Kurz vorab: Ich schwöre ich habe den Post gestern schon verfasst, bin aber dumm und habe es ausversehen als Entwurf gespeichert und nicht veröffentlicht. Ganz toll, Alex :D
Erzähle von jemandem, den du vermisst.
Ich verkneife es mir mal, über jemanden zu schreiben, der nicht mehr lebt. Stattdessen schreibe ich einfach über jemanden, den ich schon lange nicht mehr gesehen habe. Das ist ein Freund von mir, mit dem ich zusammen zur Uni gegangen bin. Servan hat Physik und Philosophie auf Lehramt studiert, genauso wie mein damaliger Freund. Deshalb haben wir zusammen die Physikvorlesungen besucht. Und da Servan sehr motiviert war, hat er mit mir zusammen auch noch die Mathevorlesungen besucht, die in meinem Modulplan waren. Als Lehramtsstudent musste er da eigentlich nicht hin, aber wie gesagt, er war motiviert alles mitzunehmen und die Inhalte waren recht grundlegend für die Physikvorlesungen. In den ersten beiden Semestern war er derjenige, mit dem ich die meiste Zeit verbracht habe. Wir sind oft zusammen in die Bibliothek gegangen um zu lernen und haben zusammen viel Spaß gemacht. Es gab eine Vorlesung, da wurde von irgendeiner Sportgruppe eine "aktive Pause" gemacht. Da wurden fünf Minuten lang Bewegungsübungen im Hörsaal gemacht, die alle mitmachen mussten. Nachdem Servan und ich die erste Hälfte der Vorlesung total aufmerksam und konzentriert waren, haben wir uns über die Übungen so beömmelt, dass wir den Rest der Vorlesung nur Unsinn gemacht und uns gegenseitig zum Lachen gebracht. Einmal nach so einer aktiven Pause hat er mir ein Gespräch erläutert, das er mit seiner Freundin geführt hat. Diese ist Biologiestudentin und hat ihm ein paar coole Mikroskopaufnahmen gezeigt, die wohl ziemlich faszinierend aussahen. Daraufhin hat er seine Freundin mit einem Stift beworfen (wie er mir in der Vorlesung wundervoll demonstriert hat) und ihr gesagt "und so faszinierend sieht Physik aus". Ich bin vor lachen fast von den Bank gefallen und aus der Vorlesung geworfen worden. Sowas ist mit ihm ständig passiert. Am Anfang des dritten Semesters hat Servan das Studium leider abgebrochen. Er hat mir in den Vorlesungen wirklich gefehlt. Niemand hat es so gut geschafft, mich an einem schlechten Tag zum lachen zu bringen wie er. Und ich hatte viele schlechte Tage, als er weg war. Ich habe Servan nie großartig was aus meiner Vergangenheit erzählt, er hat mir auch nie Fragen darüber gestellt, was es mit den Narben auf meinem Arm auf sich hat, oder warum ich so viel gekifft und getrunken habe. Trotzdem hat er es geschafft, immer das richtige zu sagen und ist nie in ein Fettnäpfchen getreten, obwohl es davon wirklich viele gegeben hätte. Nachdem er Bonn verlassen hatte, haben wir noch eine Weile miteinander geschrieben und uns gegenseitig Mut gemacht, dass es in Zukunft besser laufen würde. Aber wie das leider häufig im Leben so ist, man verliert sich irgendwann einfach aus den Augen, weil jeder auf seinen Kram konzentriert ist. Trotzdem erinnere ich mich wahnsinnig gerne an die Zeit zurück, die wir gemeinsam an der Uni geteilt haben, denn Servan hat mein Leben in Bonn wirklich sehr bereichert und ich bin dankbar dafür, dass ich ihn kennenlernen durfte. Ich hoffe sehr, irgendwann nochmal was von ihm zu hören und, dass es ihm gut geht und er zufrieden ist mit dem Weg, den er gewählt hat.
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