hat das dann doch keiner geguckt.
Ich hatte ja auch erzählt, dass er momentan versucht, mir meine Berührungsängste zu nehmen. Das klappt eigentlich ganz gut, heute allerdings wieder nicht so toll. Ich weiß nicht woran es genau lag, auf jeden Fall war es teilweise echt unangenehm angefasst zu werden. Wie kann man das beschreiben?  Also es ist halt so, dass du richtig Angst bekommst, wenn du an einer bestimmten Stelle berührt wirst. Keine Ahnung, vielleicht vergleichbar mit Leuten, die eine Spinnenphobie oder ähnliches haben und dann so ein fettes schwarzes Teil vor sich haben. Wie ein Blitz der deinen Körper durchfährt und langsam wieder abklingt. Das ist dann furchtbar anstrengend.
Leute die mich besser kennen wissen, dass ich viel zu stur bin und trotzdem weiter mache, so tue, als wäre es gar nicht so schlimm. Mein Freund hats aber mittlerweile ganz gut raus, wann genug ist und bewahrt mich davor mich zu übernehmen. Trotzdem bin ich nach Misserfolgen wie heute immer richtig deprimiert. Weil es mich so ankotzt, dass ich das nicht einfach abstellen kann. Ich möchte, dass mein Freund mich anfassen kann, ohne dass er aufpassen muss und ohne dass es für mich ununangenehm ist. Ich möchte richtig Sex haben und mir nicht die ganze Zeit wünschen, dass es endlich vorbei ist. Es kommt mir so vor, als würde ich gar nicht richtig leben. Mir ist klar, dass es wichtigeres gibt als körperliche Nähe, trotzdem wünsche ich es mir. Gott und in solchen Momenten kommt der Hass auf meinen Vater wieder hoch. Wieso hat er mir das angetan? Wieso vergewaltigt man seine kleine Tochter und das über Jahre?  Er hatte eine wunderbare Frau, konnte ihm das nicht genug sein?  Naja, ich glaube, das kann ich niemals verstehen. Aber trotz allem was war, scheint mein Vater mich noch zu lieben. Und trotz allem, muss ich zugeben, dass ich ihn irgendwo ganz tief in mir drinnen auch noch ein bisschen lieb habe. Und das bringt mich mal wieder zum weinen. Weil ich weiß, dass ich diesen kleinen Teil niemals wieder durch lassen werde. Und weil ich es ihm einfach nicht verzeihen kann. Selbst wenn ich das könnte, würde ich niemals vergessen... Ich hätte so gerne eine richtige Familie. Lebende Eltern, die ihr Kind lieben, und zwar auf legale Art und Weise. Und die sich gegenseitig auch lieben. Oder selbst, wenn sie getrennt wären. Hauptsache ich hätte wieder Mutter und Vater, die ich lieben könnte und die mich lieben könnten. Tja, stattdessen sitze ich in diesem Scherbenhaufen fest. Naja. Kann man nicht ändern, kann man wahrscheinlich auch nicht akzeptieren, man muss aber lernen, damit zu leben. Um es mal mit den Worten meines Lehrers zu sagen. So, jetzt wünsche ich euch noch eine annehme Nacht, ich quäle mich dann bis morgen früh durch. Bis dann.

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