Schreibe über deine Lieblingsserie.
Meine Lieblingsserie ist "Tote Mädchen lügen nicht", ganz klar. Ich habe das Buch gelesen, als ich 15 oder 16 war und fand es echt gut, doch die Handlung war für mich damit nicht abgeschlossen. Und dann kamen die Produzenten der Serie, packen das Buch in die erste Staffel und schreiben noch 3 weitere Staffeln, das war für mich wirklich sehr befriedigend. Für alle, die die Serie nicht kennen, es geht darum, dass ein Mädchen sich das Leben genommen hat und 13 Gründe für ihren Suizid hat, welche sie auf Kassetten aufnimmt. Jeder Grund dreht sich um einen Menschen, es gibt also für jede Person eine Kassettenseite, auf der sie erklärt, wie sein oder ihr Verhalten zu ihrem Suizid beigetragen hat. Die erste Staffel befasst sich nur mit diesen Kassetten. In der zweiten Staffel geht es dann darum, dass der Protagonist der Serie den Verlust des Mädchens verarbeitet und welche Auswirkungen die Kassetten und der Suizid auf alle Personen haben, die etwas mit der Toten zu tun hatten. Außerdem wird die Vergewaltigungskultur an Schulen, vor allem im Kreise von Sportlern behandelt und bekämpft. In der dritten Staffel geht es dann um die Aufklärung eines Mordes an einem dieser Vergewaltiger und in der letzten Staffel geht es um einen weiteren Tod, aber auch die Themen Suizid, Vergewaltigung, Drogenmissbrauch, Gewalt, Rassismus und Sexismus werden weiterführend beleuchtet. Und genau das ist es, was ich an dieser Serie so liebe. Nach der ersten Staffel, aber auch nach dem erscheinen jeder weiteren Staffel, wurde die Serie in der Presse zerrissen, weil es angeblich falsch wäre, junge Menschen in Kontakt mit diesen Themen zu bringen und es zu Nachahmungstaten anstiften würde. So ein Blödsinn. Ich für meinen Teil bin dankbar, dass solche Tabuthemen endlich mal offen angesprochen und auch ein Stück weit schonungslos gezeigt werden. Denn das ist die Realität. Und da ich selbst Opfer sexueller Gewalt war, auch lange Zeit unter Suizidgedanken gelitten habe, Drogen genommen habe und mit dem Suizid einer Freundin fertig werden musste, kann ich guten Gewissens sagen, dass es für Leute, die selbst von diesen Themen betroffen sind, unglaublich gut tut, sie nicht mehr tot zu schweigen. Denn schweigen macht diese Probleme nur schlimmer. Wie in der Serie auch sehr schön gezeigt wird, wie ich finde. Ich werde, für alle, die die Serie gesehen haben, mit dem restlichen Post auf ein paar Charakterentwicklungen aufzeigen, die mir besonders gut gefallen haben.
Da ist einmal Alex, der in meinen Augen eine unfassbar positive Entwicklung durchgemacht hat. Sein Verhalten zu Beginn der Serie zeigt sehr deutlich, wie verwirrt und schuldig man sich fühlt, wenn sich ein anderer Mensch, den man eigentlich gut kannte, das Leben nimmt. Und dass einen der Gedanke, man hätte es verhindern können, in den Wahnsinn treiben kann. Und ich finde es toll, wie er nach seinem eigenen Suizidversuch versucht, für seine Fehler gerade zu stehen und Verantwortung zu übernehmen. Wie ihm klar wird, wie wichtig Freunde und Familie sind. Ich kann sogar verstehen, warum er Bryce umgebracht hat, ich hätte es genauso gemacht, schätze ich. Natürlich ist die Message, dass wenn man weiß ist und dein Vater ein Cop ist, du sogar mit Mord davon kommst, nicht so glücklich gewählt, aber ganz ehrlich, ich bin froh, dass Alex nicht ins Gefängnis musste und dass seine Freunde und Familie ihn so unterstützt haben. Auch die Entwicklung in der letzten Staffel finde ich wunderschön, wie er seine Gefühle für Charlie entdeckt und auch, wie positiv seine Familie auf sein Outing reagiert. Vielleicht nimmt das manchen Leuten ja die Angst davor. Und es ist sehr realistisch dargestellt, dass sich als Teenager alles so endgültig anfühlt, so als ob schlechte Gefühle für immer bleiben würden. Doch Alex Entwicklung zeigt, dass man es da raus schaffen kann, auch wenn man denkt, der Scheiß endet nie.
Dann ist da natürlich Jessica, die sich selbst in der ersten Staffel verleugnet, aber dann im Laufe der Zeit aufhört sich zu verkriechen, vom Opfer zur Überlebenden wird und anfängt Krach zu machen und sich für ihre Rechte und die von anderen Frauen einzusetzen. Ich finde ihre Entwicklung wirklich sehr inspirierend. Jessica ist für mich ein großes Vorbild. Ich finde es wahnsinnig mutig, dass sie Bryce anzeigt und als Schülersprecherin wirklich versucht, sich für ihre Mitschüler einzusetzen und jedem eine Stimme zu geben. Vor allem, sich selbst wieder eine Stimme zu geben. Es ist toll, wie sie es nach der Vergewaltigung schafft, ihre Sexualität neu zu erkunden. Außerdem finde ich ist es auch sehr realistisch dargestellt, die Probleme die sich hat, in ihrem eigenen Bett zu schlafen, wie man plötzlich in einer ganz alltäglichen Situation ein Flashback bekommen kann, aber auf der anderen Seite auch trotz allem schöne Momente haben kann, des Wunsch hat, eine Beziehung einzugehen und auf die Uni zu gehen und einfach eine Zukunft für sich selbst zu sehen. Wirklich sehr inspirierend.
Und zu guter Letzt möchte ich noch Justin nennen. Ja, er hat ne Menge Scheiße gebaut, aber das hat jeder von uns. Vielleicht nicht in diesem Maßstab (vielleicht aber auch schlimmer?) aber jeder hat in seinem Leben schonmal folgenschwere Entscheidungen getroffen, bzw die Entscheidung getroffen, etwas schlimmes nicht zu verhindern. Aber ähnlich wie Alex versucht er, die Scheiße die er gebaut hat, wieder gerade zu biegen und geht ins Gefängnis, um Jessica in ihrer Aussage zu bestätigen. Das erfordert großen Mut. Wenn man sich mal seine Vergangenheit anschaut, ist es auch mehr als verständlich, dass Justin eine Drogensucht entwickelt. Viele Opfer von Kindesmissbrauch fangen an Drogen zu nehmen, wenn sie realisieren, was da eigentlich mit ihnen passiert ist. Und dass seine Mutter auch drogenabhängig war und mit Dealern und sonstigen zwielichtigen Personen zusammen war, hat die Sache nicht besser gemacht. Justin hat einen unglaublich schwierigen und traurigen Weg hinter sich, aber es ist wirklich bemüht, eine bessere Version von sich selbst zu sein, für seine Fehler einzustehen und clean zu bleiben. Es ist so toll, ihn im Familienleben bei den Jensens zu sehen, mein Herz ist dahin geschmolzen. Sein Ende ist eine Tragödie, mit der ich absolut nicht einverstanden bin. Natürlich ist es nicht falsch, seine Geschichte zu nutzen um auch auf die Risiken von intravenösen Drogeneinnahmen und die Folgen von sexueller Gewalt hinzuweisen, aber hätte man ihn wirklich sterben lassen müssen? Leute ich sage euch, ich habe die letzten beiden Folgen Rotz und Wasser geheult, dieses Schicksal hatte er nicht verdient, wo er doch auf so einem guten Weg war. Natürlich ist er wieder rückfällig geworden und hat gelogen, aber das gehört ein Stück weit zu einer Sucht dazu. Ich kann gar nicht zählen, wie oft ich mit dem schneiden aufgehört habe und dann verheimlicht habe, dass ich doch wieder angefangen habe. Von daher kann ich Justin sein Verhalten verzeihen.
Soviel zu meinen Lieblingscharakteren in meiner Lieblingsserie. Wie gesagt, ich finde es einfach toll, dass in einer Serie so viele Tabus gebrochen werden und ich hätte gerne mehr solcher Serien, damit wir das Wort "Tabuthemen" bitte endlich aus unserem Wortschatz löschen können. Man sollte über jedes Thema frei reden können, denn Schweigen schafft sie nicht aus der Welt, sondern macht alles nur schlimmer.
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