Erzähle von einer Lektion, die du gelernt hast.
Wenn es etwas gibt, das ich in den letzten Jahren immer wieder schmerzlich lernen musste, dann zitiere ich mal wieder Das Schicksal ist ein mieser Verräter: "Schmerz verlangt gespürt zu werden"
Ich habe schon viel Schmerz gespürt, obwohl ich in meinem Leben sehr viel Zeit damit verbracht habe, genau das zu vermeiden. Ich habe mir früh eine Mauer aufgebaut, um ja niemanden reinzulassen und ich habe so oft gelogen, dass es irgendwann kein Problem mehr war, auch mich selbst zu belügen. Habe allen, die es interessiert hat eingeredet, dass es mir gut gehe, habe es auch mir selbst immer wieder gesagt. Als meine Fassade Risse bekommen hat, habe ich mir immer häufiger selbst wehgetan und so viel Alkohol getrunken, wie ich konnte. Dass all das es nur schlimmer gemacht hat, habe ich nicht eingesehen. Der Schmerz, den ich mir nicht eingestanden habe, den ich nicht herauslassen wollte, hat sich immer weiter in mir angestaut. Bis da kein Platz mehr war und es einfach aus mir herausgebrochen ist. Ich habe betrunken auf der Straße oder auf einem Feldweg gesessen und angefangen zu weinen, Bilder prasselten durch meine Gedanken und ich konnte nichts davon verhindern. Und irgendwann kam es dann natürlich auch dazu, dass meine Fassade vor anderen gebröckelt ist, vor Leuten, die seit einer gefühlten Ewigkeit auf mich eingeredet hatten, dass sie für mich da waren. Und so habe ich ganz langsam angefangen, bestimmte, ausgewählte Dinge mit anderen zu teilen. Es war ein sehr langer Lernprozess, aber eine unglaublich wichtige Lektion. Es bringt nicht, Dinge in sich hineinzufressen und so zu tun, als wären sie nicht da, denn sie verfolgen dich und irgendwann holen sie dich ein und dann ist der Schmerz schlimmer als jemals zuvor. Man erspart sich selbst eine Menge, wenn man damit anfängt, ehrlich zu sich selbst zu sein. Und dann ehrlich zu seinen Mitmenschen ist. Es fängt bei kleinen Verletzungen an, die dein Gegenüber vielleicht gar nicht als solche meinte. Man trifft die Entscheidung, das entweder ewig mit sich rumzuschleppen und eine Beziehung unterbewusst negativ zu beeinflussen, oder man stellt sich der Verletzung und spricht es direkt an. Mit so kleinen Dingen fängt es an, dass man den Schmerz zulässt und irgendwann ist man bereit, auch über tiefer sitzendes zu reden. Sich selbst zu erlauben zu weinen, zu trauern, zu vermissen. Und dann, wenn man dem Schmerz einen Raum gibt, sich mit ihm auseinander setzt, dann fängt man auch an, ihn zu verarbeiten, gibt sich selbst die Chance zu heilen. Also das ist die Lektion, die ich im Laufe der letzten Jahre gelernt habe: Der einzige Weg, aus dem Schmerz raus ist direkt durch ihn hindurch zu gehen.
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